Geiseldrama am Kölner Hauptbahnhof +++ Geiselnehmer (55) hatte psychische Probleme+++ Ermittler: „Die Sprengwirkung wäre ungeheuerlich gewesen“

Das SEK stürmte die Apotheke am Kölner Hauptbahnhof und überwältigte den Geiselnehmer.
Das SEK stürmte die Apotheke am Kölner Hauptbahnhof und überwältigte den Geiselnehmer.
Foto: dpa
  • Geiselnahme in Apotheke am Kölner Hauptbahnhof
  • Polizei bestätigt: Bei dem Geiselnehmer handelt es sich um eine 55-jährigen syrischen Flüchtling
  • Ein terroristischer Hintergrund konnte nicht abschließend geklärt werden

Köln. Was auf der zweiten Pressekonferenz zur Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof nun bekannt geworden ist: Die gefundenen Dokumente in der Apotheke gehören zum Geiselnehmer. Somit handelt es sich um einen 55-jährigen Syrer, der als Asylberechtigter in Deutschland anerkannt ist, jedoch nur einen Flüchtlingsstatus bis 2021 besitzt.

Ein Bruder und sein Sohn sollen ebenfalls in Deutschland leben. Seine Ehefrau hingegen befindet sich weiterhin in Syrien - ihr Asylantrag war mehrfach abgelehnt worden. Der Geiselnehmer sei „psychisch nicht in der Lage gewesen zu arbeiten“, so die Polizei.

War die Tat ein Terroranschlag?

Handelt es sich um einen terroristischen Anschlag? Dies kann die Polizei nicht abschließend klären. In der Wohnung des Täter haben sich arabische Schriftzeichen an den Wänden befunden. Ihre Bedeutung ist nicht abschließend übersetzt. Unter anderem soll dort „Allah ist groß“ gestanden haben. Ebenfalls befanden sich dort weitere Benzinkanister.

Die Ermittler fahnden mit Hochdruck nach weiteren Tatbeteiligten. Bisher hat die Polizei keine Hinweise auf weitere Täter.

SEK verhinderte schlimmeren Ausgang

Der Geiselnehmer schwebt nicht mehr in Lebensgefahr, befindet sich aber im Koma. Das 14-jährige Mädchen, welches Opfer des Brandanschlags im McDonald's geworden war, muss aufgrund starker Verbrennungen operiert werden. Die Geisel konnte leicht verletzt das Krankenhaus wieder verlassen.

Was auch deutlich wurde: Ein viel schlimmerer Ausgang der Geiselnahme konnte durch die Spezialeinheiten verhindert werden. Der Täter hatte Gaskartuschen mit Eisenkugeln versehen. Wäre es zu einer Explosion gekommen, wäre „die Sprengwirkung ungeheuerlich gewesen“, erklärt ein leitender Ermittler.

Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof: Pressekonferenz zum Nachlesen im Live-Ticker

+++ Hier kannst du den Live-Ticker aktualisieren +++

20.08 Uhr: Vor dem Kölner Hauptbahnhof standen sich die beiden demonstrierenden Gruppen gegenüber. Die Polizei trennte die beiden dabei voneinander. Nach einer Stunde war die Demo beendet.

19.20 Uhr: Seit 19 Uhr findet in Köln eine Demo unter dem Motto „Gegen Terror in Deutschland“ auf dem Breslauer Platz statt. Die Gegenkundgebung „Kein Veedel für Rassismus“ zog ebenfalls vom Ebertplatz zum Breslauer Platz. Die Polizei begleitet die beiden Veranstaltungen.

17.09 Uhr: Die Polizei veröffentlicht Fotos der Gegenstände, die der Tatverdächtige mitgeführt hatte:

Wenn du Angaben zu den Gegenständen machen kannst, dann melde dich bei der Polizei unter 0221 229-4444. Parallel zum Hinweistelefon ist das Hinweisportal zum Hochladen von Fotos und Videos unter nrw.hinweisportal.de aktiv.

16.03 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.

16.02 Uhr: Bisher gibt es keinen Hinweis auf weitere Täter. Doch die Polizei hat ihre Ermittlungen in diese Richtung noch nicht abgeschlossen.

15.59 Uhr: Der Geiselnehmer hatte in der Vergangenheit eine andere Person in einem Brief an die Polizei als IS-Mann offenbart. Nun soll er selber seine Zugehörigkeit zum IS bekannt haben. Die arabischen Schriftzeichen in seiner Wohnung bedeuten übersetzt: „Allah ist groß bedeutet.“

15.57 Uhr: Eine der 13 Strafanzeigen ist zur Anklage bei der Staatsanwaltschaft gekommen. So sei er mehrmals wegen Betrugs in Erscheinung getreten.

