Materialfehler könnte Schwebebahn-Unfall in Wuppertal ausgelöst haben

Ein Unfall, der Experten vor Rätsel steht: Warum vor dieser Schwebebahn am 18. Oktober eine Stromschiene vom Gerüst krachte oder ob die Schwebebahn diese Schiene womöglich abgerissen hatte, ist auch drei Wochen nach dem Vorfall in Wuppertal noch unklar. Nun gibt es eine neue Vermutung: war es ein Materialfehler?
Ein Unfall, der Experten vor Rätsel steht: Warum vor dieser Schwebebahn am 18. Oktober eine Stromschiene vom Gerüst krachte oder ob die Schwebebahn diese Schiene womöglich abgerissen hatte, ist auch drei Wochen nach dem Vorfall in Wuppertal noch unklar. Nun gibt es eine neue Vermutung: war es ein Materialfehler?
Foto: dpa
Nach dem Schwebebahn-Unfall Mitte Oktober in Wuppertal steht die Bezirksregierung Düsseldorf in Sachen Wiederbetrieb auf der Bremse: Erst wenn die Unfall-Ursache herausgefunden ist, könne die Bahn wieder fahren. Jetzt im Blick: ein möglicher Materialfehler.

Wuppertal.. Erst war es der 4., dann der 10. November, wann die Wuppertaler Schwebebahn "frühestens" wieder fahren sollte. Doch es sieht danach aus, dass die Schwebebahn noch länger still steht, nachdem am 18. Oktober eine massive Stahl-Stromschiene hinter dem Bahnhof Kluse auf einer Länge von 260 Metern aus dem Schwebebahn-Gerüst in die Wupper und auf eine Straße und zwei Autos gekracht war. Zwei Menschen wurden verletzt. Ein Zug mit 76 Fahrgästen hing für Stunden über der Wupper, die Feuerwehr musste die Menschen über eine Leiter befreien.

"Trotz intensiver Suche ist bisher kein Fehler gefunden worden, der den Vorfall verursacht haben kann", sagt Volker Klagges, Sprecher der Bezirksregierung jetzt auf Anfrage. Und er macht klar: "Die Schwebebahn wird erst dann wieder fahren, wenn die Ursache gefunden und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen an der Strecke ergriffen worden sind".

Dabei haben die Ermittler nun offenbar eine neue Spur: es geht um einen möglichen Materialfehler. Im Blick ist die Aufhängung der Stromschiene. Die war mehr als 100 Jahre lang aus Stahl. Mittlerweile aber sind die Halterungen aus Kunststoff, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Die hat nun den Kreis der Gutachter erweitert: um einen Werkstoff-Experten.

Unfall wegen Material- oder Konstruktionsfehler?

Beim Schwebebahn-Betreiber, den Wuppertaler Stadtwerken (WSW), ist man nervös. Über das schlimmst mögliche Szenario mag Sprecher Holger Stephan nicht spekulieren: "Wir hoffen, dass es am Fahrzeug liegt. Da wäre die Ursache am leichtesten zu beheben".

Klar ist: sollte es durch einen Konstruktions- oder Materialfehler am Fahrgerüst zu dem Unfall gekommen sein, müsste womöglich die komplette Strecke ausgebessert werden - auf den kompletten 13,3 Kilometern. Die betreffende Stromschiene sei 15 Jahre alt gewesen, die Halterung drei Jahre. Und: einen solchen Unfall gab es bei der Schwebebahn noch nicht.

Erst im Mai diesen Jahres war die Schwebebahn, deren offizielle Premiere im März 1901 war, nach 18-jähriger Sanierung und zahlreichen wochen- bis monatelangen Streckenstilllegungen für insgesamt 600 Millionen Euro wieder in Betrieb gegangen. Bei der Sanierung, sagt WSW-Sprecher Stephan, wurde das komplette Fahrgerüst erneuert - "bis zur letzten Niete". Optisch hat sich an der Konstruktion kaum etwas verändert, im Detail aber seien "auch neue Werkstoffe" verwendet worden, sagt Stephan. Sind sie das Problem?

Unfallstelle ist repariert, zwei Züge sind beschlagnahmt

Geht es nach den Stadtwerken, könnte die Bahn bereits wieder fahren: "Die Unfallstelle ist repariert". Auch die Züge wären einsatzbereit - abgesehen von zwei der 26 Triebfahrzeuge. Sie sind nach wie vor Objekt der Ursachenforschung und wurden von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt: "Es geht um den Unfall-Zug und die vorausfahrende Bahn", sagt ein Justiz-Sprecher.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, "dass wir andere Fragen als der Betreiber stellen". In den Ermittlungen - "gegen Unbekannt" - geht es um den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Während die Justiz nur die Unfallstelle im Blick hat, haben der Schwebebahn-Betreiber und die Bezirksregierung Düsseldorf auch mit der Frage zu kämpfen, ob sich ein solcher Unfall an anderer Stelle wiederholen könnte. Sollte sich der Materialfehler-Verdacht erhärten, müsste man davon ausgehen.

Mehrere Gutachter im Einsatz

Neben den beiden Gutachtern, die für die Justiz ermitteln, lassen deshalb auch die Stadtwerke den Unfall untersuchen, von eigenen Gutachtern. Dazu Experten zu finden, sei nicht so einfach gewesen: "Das System ist weltweit einzigartig", sagt WSW-Sprecher Stephan.

Laut WSW ist die komplette Strecke inzwischen von Experten abgefahren und abgelaufen worden. Täglich gebe es Gespräche der Experten, würden Daten berechnet, Abläufe rekonstruiert. Die Begutachtung sei äußert aufwändig: "Es muss ja alles dokumentiert und fotografiert werden, alleine das brauchte schon viel Zeit". meint Stephan.

Zu den Kosten des Betriebsstopps möchten die Wuppertaler Stadtwerke noch keine Summe nennen. Letztlich sei das derzeit auch nicht das Problem: "Die Sicherheit bei der Schwebebahn geht vor. Das ist das Wichtigste". Solange der Fehler nicht gefunden ist, fahren Busse. Am Steuer sitzen auch die Schwebebahn-Fahrer.

 
 

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