Düsseldorf

Klimawandel-Leugner, Comic-Händler und Verschwörungs-Fans: Diese AfD-Männer wollen in den Landtag

Marcus Pretzel, Spitzenkandidat der AfD in Nordrhein-Westfalen. Manche der Kandidaten hinter ihm haben nicht genug Unterstützer gefunden, um als Direktkandidaten antreten zu können.
Marcus Pretzel, Spitzenkandidat der AfD in Nordrhein-Westfalen. Manche der Kandidaten hinter ihm haben nicht genug Unterstützer gefunden, um als Direktkandidaten antreten zu können.
Foto: imago stock&people / imago/Rene Traut
  • Kurz vor der NRW-Wahl die Frage, wer für die AfD in den Landtag einziehen könnte
  • Wir stellen dir einige der teils skurrilen Kandidaten vor
  • Frauen? Nur drei sind unter den Top 20

Düsseldorf. Gut einen Monat vor der NRW-Wahl fragen sich viele, wer wohl für die AfD in den Landtag einziehen könnte. Unter den aussichtsreichsten Kandidaten sind auch skurrile Vertreter. Und fast nur Männer.

Die nordrhein-westfälische AfD als größter Landesverband der Partei macht vor allem wegen interner Streitigkeiten von sich reden. Der Zustand der AfD in NRW sei desolat, sagt auch Rechtsextremismusforscher Alexander Häusler. Trotzdem: Jüngste Umfragen sehen die AfD bei bis zu 10 Prozent. Wer sind die Kandidaten, die nach dem 14. Mai gute Aussichten auf einen Platz im Düsseldorfer Landtag haben? Hier ein Überblick über die weitgehend Unbekannten, die möglicherweise schon bald eine Fraktion bilden werden.

Frauke Petrys Mann

Der Landesvorsitzende Marcus Pretzell, Ehemann von AfD-Bundeschefin Frauke Petry, ist die einzige prominente Figur. Der Bochumer agiert aus einer schwachen Position heraus, schaffte es nur mit Ach und Krach, zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gekürt zu werden. Dass sein Widersacher, Co-Parteichef Martin Renner, dann noch auf Platz 1 der Landesliste für die Bundestagswahl gewählt wurde, sei ein Affront gegen Pretzell, sagt Wissenschaftler Häusler. Sollte die NRW-AfD, die rund 4500 Mitglieder zählt, in den Landtag einziehen, würde Pretzell aller Voraussicht nach Fraktionschef werden.

GeSchillte Ostwestfalen und Sauerländer

Markus Wagner aus Minden, auf Platz 4 der Landesliste, war bis Ende 2006 Bundeschef der rechtspopulistischen Schill-Partei, insgesamt drei Jahre lang. Die umstrittene Protestpartei war 2000 vom Hamburger "Richter Gnadenlos" Ronald Schill gegründet worden, löste sich 2007 aber wieder auf. Vor Wagner steht AfD-Landesschatzmeister Franke Neppe auf Platz 3, ebenfalls Ex-Schillianer. Er ist im Stadtrat Iserlohn aktiv.

Findet Verschwörungen nicht nur in seinen Comics

Der Düsseldorfer Comic-Händler Nic Vogel, Platz 9, stellte sich den Delegierten Ende 2016 als Mitglied im Gründungsausschuss und Orga-Team des "Alternativen Wissenskongresses" (AWK) vor. Nach Angaben von "blick nach rechts" - einem SPD-nahen Infoportal - sind AWK-Veranstaltungen für AfD-Rechtsaußenvertreter und für "Verschwörungstheoretiker jedweder Couleur" feste Events. Vogel schreibt über sich: "Studium der Menschheitsgeschichte. Seit 2010 intensive Recherchen zu Weltfinanzen, Realpolitik und schleichenden Demokratieverlust".

Gestern noch Brüssel - Heute gegen den Islam

Sven Tritschler, Platz 13, ist Bundeschef der Jungen Alternative, der AfD-Nachwuchsorganisation. Zunächst war der Kölner für den EU-Abgeordneten Pretzell im Europaparlament tätig, derzeit ist er Mitarbeiter in der ENF-Fraktion aus europäischen Rechtspopulisten und Rechtsextremen. Laut "Rheinischer Post" nannte er den Islam eine verbrecherische Ideologie.

Klimawandel? Ist nicht, gibt's nicht!

Christian Blex aus Warendorf nahe Münster gehört als einer der wenigen Kandidaten auf den vorderen Plätzen (14) nicht zum Pretzell-Lager, sondern wird unter anderem von Anhängern der "Patriotischen Plattform" - einer Gruppe am äußersten rechten Rand der AfD - unterstützt. Die AfD sei die "letzte Chance für unser Vaterland und für Nordrhein-Westfalen", zitiert ihn das Infoportal bnr. Forscher Häusler zufolge gehört Blex zu dem Kreis, der den Klimawandel öffentlich leugnet.

RECHTSanwalt will an der Lautstärke drehen

Thomas Röckermann, Platz 16, Rechtsanwalt aus Minden, wollte eigentlich Spitzenkandidat werden, unterlag aber mit 44 zu 54 Prozent gegen Pretzell. In einem Interview kritisierte Röckemann, die Arbeit des Landesvorstandes sei lautlos und unauffällig. Dass er und Pretzell demnächst in Plenumsdebatten mit einer Stimme sprechen werden, ist ebenfalls schwer vorstellbar.

Pfarrer zeigt wenig Erbarmen

Auch der pensionierte evangelische Pfarrer Axel Bähren könnte sich mit Platz 20 noch Hoffnung machen, in einer künftigen AfD-Landtagsfraktion dabei zu sein. Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" fuhr der Mann aus Viersen Attacken gegen die flüchtlingsfreundliche Kirche - und wurde daher von der wenig begeisterten Kirchenleitung einbestellt.

Ex-Bergmann mit Neid auf Flüchtlinge

Guido Reil hat es als abtrünniger Ex-Sozialdemokrat und Trommler in eigener Sache zu einiger Bekanntheit gebracht. Der Bergmann steht allerdings nur auf Listenplatz 26. Er tritt in Essen auch als Direktkandidat an, gegen den prominenten NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Bei einer Kundgebung über Flüchtlinge sagte er laut bnr: "Die kriegen alles in den Arsch geblasen."

FRAUEN? Bis Platz 20 gibt es nur drei weibliche Kandidaten.

(dpa)

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