Import-Gülle aus den Niederlanden raubt Anwohnern den Atem

Holger Dumke
Mit einem Traktor wird ein Güllewagen über ein Feld gezogen.
Mit einem Traktor wird ein Güllewagen über ein Feld gezogen.
Foto: dpa
In den Niederlanden produzierter Tiermist wird auf deutsche Felder aufgetragen. Allein der Kreis Kleve etwa hatte es im zweiten Halbjahr 2012 mit 71 053 Tonnen Import-Gülle zu tun. Anwohnern raubt vor allem der Hühner- und Putenmist den Atem. Zudem belastet die massive Düngung das Grundwasser.

Am Niederrhein. „Gülletourismus“ ist schon lange ein großes Ärgernis. In den Niederlanden produzierter Tiermist wird über die Grenze gebracht und auf deutscher Seite in großen Mengen auf Felder aufgetragen. Anwohnern raubt vor allem der Hühner- und Putenmist den Atem. Zudem belastet die massive Düngung das Grundwasser.

Nun gibt es konkrete Zahlen, wie viel Import-Gülle auf den Feldern in der Region landet. Die Niedersächsische Landwirtschaftskammer hat eine Statistik der niederländischen Behörden ausgewertet und deutschlandweit aufgeschlüsselt. Allein der Kreis Kleve etwa hatte es im zweiten Halbjahr 2012 mit 71 053 Tonnen Import-Gülle zu tun, im kompletten Jahr 2011 sogar mit fast 240 000 Tonnen. Das waren 22% der nach Deutschland exportierten Güllemenge. Weitere Beispiele aus der zweiten Jahreshälfte 2012: 33 365 Tonnen Importgülle landeten im Kreis Wesel, im Kreis Viersen sogar 90 015 Tonnen.

80% der aus den Niederlanden exportierten Gülle gehen nach NRW. 2012 waren das fast 1,4 Mio Tonnen – gut ein Drittel mehr als im Vorjahr. Umweltminister Johannes Remmel sieht die Gülle-Düngung mit großer Sorge und hat dabei nicht nur die Importe im Blick. Die intensive Viehhaltung vor allem im Münsterland, aber auch am Niederrhein erzeugt viel mehr Mist, als die Felder dort verkraften. „Wir haben massive Probleme mit der Nitratbelastung unserer Grundwässer. Daher fordere ich den Bund jetzt auf, endlich die Novellierung der Dünge-Verordnung anzugehen, damit wir die Belastung unserer Böden durch Gülle verhindern können“, sagte Remmel der NRZ. Der Grünen-Politiker setzt Hoffnungen in die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die aus Kleve stammt. Laut Remmel müssten z. B. die Sperrzeiten für die Düngemittelausbringung im Herbst erweitert werden.