Nach Demo in Köln: Eskalation in RE1 – Fußballfans gehen auf Demo-Teilnehmer los

In Köln protestieren Kurden gegen die türkische Militäroffensive in Syrien.
In Köln protestieren Kurden gegen die türkische Militäroffensive in Syrien.
Foto: dpa

Köln. Die Lage zwischen Kurden und Türken in NRW bleibt weiter angespannt - auch trotz Feuerpause in Syrien. In der vergangenen Woche war es bei Demonstrationen in NRW immer wieder zu Provokationen und Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern gekommen.

In Köln läuft läuft Samstag die nächste große Demo mit 15.000 Teilnehmern angemeldet. NRW-Innenminister Herbert Reul hatte im Vorfeld gewarnt. Doch bei der Demo blieb es weitgehend friedlich. Auf dem Rückweg kam es dafür zu unschönen Aufeinandertreffen mit Fußballfans.

Alle Informationen zur Kurden-Demo in Köln liest du in unserem Live-Blog

20.58 Uhr: Wie ein Polizeisprecher auf sid-Nachfrage erklärte, soll es sich bei den RWE-Anhängern um 120 Problemfans gehandelt haben. Sie wurden nach verbalen und tätlichen Angriffen auf Teilnehmer der Kurden-Demo in Köln von der Polizei aus einer Regionalbahn am Düsseldorfer Flughafen entfernt.

18.22 Uhr: Am Flughafen Düsseldorf ist es zu einer Auseinandersetzung in einem Regionalexpress gekommen sein. Der Zug wurde angehalten, die Bundespolizei ist vor Ort. Im Zug befanden sich viele Teilnehmer der Großdemonstration aus Köln.

Nach Angaben der Bundespolizei soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen Fußballfans von Rot-Weiss-Essen und kurdischen Demonstrationsteilnehmern gekommen sein. Regionalligist RWE bestritt am Nachmittag ein Spiel gegen Bergisch Gladbach. Auf dem Rückweg vom Spiel provozierten und attackierten die Fußballfans wohl im Zug die Demo-Teilnehmer.

Ob Personen bei der Auseinandersetzung verletzt wurden, konnte die Bundespolizei auf DER WESTEN-Nachfrage nicht sagen. Der Zugverkehr soll nicht beeinträchtigt sein.

17.42 Uhr: Das von der Polizei befürchtete Chaos ist ausgeblieben. Die Polizei spricht von einem weitgehend störungsfreien Nachmittag. Einige Demonstranten hatten Nebeltöpfe und bengalische Fackeln gezündet. Polizisten stellten eine verbotene Öcalan-Fahne sicher.

Ein Anwohner hatte entlang der Aufzugsstrecke eine Türkei-Fahne vom Balkon gehisst. Es flog eine Flasche in Richtung der Flagge.

Um 16.40 Uhr wurde die Versammlung beendet.

15.14 Uhr: Die Abschlusskundgebung am Friedenplatz hat begonnen. Bei anhaltendem Dauerregen haben einige Demonstranten den Zug bereits verlassen. Überhaupt sind weniger Teilnehmer vor Ort als von der Polizei angenommen. Offizielle Teilnehmerzahlen gibt es allerdings noch nicht.

14 Uhr: Noch immer verlaufen die Proteste weitgehend friedlich, auch wenn die Polizei den Protestmarsch zwischendurch stoppen musste. Einige Teilnehmer hatten Böller gezündet. Nach einer kurzen Verwarnung ging es weiter. Das berichten die „Rheinische Post“ und der „Express“.

Die Veranstalter hatten die Demonstranten zu Besonnenheit aufgerufen. „Es ist sehr wichtig, dass wir uns nicht provozieren lassen“, hieß es bei der Kundgebung. Man fürchtet, dass sich türkisch-nationale Provokateure unter die Menge mischen könnten.

12.59 Uhr: Am Chlodwigplatz laufen die Demonstranten jetzt los. Bislang ist alles friedlich geblieben.

12.45 Uhr: Die Demo beginnt. Der Protestzug setzt sich jeden Moment in Bewegung.

11.45 Uhr: Die Kundgebungen unter dem Motto „Gegen den türkischen Angriffskrieg in Nordsyrien – Solidarität mit Rojava“ finden derzeit auf dem Ebertplatz und dem Chlodwigplatz statt. Ab 12.30 Uhr setzen sich die Demonstrationszüge in Bewegung. Durch die Innenstadt bis zum Hohenzollernring. Dort soll die Abchlusskundgebung stattfinden.

11.39 Uhr: Angemeldet sind 15.000 Teilnehmer. Die Polizei rechnet aber mit über 20.000 Demonstranten aus ganz Europa. Die Stadt Köln empfiehlt die Innenstadt am Samstag großräumig zu meiden. Die Polizei kündigt Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs an. Aktuell ist etwa der Hohenzollernring zwischen Rudolfplatz und Friesenplatz gesperrt.

