Jäger der Lüfte im Aufwind - 157 Wanderfalken-Paare leben in NRW

Holger Dumke
Vor dem ersten Ausflug: ein frisch beringter Jungfalke auf einem Thyssen-Gelände.
Vor dem ersten Ausflug: ein frisch beringter Jungfalke auf einem Thyssen-Gelände.
157 Wanderfalken-Paare haben in NRW ihr Revier. Einige brüten hoch oben im Stahlwerk oder auf Braunkohlebaggern. Tierexperten halten es für möglich, dass der Bestand noch ein wenig weiter wächst.

An Rhein und Ruhr. Auf Kirchtürmen, Schornsteinen, unter Brücken oder hoch oben im Stahlwerk: Wanderfalken brüten in Nordrhein-Westfalen an allerlei kuriosen Orten, mitunter in Höhen von bis zu 300 Metern. Vogelschützer haben dort Bruthilfen postiert, zum Beispiel Körbe. „Wir haben bei Düren sogar Aufzuchten auf in Betrieb befindlichen, fahrenden Braunkohlebaggern“, erzählt Experte Dr. Peter Wegner von der Naturschutzorganisation Nabu. Fest steht: Den Wanderfalken geht es gut dabei. Der Bestand entwickelt sich prima.

2011 war ein gutes Jahr für die Greifvögel: Die Zahl der Revierpaare erhöhte sich landesweit um acht auf jetzt 157, hieß es bei einer Tagung von Vogelschützern in Recklinghausen, ein Plus von etwa 5% Die Zahl der ausgeflogenen Jungtiere stieg - nach einem Rückgang in 2020 - auf 278. „Die Jungtiere haben sich in dem warmen Frühjahr gut entwickelt“, sagt Wegner im Gespräch mit der NRZ. In den Regierungsbezirken Düsseldorf und Arnsberg brüten die meisten Paare.

Mühsamaufgepäppelt

Das war vor gar nicht allzu langer Zeit noch anders. „Wir hatten 1986 die erste Brut in NRW“, so Wegner. Der Leverkusener ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, die den Bestand durch das Bewachen von Horsten, die Versorgung kranker Tiere und das Bereitstellen von Bruthilfen mühsam aufgepäppelt hat. Wegner sieht da auch noch weiteres Potenzial: „Ich denke, dass ein Bestand von landesweit 200 bis 300 Brutpaaren möglich, aber dann auch die Grenze ist.“

Wanderfalken sind eigentlich Felsbrüter, nisten gerne in Felswänden und Steinbrüchen. „Dort hat die Freizeitkletterei aber unheimlich zugenommen“, bedauert Wegner. Die Vogelschützer haben sich deshalb mit Bedacht dafür entschieden, Bruthilfen in Industrieanlagen zu positionieren. „In der Regel sind das geschützte Orte, da gibt es einen Pförtner, da kommt niemand hin“, sagt Wegner. Für die Falken scheine mitunter die Devise zu gelten, je höher desto besser. So berichtet Wegner von einem Kraftwerk in der Rhein-Ruhr-Region, wo die Bruthilfe in 220 Metern nicht belegt ist die in 300 Metern hingegen schon. Für die Wanderfalkenschützer macht das die Arbeit nicht einfach. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, alle Jungtiere zu beringen. Sie müssen also rauf zum Wanderfalkennachwuchs, klettern seilgesichert an Leitern empor. Peter Wegner klettert mit. Der Mann ist 72 Jahre alt.