Krebszentrum Brüggen: Ermittlungen auf 70 Fälle ausgeweitet

Gebäude des Biologischen Krebszentrums Bracht (BKB Bracht).
Gebäude des Biologischen Krebszentrums Bracht (BKB Bracht).
Foto: Henning Kaiser/Archiv
Laut einem Medienbericht könnten deutlich mehr Menschen als bislang bekannt durch eine alternative Krebsbehandlung in Brüggen gestorben sein.

Krefeld/Brüggen.. Es könnten viel mehr Patienten durch die alternative Krebsbehandlung in einem Brüggener Krebszentrum gestorben sein, als bisher angenommen. Nach einem WDR-Bericht soll die Staatsanwaltschaft Krefeld inzwischen in 70 Todesfällen ermitteln. Staatsanwalt Marcel Dörschug wollte das am Freitag "weder bestätigen noch dementieren". Er werde sich derzeit nicht zum Stand der Ermittlungen äußern, sagte Dörschug. In einer früheren Mitteilung der Staatsanwaltschaft war von drei Todesfällen die Rede gewesen.

Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung

Die drei Patienten waren Ende Juli gestorben und kurz zuvor in Brüggen mit dem Präparat "3-Bromopyruvat" behandelt worden. Die Substanz ist nicht als Medikament zugelassen. Die Staatsanwaltschaft hatte vor einigen Tagen dazu mitgeteilt, der Heilpraktiker sei aber grundsätzlich berechtigt gewesen, den Stoff zu verwenden. "Die bisherigen Ermittlungen bieten keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte den Tod von Patienten oder Gesundheitsbeschädigungen vorsätzlich herbeigeführt hat", heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben gegen den Betreiber der Praxis wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in mehreren Fällen. In der Praxis waren überwiegend niederländische Staatsbürger behandelt worden.

Leichen müssen möglicherweise exhumiert und obduziert werden

In seiner Presseerklärung vom 12. August hatte Dörschug mitgeteilt, dass sichergestellte Beweismittel darauf ausgewertet werden, "ob weitere Behandlungsfälle in die Ermittlungen einzubeziehen sind". Über diese Angaben hinaus werde er derzeit keine weiteren Auskünfte geben, sagte Dörschug am Freitag.

Der WDR hatte am Donnerstag berichtet, die Behörden hätten offenbar die Patientenakten systematisch auf Behandlungen mit dem umstrittenen Wirkstoff geprüft. In all diesen Fällen müsse untersucht werden, ob tatsächlich die Behandlung zum Tode geführt habe. Möglicherweise müssten viele der Leichen exhumiert werden, um eine Obduktion zu ermöglichen.

Patienten sollen sich in "fachkundige Behandlung" begeben

Mit Bekanntwerden der Todesfälle hatte die Polizei gewarnt: Wer in dem Krebszentrum behandelt wurde, sollte sich in "fachkundige Behandlung" begeben und bei den Behörden melden. (dpa/we)

 
 

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