Düsseldorf

LKA-Profiler erklärt: So könnten ungelöste Kriminalfälle im Ruhrgebiet doch noch aufgeklärt werden

LKA-Profiler Andreas Müller baut mit seinem Team eine Cold-Case-Datenbank auf.
LKA-Profiler Andreas Müller baut mit seinem Team eine Cold-Case-Datenbank auf.
Foto: LKA NRW/ dpa/ Bildmontage: DER WESTEN
  • Im Ruhrgebiet gibt es Kriminalfälle, die bis heute ungelöst sind
  • Ein vierköpfiges Team bringt Licht in längst vergessene „Cold Cases“
  • Chef-Profiler Andreas Müller erklärt, warum die Hoffnung nie aufgegeben werden sollte

Düsseldorf. Bis zu 900 Morde in Deutschland bleiben ungesühnt. Nie wird ein Täter ausfindig gemacht. In die Akten gehen sie als ungeklärte Mordfälle oder sogenannte „Cold Cases“ ein.

Genau um diese ungeklärten Fälle kümmert sich seit Anfang 2018 ein vierköpfiges LKA-Team in Düsseldorf. Die sogenannten Profiler unterstützen Mordkommissionen in ganz NRW, auch die Polizeihauptstellen in Essen, Bochum und Dortmund. Chef-Profiler ist Andreas Müller.

Er erklärt im Interview, warum immer die Hoffnung bestehe, dass ungelöste Fälle noch gelöst werden können. Ergänzt aber: „Gewisse Fälle kann man ab einen gewissen Zeitpunkt nicht mehr lösen, aber akzeptiert wird das nie.“

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Viele Morde im Ruhrgebiet sind bis heute nicht aufgeklärt. Die Täter konnten nie ermittelt werden. Die DER WESTEN-Serie ungelöste Kriminalfälle im Ruhrgebiet beleuchtet die Vorkommnisse. Denn auch nach 20 Jahre gilt: Mord verjährt nicht. Jeder Hinweis kann der Polizei noch heute weiterhelfen.

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So gehen die LKA-Profiler vor

In der Praxis bieten sich den Mordermittlern drei Möglichkeiten.

  • Erstens: die Mordkommission ermittelt in einem Fall und erachtet den Einsatz der LKA-Profiler als nicht notwendig.
  • Zweitens: die Ermittler wünschen sich ein zweite Meinung und kommen auf die Profiler zu.
  • Drittens: Das Team des LKA entdeckt „Potential“ in einem Fall und kommt auf die Ermittler zu.

Hat das vierköpfige Team solch ein Potenzial bereits bei einem ungelösten Fall im Ruhrgebiet erkannt? Dazu kann Müller nichts sagen. Er ergänzt jedoch, dass Kollegen bisher Zeit freischaufeln mussten, um in Akten alter Fälle zu schauen. „Ein ungeklärtes Tötungsdelikt, beispielsweise ein Kindermord, da gibt es teilweise Aktenschränke voll Spuren“, verdeutlicht er den Aufwand.

„Früher holte ein Kollege sich die Akte, wenn er Zeit hatte, hat zehn Seiten gelesen, die Akte zur Seite gelegt und hatte wieder etwas neues zu tun“, erklärt Müller. Diese Art halte er für nicht effektiv. In der Datenbank hingegen werden Akten zentral digitalisiert.

Gerade schwierige, herausragende Fälle passen perfekt in die Datenbank. „Wenn es keine Täter-Opfer-Beziehung gibt und auch keine Zeugenbeobachtung“, nennt Müller exemplarisch zwei Beispiele.

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Wie können vier Profiler Licht in alte Fälle bringen?

Doch wie soll heute ein Mord geklärt werden, der die Ermittler vor Jahrzehnten schon vor Rätsel stellte? „Was 1970 stand-of-the-art war, sieht heute, 48 Jahre später, ganz anders aus. Heute gibt es mehr Erfahrung, die Spurensicherung, Netzwerke bestanden damals nicht und es gab keine fortgebildeten Fallanalytiker, LKA-Ermittler wie wir.“

Dennoch mahnt Müller, dass sich der Job nicht wie bei der Fernsehserie „CSI Miami“ gestaltet: „Dieses Bild des Profilers, der rausfährt und mit einen Blick in die Mappe sagen kann, wie der Vorgarten des Täters bestellt ist oder ob der einen dreckigen VW Golf fährt - völliger Quatsch!“

Vielmehr greifen die Profiler auf ein Netzwerk von Experten in ganz NRW zurück. Wissenschaftler, Massendatenanalysten, renommierte Psychiater und Psychologen stellen ihre Expertise zur Verfügung. „Die Netzwerkarbeit der LKA-Profiler in den schweren Fällen einzubringen, das ist eben der feine Unterschied. Niemand kann heute mehr alles“, betont Chef-Profiler Müller.

Jeder Fall sei dabei gleich wichtig, betont er: „Ein getöteter Mensch reißt ein Loch in jede Familie. Das ist für uns die Motivation alles daran zu setzen, damit man das Schicksal der Opfer erhellen und die Familie ihren Frieden finden kann.“

 
 

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