Düsseldorf

Klimawandel-Leugner und Verschwörungsfans: Diese AfD-Politiker ziehen in den NRW-Landtag ein

NRWs AfD-Chef Markus Pretzell wird wahrscheinlich Fraktionschef im Landtag.
NRWs AfD-Chef Markus Pretzell wird wahrscheinlich Fraktionschef im Landtag.
Foto: dpa
  • Die AfD ist bei der Wahl in NRW erstmals in den Düsseldorfer Landtag eingezogen
  • Mit 7,4 Prozent blieb sie aber unter den eigenen Erwartungen
  • Diese größtenteils unbekannten Kandidaten ziehen für die Rechtspopulisten in den Landtag ein

Düsseldorf. Obwohl sie deutlich unter den eigenen Erwartungen blieb, hat die AfD den Einzug in den Düsseldorfer Landtag geschafft. Aus dem Stand holte die rechtspopulistische Partei 7,4 Prozent. Damit ziehen 16 AfD-Leute in den Landtag ein.

Vor der Wahl zeigte die Partei sich immer wieder zerstritten. Der Zustand der AfD in NRW sei desolat, sagt auch Rechtsextremismusforscher Alexander Häusler. Trotzdem muss die Partei sich jetzt zusammenraufen. Diese Politiker werden bald der AfD-Fraktion angehören. Eine Auswahl:

Markus Pretzell

Der NRW-Landesvorsitzende ist der Ehemann von Noch- AfD-Bundeschefin Frauke Petry. Er ist die einzige prominente Figur der AfD im Landtag.

Der Bochumer agiert aus einer schwachen Position heraus, schaffte es nur mit Ach und Krach, zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt zu werden. Dass sein Widersacher, Co-Parteichef Martin Renner, dann noch auf Platz 1 der Landesliste für die Bundestagswahl gewählt wurde, sei ein Affront gegen Pretzell, sagt Wissenschaftler Häusler.

Pretzell wird aller Voraussicht nach Fraktionschef der AfD im Düsseldorfer Landtag.

Markus Wagner

Der Kandidat aus dem Kreis Minden-Lübbecke, auf Platz 4 der Landesliste, war bis Ende 2006 Bundeschef der rechtspopulistischen Schill-Partei, insgesamt drei Jahre lang.

Die umstrittene Protestpartei war 2000 vom Hamburger „Richter Gnadenlos“ Ronald Schill gegründet worden, löste sich 2007 aber wieder auf. Vor Wagner steht AfD-Landesschatzmeister Frank Neppe auf Platz 3, ebenfalls Ex-Schillianer. Er ist im Stadtrat Iserlohn aktiv.

Nic Vogel

Der Düsseldorfer Comic-Händler, Platz 9, stellte sich den Delegierten Ende 2016 als Mitglied im Gründungsausschuss und Orga-Team des «Alternativen Wissenskongresses» (AWK) vor.

Nach Angaben von „Blick nach rechts“ - einem SPD-nahen Infoportal - sind AWK-Veranstaltungen für AfD-Rechtsaußenvertreter und für „Verschwörungstheoretiker jedweder Couleur“ feste Events.

Vogel schreibt über sich: „Studium der Menschheitsgeschichte. Seit 2010 intensive Recherchen zu Weltfinanzen, Realpolitik und schleichenden Demokratieverlust“.

Sven Tritschler

Der 1981 geborene Tritschler, Platz 13, ist Bundeschef der Jungen Alternative, der AfD-Nachwuchsorganisation. Zunächst war der Kölner für den EU-Abgeordneten Pretzell im Europaparlament tätig, derzeit ist er Mitarbeiter in der ENF-Fraktion aus europäischen Rechtspopulisten und Rechtsextremen. Laut „Rheinischer Post“ nannte er den Islam eine verbrecherische Ideologie.

Christian Blex

Der Münsterländer gehört als einer der wenigen Kandidaten auf den vorderen Plätzen (14) nicht zum Pretzell-Lager, sondern wird unter anderem von Anhängern der „Patriotischen Plattform“ - einer Gruppe am äußersten rechten Rand der AfD - unterstützt.

Die AfD sei die „letzte Chance für unser Vaterland und für Nordrhein-Westfalen“, zitiert ihn das Infoportal bnr. Forscher Häusler zufolge gehört Blex zu dem Kreis, der den Klimawandel öffentlich leugnet.

Thomas Röckemann

Röckemann, Platz 16, Rechtsanwalt aus Minden, wollte eigentlich Spitzenkandidat werden, unterlag aber mit 44 zu 54 Prozent gegen Pretzell. In einem Interview kritisierte Röckemann die Arbeit des Landesvorstandes sei lautlos und unauffällig.

Dass er und Pretzell demnächst in Plenumsdebatten mit einer Stimme sprechen werden, ist ebenfalls schwer vorstellbar.

(dpa/fel)

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