Rocker-Krieg in Köln eskaliert – Polizei schlägt Alarm: „Hier wird wie im Wilden Westen rumgeballert“

Am 6. Januar sind in Köln Schüsse in der Innenstadt und dann auf eine Spielhalle abgefeuert worden. „Wie im Wilden Westen“, findet Polizeipräsident Uwe Jacob. (Archivbild)
Am 6. Januar sind in Köln Schüsse in der Innenstadt und dann auf eine Spielhalle abgefeuert worden. „Wie im Wilden Westen“, findet Polizeipräsident Uwe Jacob. (Archivbild)
Foto: dpa

Köln. Vergangene Woche war die Panik groß, als mitten in der Innenstadt von Köln Schüsse fielen – nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt. Einige Stunden später gab es weitere Schüsse auf eine Spielhalle.

Am Mittwoch äußerte sich Polizeipräsident Uwe Jacob zum Thema. „Mitten auf Kölner Straßen wird mit hochkarätigen Waffen geschossen. Als wären wir hier hier im Wilden Westen, wird hier rumgeballert.“ Hintergrund der Schießereien in Köln: Der Konflikt der Rockerbanden Bandidos und Hells Angels. Seit einigen Jahren wird die Situation immer angespannter.

Bandidos und Hells Angels in Köln: Offener Konflikt auf der Straße

Zwar hatten die beiden Banden in der Vergangenheit unterschiedliche Reviere: Die Bandidos dominierten das Ruhrgebiet, die Hells Angels das Rheinland. Doch in letzter Zeit hätten die Hells Angels in Köln zunehmend ihre Durchsetzungskraft und Reputation in der Szene eingebüßt. Der Chef der Bandidos wolle jetzt in dieses Machtvakuum vorstoßen, erklärt Klaus-Stephan Becker, Leiter Direktion Kriminalität.

„Hier ist ein offener Konflikt auf der Straße entstanden, wo Unbeteiligte extrem gefährdet werden“, sagt Polizeipräsident Jacob. „Es ist nur ein glücklicher Zufall, dass bisher noch niemand zu Tode gekommen ist“, ergänzt Becker.

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Bandidos und Hells Angels in Köln: Mit klassischen Rockerbanden nichts mehr zu tun

Wer sind diese Leute, denen das Leben unschuldiger Menschen demnach gleichgültig ist? Die Polizei zeigt Fotos, die die Bandidos und die Hells Angels bei Treffen vor der Kölner Lanxess-Arena jeweils von sich gemacht haben. Man sieht junge, dunkelhaarige, muskelbepackte Männer. „Das sind ganz überwiegend Migranten unterschiedlicher Nationalitäten“, erläutert Becker. Junge Männer aus der Türkei seien darunter, aus dem Kosovo und aus Nordafrika.

Mit den klassischen Rockern von früher haben diese Gruppen nach Einschätzung der Polizei nicht mehr viel zu tun. Manche hätten noch nicht mal ein Motorrad. Es handele sich vielmehr ganz einfach um Kriminelle, die unter dem Nimbus der Rocker ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgten. Es geht um die Türsteher-Szene, um Shisha-Bars, Drogenhandel. Dabei sind die Banden gar nicht mal so groß: ungefähr 50 Leute pro Gruppe in Köln.

Polizei Köln: „Werden nicht dulden, dass es so weitergeht“

Und jetzt - was will die Polizei unternehmen? „Wir werden es nicht dulden, dass es in Köln so weitergeht wie bisher. Wer hier in Köln den Rechtsstaat so herausfordert, der wird Antwort bekommen“, gelobt Jacob. Erste Durchsuchungen habe es am Mittwoch schon gegeben. Zudem werde man verstärkt kontrollieren. Es würden Zivilfahnder und erfahrene Ermittler aus dem Bereich der organisierten Kriminalität eingesetzt.

Ein wichtiger Punkt sei auch die Finanzermittlung: Wie kommen die Bandenmitglieder zum Beispiel an ihre superteuren Autos? „Wir handeln ununterbrochen“, betont Jacob. Aber er räumt auch ein: Man brauche einen „langen Atem“ dazu. (dpa/cs)

 
 

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