Kriminelle Clans: „Ich stech hier alle ab!“ Junger Mann (19) begeht 72 Straftaten – diese kriminelle Karriere hat es in sich

Kriminelle Clans: Mit 19 Jahren brachte es ein Intensivtäter auf 72 Straftaten.
Kriminelle Clans: Mit 19 Jahren brachte es ein Intensivtäter auf 72 Straftaten.
Foto: imago images / Reichwein (Symbolbild)

„Als ob ich Angst vor Ihnen hätte. Ich steche hier alle ab. Ich hau Sie kaputt“, brüllte der Jugendliche seine Klassenlehrerin an.

So beginnt die Geschichte eines Intensivtäters aus dem Milieu der kriminellen Clans, der mit 19 Jahren bereits ein Vorstrafenregister mit Einträgen von 72 Straftaten vorzuweisen hat. Allein im vergangenen Jahr gehen 24 Straftaten auf das Konto des Deutsch-Libanesen.

Kriminelle Clans: Junger Intensivtäter hat bereits 72 Straftaten vorzuweisen

Clan-Kriminalität in Deutschland: Woher kommen die Clans und wie kriminell sind sie?
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Das erste Mal polizeilich in Erscheinung tritt der im Ruhrgebiet lebende junge Mann mit elf Jahren. Gemeinsam mit gleichaltrigen Freunden aus dem Milieu der kriminellen Clans begeht er eine gefährliche Körperverletzung.

Bevor er überhaupt strafmündig ist mit 14 Jahren, finden sich in seiner Polizeiakte bereits Einträge zu Ladendiebstählen, einem Raub, einem Einbruch in eine Schule, Bedrohungen seiner Mitschüler mit einem Messer und eine Körperverletzung gegenüber seiner Lehrerin.

Sportlehrer angespuckt

Wenn er nicht gerade die Schule schwänzt, fällt er auch dort immer wieder negativ auf. Einen Sportlehrer bespuckt er. Ein Testverfahren zur Versetzung in eine Förderschule aufgrund seines aggressiven Verhaltens bleibt erfolglos.

Auch der clan-typische Machtanspruch hat sich früh entwickelt. Im Rahmen einer Körperverletzung macht der Junge klar, dass er und seine Freunde das Gebiet kontrollieren und an der dortigen U-Bahnstation „das Sagen haben“.

Mit Erreichen der Strafmündigkeit schaltet er noch einen Gang hoch. Mehrere gefährliche Körperverletzungen, Bandendiebstähle und eine räuberische Erpressung stehen zu Buche. Am Ende stehen 14 Straftaten für den damals 14-Jährigen in einem Jahr. Erstmals wird er auch zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

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Doch nachhaltigen Eindruck scheint die Verurteilung nicht gebracht zu haben. Es folgen Rauschgiftdelikte, gefährliche Körperverletzungen oder ein schwerer Raub. Auch Taten mit einem Familienmitglied verzeichnet die Polizei.

Es fällt auf: auch aus seiner Familie sind mehrere Mitglieder straffällig geworden. Drei seiner sechs Geschwister sind schon wegen Eigentumsdelikten, Rohheitsdelikten und Rauschgiftdelikten in Erscheinung getreten. Der ältere Bruder erhält 2017 eine Haftstrafe.

Vater vorbestraft, Mutter aggressiv

Sein in Beirut geborener Vater mit libanesischer Staatsangehörigkeit ist unter anderem wegen einer gefährlichen Körperverletzung aufgefallen. Auch seine Mutter mit ungeklärter Staatsangehörigkeit hat nach einer Auseinandersetzung mit einer Lehrerin Hausverbot von der Schule erhalten.

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Woher kommen die Clans?

  • Wenn die Rede von kriminellen Araber-Clans ist, sind meist Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln gemeint. In Deutschland gehören nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) rund 200.000 Menschen zu solchen Großfamilien.
  • Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Manche aber haben sich zu mafiösen Gruppierungen zusammengeschlossen, nutzen familiäre Strukturen für kriminelle Geschäfte.
  • Sie leben häufig in einer abgeschottenen Parallelwelt, erkennen staatliche Strukturen nicht an. Straftaten werden zu internen Probleme erklärt, die innerhalb der Familien von sogenannten Friedensrichtern geregelt werden.
  • Viele haben eine türkische (12 Prozent) oder libanesische (17 Prozent) Staatsangehörigkeit, 51 Prozent haben eine deutsche Staatsangehörigkeit, sechs Prozent sind staatenlos.
  • Ausweisungen von Intensivtätern sind entsprechend schwierig

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Nahtlos reihen sich beim inzwischen 19-Jährigen mehrmaliges Fahren ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss oder Urkundenfälschung mit einem gefälschten Führerschein in die Reihe ein.

Tumulte bei Verkehrskontrolle

So versucht er seine Identität bei Verkehrskontrollen zu verschleiern. Als er einmal angehalten wird, versuchen Familienangehörige die polizeilichen Maßnahmen zu unterbinden. Es kommt zu tumultartigen Szenen. Nur mithilfe von Unterstützung kann die Polizei die Situation klären.

Fünfmal wird der junge Mann wegen gewerbsmäßigem unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in sieben Fällen und wegen gemeinschaftlichen Raubes verurteilt. Derzeit sitzt er eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in fünf Fällen und der Urkundenfälschung in zwei Fällen ab.

Intensivtäter machen 27 Prozent aus

„Das ist sicher ein sehr prägnantes Beispiel“, erklärt Thomas Jungbluth vom LKA NRW. Der Leitender Direktor stellte am Montag das Lagebild zu den kriminellen Clans in NRW vor. Darin das Beispiel des Intensivtäters. Dabei fällt auf: 27 Prozent der Straftaten werden von Mehrfachtatverdächtigen begangen.

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Projekt „Kurve kriegen“ legt Fokus auf Clan-Jugendliche

Um bei den Intensivtätern anzusetzen, hat die Landesregierung die Initiative „Kurve kriegen“, die sich seit 2011 um straffällig gewordene Kinder und Jugendliche kümmert, auf das Clan-Milieu ausgeweitet. In Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Recklinghausen kümmern sich Experten um insgesamt 21 Kinder und Jugendliche aus Clan-Familien.

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Davon abgesehen soll der Verfolgungsdruck weiter hochgehalten werden. LKA-Ermittler Jungbluth gibt die Devise vor: „Keine Prävention ohne Repression“. Denn Abschiebungen wie im Fall Miri sind in den meisten Fällen schwierig. „Abschieben ist eine besondere Herausforderung, besonders schwer ist es nach Syrien und in den Libanon. Zumal viele hier geboren und groß geworden sind“, so der LKA-Mann.

 
 

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