15.55 Uhr: Kartuschen sollen mit Eisenkugeln bestückt gewesen sein. Mit großer Hitze hätten die Gaskartuschen zur Explosion gebracht werden können. „Die Sprengwirkung sei eine ungeheuerliche gewesen“, sagt der leitende Ermittler.

15.53 Uhr: Was hat es mit der geforderten Freilassung einer Tunesierin auf sich? Dazu kann die Polizei abschließend noch nichts sagen. Die Apotheken-Angestellte war wohl ein Zufallsopfer. Der ursprüngliche Plan des Täters sei eine Brandlegung im McDonald's gewesen. Die Tatwaffe sei eine sehr gut imitierte Softair gewesen.

15.51 Uhr: Der Mann ist als Asylberechtigter anerkannt, hat den Status eines Flüchtlings bis Juni 2021.

15.50 Uhr: Die Beweisaufnahme am Tatort und in der Wohnung sind abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen zweifachen Mordes in Zusammenhang mit gefährlicher Körperverletzung und Geiselnahme eingeleitet. Die Bundesgeneralanwaltschaft wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Fall übernehmen.

15.49 Uhr: Sein Bruder und Sohn befinden sich in Deutschland. Die Ehefrau befindet sich noch in Syrien, ihre Asylanträge wurden bisher abgelehnt.

15.47 Uhr: Am Montagabend nahm die Spurensicherung in der Wohnung des Täter weitere Hinweise auf. Es fand sich weiteres Benzin, sodass die Wohnug durchgelüftet werden musst auf Grund des starken Gestank. An den Wänden befanden sich arabische Schriftzeichen, die bisher keinen Hinweis auf den IS geben. Auch Datenträger konfiszierten die Beamten.

15.45 Uhr: Die Polizei ist sich sicher: Der Täter ist der 55-jährige Syrer. Er lebt seit 2012 in Köln und als Asylberechtiger anerkannt. Seine Aufenthaltserlaubnis geht bis 2021. Er ist, wie bereits berichtet, polizeibekannt. Insgesamt ist der 13 Mal polizeilich in Erscheinung getreten.

15.44 Uhr: Nun werden die Tasche und der Koffer gezeigt, die am Tatort gefunden wurden.

15.41 Uhr: Weitere Ermittlungsdetails werden bekannt: Die Dokumente am Tatort gehören zum Täter. Durch die Analyse von DNA-Material konnte dies zweifelsfrei nachgewiesen werden. Mehr als 100 Kriminalermittler sind an dem Fall dran. Dabei teilen die Beamten in drei Felder auf: Umfeld des Täter, der Weg des Geiselnehmers zum Tatort und die Tatvorbereitung.

15.39 Uhr: Die Pressekonferenz beginnt. Zuerst bittet die Polizei ausdrücklich darum, Videos und Fotos der Polizei zukommen zu lassen. Die Jugendliche wird operiert, die Geisel kann heute das Krankenhaus verlassen. Der Täter befindet sich nicht mehr in Lebensgefahr, liegt aber im Koma. Deshalb kann er nicht befragt werden.

15.30 Uhr: Großer medialer Andrang auf der Pressekonferenz. Kamerateams müssen den Saal verlassen, erst dann veröffentlichen die Verantwortlichen neue Informationen. Der Beginn verzögert sich also ein bisschen.

15:14 Uhr: Was wir bisher wissen: In der Apotheke entdeckte die Polizei eine Duldung, die einen 55-jährigen Syrer auswies. Dieser ist wegen Betrugs, Diebstahls, Drogendelikten und Bedrohungen polizeibekannt. Ob sie dem Geiselnehmer gehört, ist noch nicht geklärt. Doch die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, sagte ein Polizeisprecher.

Was wir bisher nicht wissen: Der Geiselnehmer behauptet zum „Daesh“ (IS) zu gehören. Zweifelsfrei geklärt ist dies allerdings noch nicht. Da die gefundenen Papiere noch nicht zweifelsfrei dem Täter zugeordnet wurden, ist seine Identität noch nicht geklärt.

15.03 Uhr: Nachdem die Polizei am Montagabend um 19 Uhr erste Erkenntnisse nach der Geiselnahme in Köln veröffentlicht hat, folgen nun weitere Details um 15.30 Uhr. Es sollen unter anderem Fragen zum Gesundheitszustand der Geisel und des Geiselnehmers geklärt werden, ob es sich um einen Terroranschlag handelt und wie wahrscheinlich ein Bezug zum IS ist.

12.46 Uhr: Am Mittag hatte die Polizei erste Hinweise auf den Täter veröffentlicht. Er ist etwa zwischen 55 und 60 Jahre alt, hat längere graue Haare, einen Dreitagebart und machte einen verwahrlosten Eindruck. Nach Zeugenaussagen soll er alkoholisiert gewesen sein.

