Krebszentrum Brüggen: Rätselraten um Tod von drei Patienten

Das Gebäude des Biologischen Krebszentrums in Brüggen. Hier warb ein Heilpraktiker mit alternativen Methoden zur Krebsbehandlung.
Das Gebäude des Biologischen Krebszentrums in Brüggen. Hier warb ein Heilpraktiker mit alternativen Methoden zur Krebsbehandlung.
Foto: Henning Kaiser/Archiv
Ein Heilpraktiker aus Brüggen warb mit alternativen Heilmethoden zur Krebsbehandlung. Drei von seinen Patienten sind tot. Woran sind sie gestorben?

Brüggen.. Tür- und Klingelschild sind verschwunden, die Polizei hat die Klinik versiegelt, ein Zettel weist am Freitag darauf hin, dass der Praxisbetrieb eingestellt sei. Drei Todesfälle werden derzeit von den Behörden in Verbindung gebracht mit dem alternativen Krebszentrum in Brüggen nahe Mönchengladbach: Eine Frau und ein Mann aus den Niederlanden und eine Frau aus Belgien. Zwei weitere ehemalige Patientinnen werden in den Niederlanden mit akuten Beschwerden behandelt.

Die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte der Fall einer 43-jährigen Frau aus Wijk en Aalburg in den Niederlanden. Die Krebspatientin hatte nach einer Behandlung in Brüggen plötzlich starke Kopfschmerzen, sie soll zeitweise verwirrt und danach nicht mehr ansprechbar gewesen sein. Fünf Tage nach der Behandlung, am 30. Juli, starb sie in einem Krankenhaus in Mönchengladbach.

Behörde erstattete Strafanzeige

Die ambulante „Krebspraxis“ eines deutschen Heilpraktikers hatte gezielt um Patienten aus dem Nachbarland geworben: „Unsere Heilmeister könnten in den Niederlanden nicht als solche arbeiten. In Deutschland ist dies aufgrund innovativer Regelungen erlaubt.“

Als die Beschwerden auftraten, soll der Heilpraktiker nicht den Notarzt alarmiert, sondern Vitamine verabreicht haben, so der Kreis Viersen. Die Behörde erstattete Strafanzeige gegen den Mann. Der wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern. Auf der Internetseite seines Zentrums heißt es, man bedauere den „unbegründeten Verdacht“, dass die Klinik verantwortlich für den Tod der Patientin sein könnte.

Ob die Todesfälle in Verbindung stehen mit einer „innovativen Therapie“, die noch nicht zugelassen ist, das untersucht derzeit die Ermittlungskommission „Brom“. Es geht um die Substanz „3-Bromopyruvat“. Das Zentrum wirbt, dies sei das aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung – allerdings ist die Substanz, die Enzyme blockieren soll, noch längst nicht zugelassen. Klinische Studien gibt es nicht. „Bislang gibt es nur zwei Fallberichte zu individuellen Heilversuchen an Menschen,“ sagt die Leiterin des Krebsinformationsdienstes Heidelberg, Susanne Weg-Remers. Beide Patienten seien letztlich gestorben, die Substanz half nicht.

Die Polizei warnt Patienten

Der Krebsinformationsdienst wird derzeit bestürmt mit Anfragen von Betroffenen, die wissen wollen, ob sie 3-Bromopyruvat nun nehmen sollen oder nicht – selbst die Nennung in Zusammenhang mit Todesfällen löst offenbar Hoffnungen aus. Die Antwort ist eindeutig: Nein. Die Polizei Mönchengladbach warnt in diesem Zusammenhang: „Wer sich einer Krebsbehandlung“ im Brügger Zentrum „unterzogen hat, sollte sich in fachkundige Behandlung begeben“.

Ob die Patienten tatsächlich an dieser Therapie gestorben sind, wird noch untersucht. „Sie können auch aufgrund ihres Krebsleidens gestorben sein“, sagt Weg-Remers. „Vielleicht auch durch eine Verunreinigung der Wirkstoffzubereitung. Es gibt momentan nur Vermutungen.“ (tom/dpa)

 
 

EURE FAVORITEN