Dortmund

Jens Spahn im Klinikum Dortmund: Nicht alle Pflegekräfte waren über den Besuch erfreut – das steckt hinter der Kritik

Jens Spahn besuchte das Klinikum Dortmund.
Jens Spahn besuchte das Klinikum Dortmund.
Foto: imago/Sven Simon

Dortmund. Das Klinikum Dortmund hatte am Tag vor Heiligabend einen besonderen Besucher: Gesundheitsminister Jens Spahn schaute im Hospital vorbei und dankte dort „den Pflegekräften für ihre Arbeit über die Feiertage“, wie es das Klinikum auf seiner Facebook-Seite beschrieb. Manch ein Pfleger sah das anders.

Der Besuch von Jens Spahn war bereits im Vorfeld hitzig diskutiert worden, weil dem Gesundheitsminister erst vor Kurzem ein Spruch über Pflegekräfte um die Ohren geflogen war. Im September hatte Jens Spahn der „Augsburger Allgemeinen“ gesagt: „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen.“

Vor Besuch in Dortmund: Jens Spahn wegen Zitat zu Unrecht in der Kritik

Viele Medien hatten diesen Satz aus dem Kontext gerissen, so dass der Eindruck entstand, Jens Spahn fordere von den ohnehin schon überlasteten Pflegekräften weitere Überstunden. Dabei hatte der Gesundheitsminister den Pflegenotstand in jenem Interview sehr differenziert betrachtet.

So hatte Jens Spahn damals erklärt: „Außerdem haben viele Beschäftigte in Heimen und ambulanten Diensten ihre Stundenzahl reduziert, sodass wir auch ein Auge auf die Arbeitsbedingungen werfen müssen. Vieles ist auch eine Frage der Organisation: faire Schichtpläne, verlässliche Arbeitszeiten, auch mal drei, vier freie Tage am Stück. Derzeit ist die Pflege der am wenigsten planbare Beruf, den es gibt. Die meisten Menschen, die in der Pflege arbeiten, arbeiten dort gerne, sie schöpfen viel Kraft aus ihrem Beruf, hadern aber mit den Umständen, die er mit sich bringt. Deshalb müssen wir auch an den Rahmenbedingungen arbeiten.“

Nichtsdestotrotz: Der Shitstorm war Jens Spahn damals sicher. Daher waren bereits vor seinem Abstecher ins Klinikum Dortmund nicht alle Pfleger hocherfreut über den Besuch. Und auch nach der Stippvisite gab es Kritik.

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Pfleger kritisierte Spahn-Besuch

So schrieb ein Pfleger aus der Zentralen Notaufnahme unter dem Post des Klinikums: „Als er in der ZNA heute Morgen auftauchte, hat er uns nicht einmal zur Kenntnis genommen. Sorry, ich empfand das als ein reines Showlaufen.“

Unter dem Kommentar entwickelte sich eine hitzige Diskussion. Viele Pflegerinnen und Pfleger beschwerten sich über ihre Arbeitsbedingungen und empörten sich über das angeblich respektlose Verhalten des Gesundheitsministers.

Spahn-Team verteidigt zurückhaltenden Auftritt

Marc Raschke, der Pressesprecher des Klinikums, reagierte auf die Vorwürfe und sagte: „Kurzer Einschub zur Erklärung: Wir wollten eigentlich heute gar nicht in die ZNA; es war nur eine Station und eine Intensivstation geplant. Herr Spahn wollte aber noch in die Notaufnahme und hat sich für die Triage bzw. die Kooperation mit dem notärztlichen Dienst interessiert. Dementsprechend, weil nicht angekündigt, wollten wir maximalst nicht stören und standen da auch (etwas abseits) nur in dem Seitengang. Das war also ungeplant.“

Auch das Presseteam von Jens Spahn äußerte sich: „So haben Sie das wahrgenommen? Das ist schade. Wir sind sicher, die Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel, die auf den Bildern zu sehen sind, haben das anders gesehen. Auch Ihnen natürlich ein herzliches Dankeschön für Ihren Einsatz.“

 
 

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