Mehr Plätze, Städte besser verknüpfen: Das wird neu beim VRR

Das Bild zeigt eine S-Bahn der Linie S1 in Fahrtrichtug Solingen beim Halt am Bochumer Hauptbahnhof Archiv-Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Das Bild zeigt eine S-Bahn der Linie S1 in Fahrtrichtug Solingen beim Halt am Bochumer Hauptbahnhof Archiv-Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Der VRR setzt bei S-Bahnen künftig auf den Viertelstundentakt – allerdings nicht auf allen Strecken. Neue Linien sollen dennoch Kunden gewinnen.

Essen/Hagen.. So eine Chance kommt alle 15 Jahre: 2019 wird das S-Bahnnetz an Rhein und Ruhr neu vergeben – für eben 15 Jahre. Der Verkehrsverbund will die Gelegenheit zu einer umfassenden Neuordnung nutzen: Eine Verbesserung des Angebotes, so das Versprechen des Verkehrsverbundes, der auf rund 19 000 neue Fahrgäste pro Tag hofft. Da es kaum mehr Geld geben wird, will der VRR die zusätzlichen Kosten für mehr Zugkilometer bei den Ausschreibungen einsparen: Das S-Bahnnetz wird – wie jüngst die Verkehrsleistungen des VRR – in mehreren Losen ausgeschrieben, was anderen Anbietern als der DB das Mitbieten erleichtern soll.

S-Bahnen fahren oft 15-Minuten-Takt im Kernruhrgebiet

Kernpunkt des Konzeptes: Im Kernruhrgebiet wird der S-Bahntakt auf einen 15-Minuten-Takt umgestellt – aber auch auf vielen Routen auf einen Halbstundentakt ausgedünnt. Hier sollen Fahrzeuge mit mehr Sitzplätzen dafür sorgen, dass es dennoch nicht zu voll wird. Unterm Strich erhoffen sich die Verkehrsplaner vor allem eine Stärkung der Nord-Süd-Achsen im Revier – und sie wollen mit neuen Regionalbahnlinien die Städte besser verknüpfen.

Die sollen neben den schnellen, fast landesweiten RRX-Verbindungen ab dem Jahr 2018 und dem eher für Kurzstrecken genutzten S-Bahnnetz künftig ein größeres Netz abdecken, das gerade im westlichen Ruhrgebiet und am rechten Niederrhein für neue, umsteigefreie Verbindungen sorgt.

Dass der neue Fahrplan nicht für großes Chaos sorgt, hat man bereits in einem Stresstest untersucht: „Man kann das fahren, und Störungen schaukeln sich auch nicht auf“, so Ralf Dammann, der Angebotsplaner des VRR. Allerdings gibt es Stellen, die ihm Sorgen machen: Eine davon heißt Essen-Dellwig-Ost: Der kleine Haltepunkt soll zweigleisig ausgebaut werden, dennoch bleibt das eingleisige Streckenstück zwischen dem Essener Nordwesten und Bottrop ein Nadelöhr.

Schon ab Ende 2016 kommt hier der erste Schritt: Der Rheinexpress RE5, der bislang bis Emmerich rollt, endet künftig in Wesel, dafür wird die Regionalbahn RB35 künftig stündlich von Düsseldorf über Emmerich hinaus bis Arnheim rollen. Hier wird Abellio den Betrieb von der DB-Regio übernehmen.

Ab 2018 soll die Strecke von Wesel über Hamminkeln nach Bocholt elektrifiziert sein, sodass die Linie RB35 in Wesel geteilt werden kann: Ein Zug nach Arnheim, ein Zug nach Bocholt. Und ab 2019 wird neu eingeführt die Linie RB41, die Wesel und Dinslaken direkt mit Mülheim und Essen verbindet, von dort fahren die Züge weiter nach Wuppertal. Die bisherige Bahn nach Mönchengladbach kommt künftig aus Bottrop und soll in Oberhausen am selben Bahnsteig Anschluss an die Linie Wesel-Wuppertal haben.

Geänderte Linienführung in der Region

Im westlichen Ruhrgebiet wird man sich künftig an einen neuen S-Bahn-Takt gewöhnen müssen: Die Linien fahren künftig nur noch alle 30 Minuten statt wie bisher im 20-Minuten-Takt. Die S2 wird zwischen Duisburg und Gelsenkirchen zur Regionalbahn umgetauft und soll mit dem Regionalexpress für einen Halb-Stunden-Takt auf der Gesamtroute bis Dortmund sorgen.

Die S1 wird zwischen Mülheim und Duisburg durch den neuen RE42 ergänzt, der schon ab 2016 von Münster quer durchs Ruhrgebiet nach Mönchengladbach fährt. Südlich von Duisburg fährt die S1 wie bisher im 20-Minuten-Takt. Heißt: Ein Zug steht in Duisburg zehn Minuten herum. Positiv formuliert: Er kann auch bis zu zehn Minuten Verspätung aufholen.

Auf der Route der S9 soll künftig die Strecke von Gladbeck über Bottrop nach Essen im 15-Minuten-Takt bedient werden: Zwei Regionalexpresszüge aus dem Westfalenland (von Borken, Coesfeld, Dorsten) und zwei Züge der S9 (einer aus Haltern, einer von Recklinghausen über Herten) sollen diese Nord-Süd-Achse stärken – auf Kosten der weniger frequentierten S-Bahn-Haltepunkte insbesondere auf Essener Stadtgebiet, die einen Halt pro Stunde verlieren. „Das sind Stationen mit weniger als 1000 Ein- und Aussteigern“, versichert Dammann.

Die S9 wird sogar hinter Wuppertal noch weiter verknüpft: Sie soll Fahrten der S8 Richtung Hagen übernehmen und dort dann zur heutigen Linie RB40 werden. Bahnfreaks können dann ohne umzusteigen das ganze Ruhrgebiet in einem Rutsch erkunden: Recklinghausen-Herten-Bottrop-Essen-Wuppertal-Gevelsberg-Hagen-Witten-Bochum-Essen würde die mutmaßlich knapp dreistündige Rundtour dauern. Klingt ganz so, als bräuchte diese S-Bahn einen Panoramaspeisewagen.

 
 

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