Mehr Autoknacker im Revier - Viele Verdächtige aus Afrika

Autoknacker unterwegs. Knapp jeder zweite der 2015 in den Städten und Kreisen des Ruhrgebiets festgestellten 1544 Tatverdächtigen hatte nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
Autoknacker unterwegs. Knapp jeder zweite der 2015 in den Städten und Kreisen des Ruhrgebiets festgestellten 1544 Tatverdächtigen hatte nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.
Foto: imago
  • Zahl der Autoaufbrüche und -diebstähle in NRW steigt stetig
  • Aufklärungsquote der Polizei bleibt niedrig bei unter 10 Prozent
  • Immer mehr Verdächtige aus Algerien, Tunesien und Marokko

Ruhrgebiet.. Der Morgen nach einer Nacht, in der sie wieder unterwegs waren: Hinten rechts im silbermetallic-farbenen Mercedes ist die Scheibe eingeschlagen. Im Wageninneren klafft neben dem Lenkrad ein Riesenloch: Autoradio und Navi sind ausgebaut und verschwunden. Wenig später könnte man ein Straßenfest auf der nächsten Wache starten. Sechs Nachbarn geben der Reihe nach ihre Strafanzeige auf. Die Bande hat eine ganze Siedlung abgearbeitet.

Die Strafanzeige dient oft eher als Versicherungsbeleg. Die Kfz-Brüche weisen nach wie vor eine steigende Tendenz auf; im Jahr 2015 registrierte die Polizei NRW-weit insgesamt 105.528 "Diebstähle aus Kraftfahrzeugen", 8219 Autos wurden als gestohlen gemeldet. Die Aufklärungsquoten in den meisten Großstädten des Ruhrgebietes pendeln irgendwo zwischen drei und zehn Prozent. Mindestens neun von zehn Fällen bleiben dort also im Dunkeln – das in einer Region, die durchaus häufig heimgesucht wird.

Deutlich mehr Diebstähle in Großstädten

Von 2014 auf 2015, binnen zwölf Monaten, ist die Zahl der Tatverdächtigen in Dortmund von 281 auf 345 gestiegen, in Bochum von 155 auf 172, in Duisburg von 120 auf 147, in Essen von 182 auf 268. Etwas kleinere Großstädte wie Oberhausen und Hagen weisen eine sinkende Tendenz auf.

Nur durch enorme, auch personelle Anstrengungen der Polizei kann eine Kehrtwende eingeleitet werden. So ist es beispielsweise den Essener Fahndern 2015 gelungen, ihre schlechte Bilanz von 2014 (3,57 Prozent Aufklärung) auf 7,79 Prozent und damit den höchsten Wert seit acht Jahren zu verbessern. Fast 7000 Fälle - darunter blieb es 1129 Mal beim Versuch - mit fast 6,8 Millionen Euro Schaden wurden in Essen im vergangenen Jahr gemeldet, aber im Präsidium hatte man Bandenstrukturen besser erkannt und die Bereitschaftspolizei zur besseren Präsenz in den Stadtteilen eingesetzt. Es gab gezielte Kontrollen, eine Ermittlungskommission ließ am Ende 47 Täter in Deutschland und Litauen hochgehen, denen 400 Taten nachgewiesen werden konnten.

Aufklärungsquoten sind bescheiden

Das NRW-Innenministerium hat jetzt auf eine Anfrage des Essener FDP-Abgeordneten Ralf Witzel aufgelistet, woher die Autoknacker in den zwölf Polizeidirektionen des Reviers kommen. Die Bilanz der Statistik: Es ist ein kriminelles Geschäft, das oft aus dem Ausland gesteuert und von Ausländern ausgeführt wird. Knapp jeder zweite der 2015 in den Städten und Kreisen des Ruhrgebiets festgestellten 1544 Tatverdächtigen hatte nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Genau waren es 766 und damit deutlich mehr als im Jahr zuvor, als ihr Anteil mit etwas über 500 von 1332 Verdächtigen niedriger lag.

Das Ergebnis der statistischen Erhebung ist aber noch in anderen Hinsicht spannend. Die Autoknacker des Jahres 2015 kommen, wie in den 90er Jahren, vielfach immer noch aus Osteuropa. Litauer (125), Rumänen (97) und Bulgaren führen die Liste bei den osteuropäischen Autoknackern an; nicht alle Polizeibehörden aber listen dazu Zahlen auf. Polen spielen kaum noch eine Rolle. Der türkische Verdächtigen-Anteil sinkt deutlich. Was die Zahlen zudem zeigen: Nordafrikaner sind immer öfter vertreten. 226 stammten im vorigen Jahr aus Algerien, Marokko oder Tunesien.

Der Abgeordnete Ralf Witzel hält es unterdessen für nötig, vor allem die Aufklärungsquoten zu verbessern. Die aktuellen seien „eine problematische Einladung an alle Täter“.

 
 

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