Polizei veröffentlich Bilder und bittet um Hinweise

Um schnellstmöglich Klarheit in den Fall zu kriegen, bittet die Köner Polizei nun auch die Bevölkerung um Mithilfe.

So veröffentlichten die Beamten Fotos eines Koffers und einer Tasche. Sie sollen vom Täter mitgeführt worden sein. Zudem fragt die Polizei:

  • Wer hat den Verdächtigen bereits auf dem Weg zum Bahnhofsgebäude gesehen und kann hierzu Angaben machen?
  • Wer kann Hinweise zu den vom Täter mitgeführten Gegenständen (Koffer und Tasche) geben?
  • Wer hat den Tatverdächtigen an Tankstellen in Köln-Neuehrenfeld und Umgebung beobachtet, wo er möglicherweise Benzin erworben hat?

So soll der Täter ausgesehen haben

Der Täter soll vom äußeren Erscheinungsbild her etwa 55 bis 60 Jahre alt sein. Er hat längere graue Haare, einen Dreitagebart und machte einen verwahrlosten Eindruck. Der Geiselnehmer war dunkel gekleidet und nach Zeugenaussagen wahrnehmbar alkoholisiert. Er dürfte einen Koffer und eine Tasche mitgeführt haben. Ersten Ermittlungen zufolge stammt der Mann aus Köln-Neuehrenfeld. Von dort ist der Kölner Hauptbahnhof direkt mit der S-Bahn zu erreichen.

Nach derzeitigem Stand betrat der Täter gegen 12.30 Uhr den McDonald's im Bahnhofsgebäude. Hier zündete er einen Molotowcocktail auf dem Boden. Bei dem anschließenden Feuer erlitt eine 14-Jährige erhebliche Brandverletzungen. Der Täter wechselte nun zu der benachbarten Apotheke und nahm dort eine Angestellte als Geisel. Eine Spezialeinheit überwältigte ihn am frühen Nachmittag.

Hinweise an die Polizei unter: 0221/229-4444.

Fest steht: Das Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei hat eine Katastrophe verhindert. Denn der Zugriff in der Apotheke am Hauptbahnhof erfolgte in letzter Sekunde.

Geiseldrama am Kölner Hauptbahnhof: SEK rettet Geisel

Der Geiselnehmer hatte bereits mehrere Gasflaschen miteinander verbunden. Diese hatte der Mann auch an der Frau in seiner Gewalt befestigt.

+++ Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof: Polizei schließt Terror nicht aus +++

Wie aus der Pressekonferenz nach dem Geiseldrama am Kölner Hauptbahnhof hervorging, hatten die Einsatzkräfte vor der Rettungsaktion eine rote Linie kommuniziert. Spätestens, wenn der Geiselnehmer brennbare Flüssigkeit ausschüttet, wird gestürmt. Als das geschah, handelte das SEK sofort.

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SEK zündet Knallgranaten und schießt Geiselnehmer nieder

Die Spezialkräfte der Polizei zündeten Knallgranaten, rückten in die Apotheke vor und streckten den Geiselnehmer mit gezielten Schüssen nieder. Er soll noch versucht haben, seine Geisel anzuzünden.

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Die Frau erlitt zum Glück nur leichte Verletzungen. Der Geiselnehmer, der angeblich der Terrororganisation IS nahe steht, musste hingegen noch vor Ort reanimiert und anschließend in einem Krankenhaus notoperiert werden.

Molotowcocktail im McDonald's gezündet

Vor der Geiselnahme hatte der Mann bei McDonald's im Kölner Hauptbahnhof einen Molotowcocktail gezündet. Dabei hat eine 14-Jährige Brandverletzungen erlitten und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Eine Zeugin berichtet gegenüber DER WESTEN, was sich vor der Geiselnahme in der Apotheke abgespielt hat. Sie beobachtete, wie ein junges Mädchen brennend aus einer McDonald's Filiale rannte (hier liest du mehr zu dem Augenzeugenbericht).

Dringende Bitte der Polizei

Um die Hintergründe und den genauen Ablauf der Tat aufklären zu können, bittet die Polizei Köln um Hilfe. Zeugen werden gebeten, unter nrw.hinweisportal.de Fotos und Videos rund um die Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof auf dem Hinweisportal hochzuladen.

Wegen der Geiselnahme herrschte rund um Köln Chaos im Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn. Am Dienstag hat sich die Lage beruhigt. „Zur Zeit liegen keine größeren Störungen in NRW vor“, verkündet die Bahn am Dienstagmorgen. (ak/göt/mb/js/dpa)

 
 

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