Kinder auf Campingplatz in Lügde/NRW missbraucht – Zahl der Opfer steigt an

Auf diesem Campingplatz im Nordrhein-Westfälischem Lügde lebte der Dauercamper.
Auf diesem Campingplatz im Nordrhein-Westfälischem Lügde lebte der Dauercamper.
Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Auf einem Campingplatz in Lügde sollen sich Männer an bis zu 23 Kindern vergangen haben
  • Über 1000 Taten konnte die Polizei bisher ermitteln

Detmold. Drei Männer sollen auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde mindestens 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt haben. Es gehe um mehr als 1000 Einzeltaten, sagte der Leiter der Ermittlungskommission Camping, Gunnar Weiß.

Die Opfer seien 4 bis 13 Jahre alt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weitere Opfer gebe. „Wir haben noch einen Haufen Arbeit vor uns“, sagte Weiß. Lügde liegt im Kreis Lippe an der Grenze zu Niedersachsen.

Im Newsblog halten wir dich über die aktuelle Entwicklung in dem Fall auf dem Laufendem:

Freitag, 1. Februar, 18 Uhr – Zahl der Opfer steigt

Die Zahl der bekannten Opfer ist gestiegen: Sie wuchs von 23 auf 29, wie die Bielefelder Polizei am Freitag mitteilt. Nach der Pressekonferenz zu dem Fall am Mittwoch hatte es nach Angaben der Ermittler Hinweise auf mögliche neue Opfer gegeben. Die Auswertung führte dann zu den weiteren Betroffenen. Weitere Details wie Altersangaben wollte die Polizei nicht nennen.

Die Ermittlungen zu dem Fall in Lügde übernahm am Donnerstag das Polizeipräsidium Bielefeld als übergeordnete Behörde. „Insbesondere die große Menge sichergestellter digitaler Daten macht es erforderlich, weitere Fachleute anderer Polizeibehörden aus NRW in die Bearbeitung einzubinden“, teilte die Bielefelder Polizei mit.

Die im Raum stehenden Vorwürfe auch gegen Behörden werden im Rahmen der neuen Ermittlungskommission, auch aus Neutralitätsgründen, gesondert bearbeitet, hieß es weiter.

09.11 Uhr – Nach Missbrauch auf Campingplatz: Meldepflicht für Provider verlangt

Nach dem sexuellen Missbrauch von mindestens 23 Kindern auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen hat der zuständige Beauftragte der Bundesregierung seine Forderung nach einer Meldepflicht für Internet-Anbieter bekräftigt. Wenn diese auf kinderpornografisches Material stießen, sollten sie es dem Bundeskriminalamt (BKA) melden, sagte Johannes-Wilhelm Rörig dem „Westfalen-Blatt“.

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, sprach von einem „monströsen Fall“.

Der Missbrauchsbeauftragte hatte schon im vergangenen Juni die Einführung einer Meldepflicht für Internet-Provider verlangt. Bisher kämen in Deutschland Meldungen zu Missbrauchsdarstellungen vor allem vom US-Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (National Center for Missing and Exploited Children, NCMEC), weil in den Vereinigten Staaten eine gesetzliche Meldepflicht gelte, erklärte er damals. Auch deutsche Anbieter sollten gesetzlich verpflichtet werden, Verdachtsfälle auf Kinder- und Jugendpornografie an eine zentrale Stelle - zum Beispiel beim BKA - zu melden, hatte Rörig gefordert.

Das wissen wir über die Tatverdächtigen

Im Fall Lügde gehen die Ermittler der neunköpfigen Ermittlungskommission „Camping“ von weiteren möglichen Tätern aus. Zumindest sei es eher unwahrscheinlich, dass das Material nicht noch an weitere Personen weitergegeben wurde, erläuterten die Ermittler am Mittwoch. Der Hauptverdächtige war Anfang Dezember festgenommen worden, zwei weitere Tatverdächtige wurden am 10. und 11. Januar dingfest gemacht.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Männern schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Zwei der Verdächtigen aus NRW im Alter von 56 und 33 Jahren sollen auf dem Campingplatz nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen die Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht haben. Ein dritter Mann aus Stade in Niedersachsen soll als Auftraggeber aufgetreten sein. Der 46-Jährige war wohl selbst nie vor Ort in Lügde.

Polizei geht von weiteren Opfern aus

Seit 2008 waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge mindestens 23 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen zu Opfern geworden. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich viele Betroffene noch nicht gemeldet haben. „Wie hoch die Dunkelziffer ist, können wir seriös derzeit nicht sagen“, erklärte der Leiter der Ermittlungskommission, Gunnar Weiß.

„Dem Opferschutz und der Opfernachsorge räumen wir einen hohen Stellenwert ein“, sagte Achim Tietz als Leiter des zuständigen Kriminalkommissariats. „Wir haben entsprechende Hilfen für die Kinder, für betroffene Angehörige, aber auch für unsere Kolleginnen und Kollegen der Ermittlungskommission "Camping" angeboten.“

Behörden-Fehler werden geprüft

Neben dem Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs verfolgen die Ermittler zwei weitere Stränge. Zum einen geht es um die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet. Bei den Verdächtigen stellte die Polizei auf zahlreichen Datenträgern Beweismaterial mit einem Datenvolumen von 14 Terabyte sicher, wobei nur ein Teil der Fotos und Videos in Lügde entstand. Das Bundeskriminalamt hat Material aus anderen Fällen identifiziert.

