Düsseldorf

Leuchtschuhe und Malle-Feeling: Wie sich ein Scooter-Konzert komplett nüchtern anfühlt

Scooter waren in Düsseldorf. (Symbolbild)
Scooter waren in Düsseldorf. (Symbolbild)
Foto: imago stock&people / imago/STAR-MEDIA

Düsseldorf. Stell dir nen Junggesellenabschied aus 8.000 Leuten auf Malle vor, bei dem alle besoffen sind, bis auf dich. Und du gehörst eigentlich gar nicht zur Gruppe und magst auch Malle nicht.

Ungefähr so hat es sich angefühlt, komplett nüchtern in der Schlange vor der Mitsubishi Electric Halle zu stehen, während man darauf wartet, in die Halle gelassen zu werden, in der am Samstag Scooter gespielt haben.

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Überall Enddreißiger, die mal wieder so richtig die Sau rauslassen wollen. Manche von denen sagen "Schulz", wenn einer in der Schlange rülpst. Und klar muss man am Getränkestand auch "how much is the fish" sagen, um zu erfahren, was das Bier kostet - Ehrensache.

Ach, und manche Besucher tragen leuchtende Schuhe. Waren schon damals nicht cool, sind es heute immer noch nicht. Keine Leuchtschuhe am Start? Kein Problem. Einfach diese Kanye-West-Gedächtnisbrille tragen. Geht auch. Genau, die mit den Plastikbalken vor den Augen.

Einer sagt plötzlich zu seiner Freundin: "Weißte eigentlich, was GmbH heißt?“ Sie verdreht die Augen und holt Bier (Geh mal Bier holen..., ein Malle-Klassiker). In der Zwischenzeit hüllt sich ihr Freund in eine dicke Käsekuchen-Dampf-Wolke aus seiner mobilen Shisha und in den Applaus seiner Kumpels. Swag.

Alle eskalieren zu den Hits von Scooter

Ein paar Meter weiter eskalieren fünf Typen zum Scooter-Hit "Maria, I like it loud" aus der Bluetooth-Box. (Noch mal kurz zur Erinnerung: Der Song heißt tatsächlich "Maria, ich mag es laut"). Einer der Jungs schlägt dabei pausenlos im Takt gegen eine Straßenlaterne, die dann irgendwann den Geist aufgibt und Dunkelheit sich über einen Teil der Schlange ergießt. Fuck the system. Selbstverständlich wird auch er dafür gefeiert: "Öööööööööh".

Der Support-DJ von Scooter spielt in der Halle dann Hits wie "Blue" von Eiffel 65 - natürlich in der Hardstyle-Version - Ehrensache - und sagt dann keck ins Mikro: "Grüße an die, die zu Silvester blue waren". Hihi.

Der DJ gibt alles

Um dann zu brüllen: "HABEN WIR E-GITARREN-FANS HIER???" Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Plötzlich kommt "Last Resort" von Papa Roach aus den Lautsprechern. Natürlich auch in der Hardstyle-Version. Und gerade als man meint, dass das jetzt aber wirklich zu weit geht, zieht er natürlich noch "Seven Nation Army" aus seiner Wundertüte der Mitgröl-Hits. DÖÖÖDÖDÖDÖDÖDÖÖÖDÖÖÖ - entfessle deinen inneren Höhlenmenschen. Da kennt einer seine Pappenheimer.

Die Stimmung ist tatsächlich extrem gut, mehrmals lässt er das Publikum sich hinsetzen und dann zum Drop wieder aufspringen. Vorschulsport für Erwachsene. Bei der Hardstyle-Version des Cranberrie-Songs "Zombie" soll das Publikum dann die Handylichter anmachen. Sooooooo schöööön!

Und dann, als sich seine Zeit auf der Bühne langsam dem Ende zuneigt, lässt er wieder einen echten Klassiker vom Stapel, den er auch mit einem echten Klassiker ankündigt (Ehrensache): "Eiiiiiner geht noch, einer geht noch rein". "Ihr wisst ja alle, was mit dem Sänger von Linkin Park passiert ist: Chester Benningham“. (Eigentlich Chester Bennington). "Das hier ist die Hardstyle-Version von 'In the End.'"! Sooooooo schöööön!

Das wars, jetzt wird erst mal gewartet. Gegen 21.15 Uhr hat die Masse dann offensichtlich genug vom Warten. Es wird gepfiffen und gebuht. Was ist passiert, fragt man sich? Ist das Bier leer? Oder die drei Milliarden Knicklichter? Ein schon jetzt komplett betrunkener Typ vertreibt sich die Zeit damit, seinem Kumpel den Kinnbart runterzuziehen und dreimal "määäh" zu sagen. Kannste dir nicht ausdenken.

Aber gut, was hat man erwartet? Hier sitzen immerhin Kerle mit T-Shirts, auf denen in Neonschrift "Helene Fischer Ultras" steht.

Und plötzlich stehen Scooter auf der Bühne

Dann plötzlich eine fette Explosion auf der Bühne, gefolgt von Sirenengeheul und Laserlicht. Nix Schlimmes passiert, geht nur jetzt los mit der Show. Eine riesige Faust wird auf der Bühne in die Luft gehoben, aus der sich majestätisch ein Mittelfinger erhebt. Ganz witzig, eigentlich. Dann schwenken leichtbekleidete Frauen (Ehrensache) und nicht so leichtbekleidete Männer eine Fahne mit Megafon drauf durch die Luft und Scooter kommen auf die Bühne und spielen zum Auftakt "One" (Always Hardcore).

Allerdings merkt man auch ihnen an: Sie sind nicht mehr die Jüngsten. H.P. Baxxter schneidet sich beispielsweise beim (geglückten) Versuch, seine E-Gitarre zu zertrümmern, direkt mal kurz die Hand auf, zieht die komplette Show dann aber unbeeindruckt durch. Nicht schlecht.

Und trotzdem:

Im Bruchteil einer Sekunde bekommt man während der Show dann das ganz starke Gefühl, dass das hier alles eigentlich nur bis zu einem gewissen Punkt ernst gemeint ist. Und ab einem gewissen Punkt eben nicht mehr. Und dass eine gewisse Art von Trash hier ganz bewusst abgefeiert wird. Und dann ist es schon wieder ziemlich witzig. Stimmung können die Jungs jedenfalls ohne Ende.

 
 

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