Kita-Leiterin in NRW soll Kinder missbraucht haben: Sie ist auf freiem Fuß – weil niemand den Kindern glaubt

In einer Kita im Münsterland soll es zu sexuellen Übergriffen an Kindern gekommen sein. (Symbolbild)
In einer Kita im Münsterland soll es zu sexuellen Übergriffen an Kindern gekommen sein. (Symbolbild)
Foto: dpa

Eine Kita-Leiterin aus dem Münsterland soll über Jahre Kinder missbraucht und misshandelt haben. Mehrere Kinder seien betroffen. Doch die Leiterin wurde nicht angeklagt oder aus ihrem Job entlassen. Die Aussagen der Kinder seien nicht glaubwürdig. Über den Fall berichtet der WDR.

Ein heute 14-Jähriger soll in der Kita im Münsterland als Kleinkind vergewaltigt und misshandelt worden sein. Laut WDR vertraute er sich seinen Eltern an, als er acht Jahre alt war. Sie glaubten ihm, sonst aber niemand. Noch mindestens zwei weitere Kinder seien betroffen gewesen.

Kita-Leiterin aus dem Münsterland soll jahrelang Kinder missbraucht und misshandelt haben

Doch die Staatsanwaltschaft Münster, die Generalstaatsanwaltschaft Hamm und das Justizministerium NRW stellten sämtliche Ermittlungsverfahren ein. Die Gründe sind vielfältig und doch alle sehr ähnlich.

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So begründet die Staatsanwaltschaft Münster die Einstellungen der Ermittlungsverfahren

Bei allen Vorwürfen habe es keinen hinreichenden Tatverdacht gegeben. Außerdem sei in zwei Fällen von der sogenannten Suggestionshypothese ausgegangen worden.

„Teilweise stellten sich die Angaben der Kinder gegenüber den Eltern in den polizeilichen Vernehmungen so dar, dass nicht auszuschließen war, dass bestimmte belastende Angaben durch vorherige Fragestellungen der Eltern hervorgerufen worden sein könnten“, erklärt Martin Botzenhardt, Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Münster, die Einstellungen der Ermittlungsverfahren

Weiter heißt es: „In einem anderen Ermittlungsverfahren konnte damals bei einem Kind nicht ausgeschlossen werden, dass die seinerzeit schriftlich übermittelten und sodann von der Staatsanwaltschaft geprüften Äußerungen dieses Kindes auf – möglicherweise unbewussten – Suggestivfragen und Vorhalten der Eltern und nicht auf Spontanäußerungen des Kindes beruhten.“

Und noch weiter: „Die Angaben von zwei weiteren Kindern waren nur sehr pauschal und ohne zeitliche und situative Einbettung in einen konkreten Geschehensablauf.“

Psychologin ist davon überzeugt, dass Kindern Schlimmes widerfahren ist

Eine Psychologin sagte gegenüber dem WDR: „Kinder, die sexuell missbraucht werden, plappern das einfach so raus oft. Und wenn dann Erwachsene mehrfach nachfragen und sie immer wieder das gleiche erzählen, heißt es irgendwann, die Geschichte sei ihnen in den Mund gelegt worden.“

Kinder hätten sich laut Psychologin seltsam verhalten

Gleichzeitig sagt eine andere Psychologin: „Ich habe mit drei der betroffenen Kindern gearbeitet. Ihr Verhalten weist auf einen sexuellen Missbrauch hin, dafür gibt es eindeutige Anzeichen. Von Albträumen über eine komplette Verhaltensänderung gibt es viele Hinweise auf Missbrauch.“

Als niemand ihnen glauben wollte, ging eine Mutter der betroffenen Kinder noch weiter: Sie ließ Haarproben der Kinder anfertigen. Die Kinder hatten oft gesagt, dass ihnen irgendetwas gegeben wurde. Und tatsächlich: Das Labor fand bei allen betroffenen Kindern Spuren von Kokain, Amphetamin und anderen Drogen in den Haaren.

Staatsanwaltschaft Münster erhebt trotz positiven Drogentests keine Anklage

Für die Staatsanwaltschaft Münster trotzdem kein Grund Anklage zu erheben. „Es war nicht festzustellen, unter welchen Umständen die festgestellten Substanzen in die im privaten Auftrag untersuchten Haarproben gelangt sind. Soweit die von einem Privatgutachter untersuchten Haarproben von Kindern des betroffenen Kindergartens stammen, ist das Ergebnis dieser Untersuchung natürlich in die Bewertung des Gesamtsachverhalts eingeflossen. Aber auch dieses Ergebnis reicht nicht aus, um zwangsläufig den Schluss zu ziehen, dass ein Zusammenhang mit dem Kindergarten besteht, zumal es sich teilweise um unterschiedliche Substanzen gehandelt hat.“

14-Jähriger wird mittlerweile ernst genommen

Der 14-Jährige wird mittlerweile vor Gericht ernst genommen. Er will seine Geschichte erneut erzählen. Ein Grund für seine Glaubwürdigkeit: Der Ehemann seiner ehemaligen Kita-Leiterin habe ihn mehrfach am Bahnhof abgefangen und bedroht. Er darf sich dem Teenager nicht mehr nähern, der Fall könnte neu aufgerollt werden.

Er soll gemeinsam mit seiner Frau damals den 14-Jährigen vergewaltigt haben. (fb)

 
 

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