In der Nacht kam der Mann mit dem Benzinkanister

Witten..  Ein schlechter Film, der da läuft am Morgen danach: Auf den Bildern von sechs Überwachungskameras sehen die Wittener Muslime zu, wie ihre Sultan Ahmet-Moschee angesteckt wird. Eine halbe Stunde vor Mitternacht am Montagabend betritt ein Mann das Gelände. Er trägt einen Benzinkanister, hebelt an der Rückseite des Gebäudes das Fenster eines Waschraums auf. Das Benzin gießt er über die kostbaren roten Teppiche, er zündet es an und verlässt das Gebäude durch die Vordertür. Das Feuer geht nach wenigen Minuten von selbst aus.

Doch es hinterlässt „großen Gebäudeschaden“, wie die Polizei später sagen wird; der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Wittens, Veysel Arslan, entdeckt ihn morgens um 5.30 Uhr als Erster: Der Teppich ist verkohlt, eine Empore angebrannt, alles voller Ruß, noch Stunden später riecht es nach Rauch. Neben dem Gebetsraum, im selben Haus leben drei türkische Familien, unter ihnen der Hodscha, der Religionsgelehrte, mit Frau und Kindern. „Es hätte schlimm enden können“, sagt Levent Celik, Vize-Vorstand der Moscheegemeinde, „das hat der Täter einfach in Kauf genommen.“

Eine Ermittlungskommission wird eingerichtet, in der auch der Staatsschutz mitarbeitet. Bei einer Moschee, erklärt Polizeisprecher Axel Pütter, „kann man nicht ausschließen, dass beim Motiv ein fremdenfeindlicher Hintergrund vorliegt“. Das Gebäude, in dem auch viele Schwarzafrikaner und bosnische Serben beten, hatten die Mitglieder in den 70er-Jahren ehrenamtlich und mit eigenem Geld aufgebaut. „Einen solchen Vorfall hat es noch nie gegeben“, sagt Levent Celik. Im Gegenteil bemühte sich die Gemeinde um gute Nachbarschaft, es gab regelmäßige Feste.

Die Wittener Landtagsabgeordnete Verena Schäffer (Grüne) spricht aus, was viele nun denken: „Der Gedanke, dass sich das gegen Muslime richtete, liegt nicht fern.“ Für Ahmet Faik Davaz, Stellvertreter des türkischen Generalkonsuls, steht bereits fest: „Das ist ein Angriff auf unser Zusammenleben.“

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