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Lützerath: Kurz vor Eskalation – plötzlich tauchen diese Stars im Protest-Dorf auf

Lützerath steht kurz vor dem Showdown. Das besetzte Braunkohle-Dorf soll bald geräumt werden. Kurz davor kündigt sich eine beliebte Band an.

© IMAGO / Panama Pictures

Das ist Luisa Neubauer

Luisa Neubauer ist nach Greta Thunberg das bekannteste Gesicht von “Fridays for Future“ in Deutschland.

Ganz Deutschland schaut dieser Tage auf Lützerath in NRW. Das kleine Dorf ist zu einem Symbol des Umweltschutzes geworden. Energiekonzern RWE will die kleine Siedlung abreißen, um die darunter liegende Braunkohle zu fördern. Doch dagegen hat sich Widerstand formiert.

Wie schon im Kampf um den Erhalt des Hambacher Forsts, haben Umweltschützer die Siedlung besetzt, um den Abriss und damit den fortschreitenden Tagebau zu verhindern. Kurz vor der geplanten Räumung des Dorfes haben jetzt prominenten Musiker dazu aufgerufen, nach Lützerath zu pilgern. Sie wollen selbst vor Ort ein Konzert geben.

Lützerath: Beliebte Band gibt Gratis-Konzert

„Lützerath muss bleiben. Deswegen machen wir dort am Sonntag Musik. Und wir freuen uns krass über alle, die sich entscheiden zu kommen“, schreibt Henning May auf seinem Instagram-Kanal. Der Sänger der Kölner Band „Annenmaykantereit“ hat seine Fans dazu aufgerufen, am Sonntag (8. Januar) nach Lützerath zu pilgern, um gegen 12 Uhr an einem Dorfspaziergang teilzunehmen. Seine Band spiele später um 14.30 Uhr ein Konzert an der Mahnwache des kleinen NRW-Dorfs.

Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatorinnen der „Fridays-for-Future“-Bewegung in Deutschland, feiert die Aktion und appelliert in ihrer Instagram-Story an alle: „Ihr seid gebraucht. Kommt dazu.“

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Fridays for Future“ plant gemeinsame Anreisen aus vielen Teilen Deutschlands. Am Kölner Hauptbahnhof treffen sich die Umweltschützer am Sonntag um 10.15 Uhr an Gleis 9 und ruft dazu auf, ein Fahrrad mitzunehmen.

So ist die Lage in Lützerath

Die Situation in Lützerath ist brenzlig. Mehr als 100 Umweltschützer halten das Dorf besetzt. Sie haben Baumhäuser errichtet und sich in verlassenen Häusern niedergelassen, obwohl der Kreis Heinsberg in einer Allgemeinverfügung den Aufenthalt seit dem 23. Dezember untersagt. Vor dem Verwaltungsgericht Aachen mussten die Klimaaktivisten kürzlich eine Niederlage einstecken. Das bestätigter die Rechtmäßigkeit des Aufenthaltsverbots.

Lützerath
Lützerath steht kurz vor der Räumung durch die Polizei. Foto: IMAGO / Panama Pictures

Das Betreten von Lützerath könne nicht unter Berufung auf zivilen Ungehorsam infolge eines Klimanotstands gerechtfertigt werden. Rechtsgrundlage sei das Polizei- und Ordnungsrecht. Nun haben die Aktivisten am Donnerstag eine Beschwerde vor dem Oberveraltungsgericht in NRW eingelegt. Vor Montag wolle das Gericht jedoch nicht in der Sache entscheiden. Die Allgemeinverfügung sieht vor, dass das Gelände schon ab Dienstag durch die Polizei geräumt werden kann. Zuvor hatte es bereits gewaltsame Zusammenstöße mit der Polizei gegeben.

Protest in Lützerath: Das sagt der Verfassungsschutz

NRW-Innenminister spricht von Vermummten, die Einsatzkräfte mit Böllern, Steinen und Flaschen beworfen hätte. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes würden sich vor der heißen Phase der Räumung rund 130 Aktivisten dort aufhalten. Die überwiegende Mehrheit seien „zivildemokratische Akteure“. Doch es würden sich auch 30 gewaltbereite Linksextremisten dort aufhalten.


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Im Vergleich zu den Protesten um den Erhalt des Hambacher Forsts im Jahr 2018 gibt es übrigens einen bemerkenswerten Unterschied: Damals befanden sich die Grünen noch in der Opposition und hatten NRW-Innenminister Herbert Reul noch scharf für das Vorgehen kritisiert. Die Räumung ist ein schmerzlicher, aber leider notwendiger Schritt“, sagte nun die grüne Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur zuletzt der Deutschen Presse-Agentur. Sie verteidigt den Abriss von Lützerath mit dem Argument, dass dafür der Kohleausstieg um acht Jahre von 2038 auf 2030 vorgezogen worden sei und fünf andere Dörfer im Rheinischen Braunkohlerevier vor der Zerstörung bewahrt würden. Die Aktivisten halten dem entgegen, dass bis 2030 nun so viel Kohle verfeuert werde, dass der frühere Ausstieg gar nichts bringe. (mit dpa)