Kölner Treff (WDR): Ein Jahr Corona – Landrat Pusch teilt gegen Markus Söder aus: „Der Söder sagt schon so einiges“

Beim Kölner Treff sprachen Stephan Pusch (links) und Moderator Micky Beisenherz auch über Markus Söder.
Beim Kölner Treff sprachen Stephan Pusch (links) und Moderator Micky Beisenherz auch über Markus Söder.
Foto: Screenshot WDR; IMAGO / Sven Simon (Montage: DER WESTEN)

Köln. Er ist der Mann, der zu Beginn der Pandemie das Steuer in die Hand nahm: Stephan Pusch, Landrat im Kreis Heinsberg. Beim Kölner Treff (WDR) war er am Freitagabend zu Gast und sprach Klartext. Er berichtete, wie er persönlich den Beginn von Corona in NRW erlebte und teilte gegen Markus Söder aus.

Ein Jahr ist es her, dass im Kreis Heinsberg der erste Corona-Infizierte in NRW gemeldet wurde. Kölner Treff-Gast Stephan Pusch riegelte damals direkt Schulen und Kindergärten ab. Heute sind es bereits über 2,3 Millionen infizierte in Deutschland.

Kölner Treff (WDR): „Wir waren die ersten Wochen die Seuchen-Zone“

Beim Kölner Treff berichtete er, wie die ersten Stunden für ihn waren, als er mit dem Thema Corona in seinem Landkreis konfrontiert wurde. Moderator Micky Beisenherz fragte, wie ernst der 52-Jährige das Thema damals genommen hatte.

„Man hatte Bilder von Wuhan und Italien vor Augen. Aber typischerweise sagt der Mensch: Ist weit weg, Gott sei Dank, haben wir nichts mit zu tun“, dachte auch damals Stephan Pusch.

Doch plötzlich kam der Anruf, dass zwei Menschen im Kreis infiziert waren und beatmet werden mussten. „Je mehr Infos man kriegt, desto dramatischer wird es eigentlich. Weil man dann feststellt: Das ist ein Geschehen, das du gar nicht eingrenzen kannst im Moment.“

Kölner Treff-Moderator Beisenherz wollte dann wissen: „Wie viele Tage oder Stunden vergingen zwischen ‚Hach, so schlimm wird’s schon nicht sein‘ und ‚Um Gottes Willen, was machen wir jetzt‘?“

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Diese Gäste waren beim „Kölner Treff“ im WDR dabei:

  • Mirja Boes, Comedian
  • Stephan Pusch, Landrat des Kreises Heinsberg
  • Max Riemelt, Schauspieler
  • Elisabeth Lanz, Schauspielerin
  • Anna Dushime, Journalistin
  • Linda Rachel Sabiers, Autorin
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Dabei handelte es sich wirklich nur um Stunden. Pusch erfuhr am frühen Nachmittag von den Fällen. Abends um 20/21 Uhr stand fest: Die Einrichtungen werden geschlossen. „Das haben wir dann direkt am nächsten Morgen umgesetzt.

Jeden Abend hielt er seine Bürger im Kreis Heinsberg über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden und postete abends auf Facebook ein Video, wie er beim Kölner Treff erzählte. Auch das Medien-Interesse war riesig. „Wenn ich heute die ersten Monate betrachte, weiß ich gar nicht mehr, wo die Zeit geblieben ist. Man hat sich gedacht: Du bist hier im falschen Film.“

Dann sprach Pusch Klartest: „Wir waren die ersten Wochen die Seuchen-Zone, wir waren Hoch-Risiko-Gebiet.“ Der Kölner Treff-Moderator wollte dann wissen, wie der Kreis Heinsberg sich von diesem negativen Image freischauffeln will.

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Das ist der Kölner Treff:

  • Talkshow im WDR
  • Moderatoren: Bettina Böttinger, Susan Link und Micky Beisenherz
  • Geht zurück auf das Format „Wer kommt, kommt zurück“ von Alfred Biolek
  • Sendetermin: Freitags, 22 Uhr im WDR

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Kölner Treff (WDR): Pusch ist von Söder enttäuscht

„Wir haben vom ersten Moment an gesagt, es kann nicht sein, dass wir auf ewig…“, setzte Pusch an und machte seiner Enttäuschung gegen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Luft. „Ich glaube, der Söder hat mal gesagt: Wir wollen kein zweites Ischgl, wir wollen kein zweites Heinsberg.“

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Daraufhin sagte Beisenherz: „Der Söder sagt manchmal solche Sachen.“ Pusch stimmte zu: „Ja, der Söder sagt schon so einiges. Da waren wir super getroffen. Weil wir hatten doch eigentlich alles richtig gemacht. “

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Dann berichtete der Landrat beim Kölner Treff von den Vorurteilen, die die Bürger zu der Zeit erleben mussten. Sie wurden sogar außerhalb des Kreises aus Arztpraxen herausgeschmissen oder ihre Autos wurden zerkratzt.

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„Die Menschen haben Erfahrungen gemacht, die sie sich nie hätten vorstellen können“, sagte er im Kölner Treff. Doch diese Ausgrenzungen und Diskriminierungen hätten die Menschen vor Ort noch enger zusammengeschweißt.

 
 

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