Zum anderen schaut sich die Staatsanwaltschaft das Verhalten der Jugendämter im Kreis Lippe und im benachbarten niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont an. „Wir überprüfen, ob die Behörden Fehler gemacht haben“, sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter dazu am Mittwoch.

15.14 Uhr

Lügde/NRW: 14 Terabyte Daten sichergestellt

Die Verdächtigen - ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim bei Höxter und ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen - seien in Untersuchungshaft. Die Taten sollen sich demnach in einem Zeitraum von zehn Jahren auf dem Campingplatz ereignet haben.

13 000 gesicherte Kinderpornodateien seien dem Bundeskriminalamt übergeben worden. Das Datenvolumen betrage 14 Terabyte. Das ganze Ausmaß der Taten sei erst im Laufe der Ermittlungen nach und nach deutlich geworden, sagte Achim Tietz, Leiter des zuständigen Kommissariats 1.

Ermittler berichten von perversen Methoden

Um die Kinder in den Wohnwagen zu locken, hätten die Tatverdächtigen eine Art Belohnungssystem entwickelt. So seien die Minderjährigen, die selbst zum größten Teil wohnhaft auf dem Gelände sind, immer wieder in die Missbrauchsfalle getappt.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz über die Taten informiert. Ermittelt wird unter anderen wegen schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern.

Pressekonferenz zum Nachlesen:

11.29 Uhr

Behörden hatten 2016 Hinweise auf „Kindeswohlgefährdung“ bekommen. In der Obhut des 56-Jährigen befand sich ein Pflegekind. Strafrechtlich konnte dem Camper nichts nachgewiesen werden. Die Ermittlungen verliefen im Sande.

Die leibliche Mutter sei eine Bekanntschaft des Mannes gewesen.

11.25 Uhr

Gunnar Weiss, leitender Ermittler: „Bisher haben sich die Taten auf den Pazellen und in einer Wohnung in Lügde ereignet.“ Der Kinderporno-Konsument aus Stade sei, nach bisherigen Erkenntnissen, nur Konsument gewesen.

Ein Großteil der Opfer seien im Umfeld des Campingplatzes wohnhaft gewesen. Es seien sowohl Mädchen als auch Jungen im Alter zwischen vier und 13 Jahren betroffen.

11.22 Uhr

Achim Tietz, Kriminalkommissar, gesteht: „Die Fälle gehen uns nahe.“ Es seien Lebensräume für die Missbrauchsopfer geschaffen worden, in denen sie „sich wohlfühlen“. Unter anderem hätte es ein Belohnungssystem gegeben.

„Wir setzen uns für die Kinder ein“, versucht er zu verdeutlichen, dass die beteiligten Beamten alles tun, um die Fälle aufzuklären.

11.16 Uhr

Ende 2018 erhielt die Polizei Hinweise durch ein 6-jähriges Kind. Am 6.12. konnte der alleinerziehende Pflegevater festgenommen werden. Innerhalb kürzester Zeit konnte zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauchs aufgedeckt werden.

Zusätzlich konnte kinderpornografisches Material sichergestellt werden, welches teilweise selbst gedreht wurde. Ein Käufer des Materials: Der 48-jährige aus Stade.

Die Taten konnten nicht alleine begangen worden sein: Ein 33-Jähriger agierte als Mittäter. Über 400 CDs und DVDs, insgesamt 13 Terrabyte Daten, konnten beschlagtnahmt werden. In den Videos sind einige der missbrauchten Kinder zu sehen.

Der erste Hinweise auf sexuellen Missbrauch an einer 13-Jährigen erfolgte 2008. Insgesamt waren es mehr als 1000 Einzeltaten, 23 Kinder konnten bisher ermittelt werden. Die Zahl ist nicht endgültig, kann also noch steigen.

11.14 Uhr

Die Ermittler erklären, dass sie anfangs nicht erwartet hätten, dass der Fall ein solch großes Ausmaß annimmt. Weitere Beamte mussten im Zuge des Verfahrens hinzugezogen werden.

11.10 Uhr

Über einen Zeitraum von 10 Jahren sollen die drei Beschuldigten Kinder auf dem Campingplatz in Lügde missbraucht haben. Die drei Männer wurden innerhalb eines Monats verhaftet: Am 6.12.2018 ein 56-Jähriger, am 10. Januar 2019 ein 48-jähriger aus Stade und am 11. Januar ein 33-jähriger aus Lügde.

11.07 Uhr

Los geht's. Der Pressesprecher stellt die Anwesenden vor. Auch Detmolds Polizeipräsident Stienkemeier ist vor Ort.

11.03 Uhr

Die Pressekonferenz wird ein bisschen nach hinten verschoben, da noch nicht alle Pressevertreter vor Ort sind. Wir berichten live über neue Informationen der Staatsanwaltschaft und Polizei.

 
 

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