Samstag, 18.10.2019, 11.03 Uhr: Bis zuletzt war unklar, ob die Demo in Köln stattfinden kann oder ob sie doch noch verboten wird. Die Polizei fürchtet Ausschreitungen wegen gewaltbereiter Teilnehmer, die sich unter die Demonstranten mischen könnte. Mittlerweile steht fest: Die Kundgebung wird stattfinden. Das bestätigte die Polizei Köln auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur.

Freitag, 18.10.2019:

Nach diversen, zum Teil eskalierten kurdischen Großdemonstrationen in den vergangenen Tagen in NRW, erwartet die Polizei am Samstag in Köln die nächste große Herausforderung.

„Es ist nicht erste Mal, dass es große Demonstrationen gibt und es ist auch nicht das erste Mal, dass es große Demonstrationen von Kurden gibt. Wir sind hochprofessionell vorbereitet“, sagte Herbert Reul im Gespräch mit dem Radiosender „WDR 2“.

Köln: Kurden-Demos in NRW - Reul warnt kurdische Demonstranten

Jeder habe aber das Recht, sich frei zu äußern: „Es können alle demonstrieren, solange sie sich an die Regeln halten.“ Auch für die Kölner, die nicht an der Demonstration teilnehmen wollen, hat Reul zwei Ratschläge. Einer davon wirkt irritierend.

+++ Herne: 350 Kurden demonstrieren ++ Lage eskaliert ++ Hubschrauber im Einsatz ++ Polizeipräsident mit dringendem Appell +++

Reul mit irritierendem Ratschlag

So wird er gefragt, was man als Passant am Samstag in Köln mache könne. Reul antwortete darauf: „Ordentlich shoppen gehen und sich aus dem raushalten.“ Für größere Kontroverse sorgte allerdings sein zweiter Hinweis.

So meint Reul, man müsse am Samstag während der Demonstration „nicht gerade in der Gegend herumlaufen“. Weiterer Menschenauflauf würde es den Sicherheitskräften lediglich erschweren, die Situation zu überblicken und zu kontrollieren.

Nach neueren Erkenntnissen aus Sicherheitskreisen, spricht der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob am Freitagnachmittag Klartext.

Polizei warnt vor „gewaltbereiten Jugendlichen“

So wisse die Polizei mittlerweile, dass europaweit im kurdischen Umfeld zur Teilnahme an den Demonstrationen in Köln aufgerufen werde. Deshalb rechnen die Behörden mittlerweile mit mehr als 20.000 Teilnehmern.

„Darunter sollen sich mehrere tausend junge Menschen befinden, die provozieren wollen. Sie sollen gewaltbereit sein und auch vor erheblichen Straftaten nicht zurückschrecken“, warnt Uwe Jacob.

Türkische Nationalisten erwartet

Nach Vorfällen, wie etwa in Bottrop (hier mehr Infos>>>) nehme die Polizei die Warnung der Sicherheitsbehörden sehr ernst. Man rechne damit, dass auch einige Teilnehmer Waffen, wie Messer bei sich tragen.

Auch türkisch-nationale Jugendliche würden erwartet. „Da braut sich natürliches einiges zusammen.“ Die Menschen seien wegen des Konflikts in Syrien hoch emotionalisiert, so der Polizeipräsident.

„Wir können nicht alle schützen"

Die Polizei habe repräsentative Gebäude wie das türkische Generalkonsulat in Hürth oder die Zentralmoschee im Blick. Man müsse aber davon ausgehen, dass auch jede Dönerbude gefährdet sein könnte, warnt Uwe Jacob. Bei der Anzahl der Imbissbuden in Köln verrät der Polizeipräsident: „Wir können nicht alle schützen.“

Den Demonstrationszug einfach an solchen Gebäuden vorbeizuleiten? „Das kriegen wir nicht hin in Köln“, so der Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt, denn „wir kriegen keine Streckenführung hin in Köln, die potenziell Reize bieten können.“

Warum wird die Veranstaltung nicht verboten?

Die Polizei prüfe ein Verbot der Veranstaltung. Doch das könnte nach Angaben des Polizeidirektors an den hohen Hürden der Versammlungsfreiheit scheitern.

Die Lage werde allerdings bis zu Beginn und auch während der Versammlung immer wieder neu bewertet.

Das ist die aktuelle Lage in Syrien

Am Donnerstagabend kündigte die türkische Regierung eine Feuerpause im Konflikt in Nordsyrien an. In dieser Zeit sollen Kurden die Gebiete und Städte im Bereich von 30 Kilometer hinter der syrischen Grenze räumen. Die Türkei will dort in einer Art Schutzzone Flüchtlinge aus Syrien ansiedeln. Etwa drei Millionen hat das Land aufgenommen.

+++ Essen: Zombie-Walk steht vor dem Aus +++

Doch von einer Beruhigung des Konflikts kann man nicht sprechen. Denn dass die Kurden, die als zuverlässiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS galten, die von ihnen kontrollierten Städte und Gebiete freiwillig abtreten, ist äußerst unwahrscheinlich. Entsprechend werden auch die Proteste der Kurden und Türken in NRW nicht abreißen. (dav/ak mit dpa)

 
 

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