Krokodil in NRW-Tümpel? Spaziergänger sind fassungslos

Täuschend echt gleitet das Krokodil durchs Gewässer.
Täuschend echt gleitet das Krokodil durchs Gewässer.
Foto: Angelica Maria Kappel

Bonn. „Es ist ein Riesenspaß“, gibt Bernd Richter einige Tage später noch zu. Der Vorsitzende des Schiffmodellclubs Bonn (SMC) startete mit seinem Verein am Sonntag in die neue Saison. Mit dabei: Ein kleines Krokodil. Wer nun an ein gefährliches Reptil denkt, der irrt.

In dem detailgetreuen Tier steckt ein Motor. Schiffsbastler Toni Käs hat die kreative Erfindung gebaut, die das Tier über den See gleiten lässt. „Die Gäste an den Bonner Rheinauen schauten ganz schön verdutzt“, gibt Richter lachend zu.

Ungewollt erfährt das kleine Krokodil nun große Aufmerksamkeit. Einige vermuten dahinter gar ein größeres Vorhaben, als reinen Spaß am Tüfteln.

Bonn: Krokodil gleitet durch die Rheinauen

Denn: Die Rheinauen kämpfen seit Jahren mit einem großen Problem. Spaziergänger füttern Vögel und Fische – „teils kippen sie tütenweise Brot in den See“, gibt der SMC-Vorsitzende seine Beobachtungen wieder. Häufig sinkt das bereits verschimmelte Brot auf den Grund des Gewässers. Zusätzlich sorgt ein wachsender Vogelbestand für mehr Kot im See.

Der perfekte Nährboden für den Giftstoff Botulinumtoxin. Bakterien bilden das Nervengift vor allem dann, wenn Sauerstoffmangel besteht. Für Vögel und Fische birgt es einen qualvollen Tod. So starben vergangenes Jahr mehrere hundert Wasservögel.

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Ein Tweet der Grünen-Bürgermeisterin Angelica Maria Kappel lässt vermuteten, dass das Krokodil nun alle vertreiben soll, die Enten, Gänse und Co. füttern wollen. „Im Rheinauensee Bonn werden ab sofort Krokodile eingesetzt, um das Fütterungsverbot für Tiere zu überwachen“, schreibt sie, versehen mit einem Zwinkersmiley.

Doch Richter winkt ab. Das Krokodil habe weder den Zweck die Fütterung der Tiere zu verhindern, noch sollen Vögel ferngehalten werden.

Wasserpflanzen vertreiben Modellbauer

Ein weiterer übler Nebeneffekt: Algen und weiteres Gewächs gedeihen hervorragend in dem Gewässer. Für den Schiffsmodellclub ein Riesenärgernis. Die Wasserpflanzen verheddern sich in den Schiffsschrauben ihrer Modelle.

Daher zieht Bernd Richter nun Konsequenzen: Der Auftakt der Saison hat zwar an den Rheinauen stattgefunden. Doch in Zukunft nutzen die Modellbauer einen Teich bei Ausbach, ungefähr 30 Kilometer entfernt. „Die Stadt Bonn hätte schon längst etwas unternehmen können“, ärgert sich Richter. Doch nun wandert nicht nur der Verein ab, auch das Tiersterben geht weiter.

 
 

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