„Kann dir das auch passieren?“

Essen..  Was dürfen politische Zeichnungen? Über die Bluttat von Paris sprachen wir mit NRZ-Karikaturist Thomas Plaßmann.

NRZ: Was sagen Sie über die Ereignisse von Paris?

Plaßmann: Ich sitze hier unter Schock, ich bin echt erschüttert, zumal ich einen der getöteten Karikaturisten vor einiger Zeit persönlich bei einer Afrika-Reise kennengelernt habe.

Es ist nicht das erste Mal, dass Karikaturisten und Satiriker das Opfer von Gewalt wurden...

Das stimmt. Der erste große Schock war ja der Karikaturenstreit im Jahr 2005. Damals dachte ich: Wir malen hier unsere Männchen und stellen plötzlich fest, dass es ein paar Striche auf einem Blatt Papier vermögen, die halbe Welt in Brand zu setzen. Und angesichts der furchtbaren Geschehnisse in Paris stellt man sich schon die Frage: Kann dir das auch passieren? Wird dir irgendwann die Bude in Brand gesetzt? Traust du dich jetzt noch?

Und hielt diese Sorge an?

Nein, das flachte mit der Zeit ab.

Sie haben also keine Schere im Kopf?

Doch, aber ich bemühe mich jeden Tag, sie nicht zuschnappen zu lassen. Man darf sich nicht einschüchtern lassen.

Was darf Karikatur? Wo sind die Grenzen?

Ich halte es da grundsätzlich schon mit Tucholsky, der ja sagte: Satire darf alles. Aber Grenzen gibt es schon. Nur wer sie wo sieht, das ist die Schwierigkeit.

Auf Religion bezogen heißt das...

Religion ist natürlich eine ganz schwierige Kiste. Da kann man sehr schnell Menschen beleidigen, Gefühle verletzen, jemandem weh tun. Aber uns Zeichnern muss doch auch abgenommen werden, dass es uns nicht um den reinen Witz geht und darum, andere durch den Kakao zu ziehen, sondern dass wir uns ernsthaft mit bestimmten Fehlentwicklungen auseinandersetzen. In dieser Hinsicht ist Religion letzten Endes dann doch kein anderes Thema als Wirtschaftskrise oder Arbeitslosigkeit. Wenn Religion missbraucht wird, um Andersdenkende zu unterdrücken oder gar zu töten, ist das ein Thema, das von Satire und Karikatur bearbeitet werden muss.

Wie wird dieser Tag Ihr Arbeiten verändern?

Das muss ich erst mal einsortieren. Aber dann muss es weitergehen. Den Triumph, die Feder aus Angst zur Seite zu legen, den dürfen wir diesen Leuten nicht gönnen.

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