Düsseldorf

Impftermin in NRW: 116117 zum Start zusammengebrochen – Kassenärztliche Vereinigung: „Jeder wird Termin bekommen“

Die Website zur Impfterminvergabe in NRW war am Montagmorgen nicht erreichbar.
Die Website zur Impfterminvergabe in NRW war am Montagmorgen nicht erreichbar.
Foto: Funke Foto Services

Düsseldorf. Am Montag sollte die Vergabe für den Impftermin gegen Corona für alle Menschen ab 80 Jahre in NRW starten. Doch es haperte gewaltig - sowohl auf der Internetseite als auch in der Hotline.

Beide Hotline-Telefonnummern sowie die Webseite www.116117.de waren am Montagmorgen zunächst nicht erreichbar - für 8 Uhr war der Start geplant gewesen. Offenbar war der Andrang auf den Impftermin in NRW sehr groß.

Was du jetzt alles wissen musst und wie die Menschen reagieren, liest du in unserem Blog.

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Dienstag, 26. Januar

07.00 Uhr: Kassenärztliche Vereinigung: „Es sind noch Termine frei"

Wer aufgrund des Chaoses am Montag noch keinen Impftermin bekommen hat, muss sich keine Sorgen machen. „Es gibt noch Termine“, sagt eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Und: „Jeder wird einen Termin bekommen“

Am 8. Februar sollen die Impfungen für die Über-80-Jährigen beginnen - so weit Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht, wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Montag erklärte.

18.48 Uhr: NRW-Gesundheitsministerium verteidigt Vorgehen zum Impfstart

Zur Vergabe der Impftermine in NRW mussten aus Sicht des Landesgesundheitsministeriums aus Gründen der Gleichbehandlung alle Menschen ab 80 Jahren gleichermaßen einen Zugang erhalten. „Eine gestaffelte Information oder Terminvergabe innerhalb dieser Personengruppe hätte eine Reihe von Personen bevorzugt, eine andere Reihe benachteiligt. Dies hätte aus unserer Sicht den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt“, erklärte ein Sprecher am Montag.

Das Ministerium reagierte damit auf einen Bericht des Magazins „Business Insider“. Demnach hatten die Kassenärztlichen Vereinigungen das Ministerium mehrfach vor einem pauschalen Aufruf zur Terminbuchung an alle Über-80-Jährigen gewarnt. Dem Bericht zufolge sorgten sich die Organisationen vor technischen Problemen bei der Webseite und der Hotline. Bei 1,2 Millionen Berechtigten in NRW, von denen erfahrungsgemäß auch Verwandte und Bekannte anrufen, bräuchte es „epische“ Call-Center-Kapazitäten, die schlicht nicht verfügbar seien, zitierte das Magazin aus einem Brief der Vereinigungen.

Am Montag war es zum Start der Impftermin-Vergabe in NRW zeitweise zu massiven Engpässen bei den Buchungskapazitäten gekommen. Der Ministeriumssprecher ging nicht näher auf den Bericht ein. Er betonte jedoch, dass es aus Sicht des Ministeriums keine vernünftigen Kriterien gegeben hätte, nach denen Personen bevorzugt, andere dagegen benachteiligt werden könnten.

Darüber hinaus habe das Ministerium die Kassenärztlichen Vereinigungen vorab zur technischen Auslastung befragt und frühzeitig um einen sogenannten „Lasttest“ gebeten. Um die Telefonnummer 116 117 zu entlasten, seien außerdem die Telefonnummern 0800 116 117 01 (für das Rheinland) und 0800 116 117 02 (für Westfalen-Lippe) für die telefonische Terminbuchung eingerichtet worden. Die beiden Kassenärztlichen Vereinigungen äußerten sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht von „Business Insider“.

18.20 Uhr: 122.000 Impf-Termine zum Start vergeben

Trotz der massiven Probleme zum Start des Impf-Portals wurden am ersten Tag bis 17 Uhr rund 120.000 Termine in Impfzentren an Menschen ab 80 Jahren vergeben, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. Insgesamt seien 244.300 Termine vergeben worden.

Gut die Hälfte aller Termine wurde im rheinischen Teil NRWs vereinbar. Nach einer Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung wurden dort 72 Prozent der Termine online gebucht, die anderen 28 Prozent telefonisch über das Call-Center.

„Insgesamt wurde über 36 Millionen Mal heute auf unsere Online-Terminvergabe zugegriffen“, so ein Sprecher der KV Nordrhein.

16.09 Uhr: Laschet zieht positives Fazit: „Impfstart ist gelungen“

Trotz der Anlaufschwierigkeiten beim Impfstart in NRW hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein positives Fazit gezogen. „Der Impfstart ist gelungen“, sagte er am Montag in Berlin nach den ersten Online-Sitzungen der neu gewählten CDU-Spitzengremien. „Zehntausende haben heute Termine bekommen.“ Es sei aber von vornherein klar gewesen: „Wenn eine Million Menschen einen Brief bekommen und dann eine Hotline anrufen, dann kann es zu Stauungen kommen. Dann kann es auch zu technischen Problemen kommen.“

Am Anfang habe es Probleme gegeben, räumte Laschet ein. „Es muss auch nicht jeder heute anrufen, es reicht auch noch morgen oder übermorgen.“ Die Termine lägen dann im Februar - „so weit der Impfstoff dann vorhanden ist“. Beim Start der Vergabe von Impfterminen in NRW waren am Montag nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe wegen eines Ansturms von Bürgern Anmelde-Webseiten im Internet und telefonische Hotlines überlastet gewesen.

15.10 Uhr: Deutliche Kritik am „Impfchaos“ von SPD und der Stiftung Patientenschutz

Die SPD-Fraktion im NRW-Landtag hat der schwarz-gelben Landesregierung vorgeworfen, ein „Impfchaos“ angerichtet zu haben. Die Fraktion beantragte vor diesem Hintergrund eine sogenannte aktuelle Stunde im Landtagsplenum. Auf diese Weise sollten „das Parlament und die Bevölkerung zeitnah über die Fehlentwicklungen informiert und aufgeklärt werden“, teilte die größte Oppositionsfraktion im Düsseldorfer Landesparlament mit.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte einen „holprigen Start der Impfterminvergabe“. „Obwohl Nordrhein-Westfalen nicht das erste Land ist, das mit der Terminvergabe ans Netz geht, bleibt der Lerneffekt aus“, erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Selbst eine Vorregistrierung ist nicht möglich.“ Wenn NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zur Terminierung aufrufe, „darf er sich nicht wundern, wenn die Menschen dem folgen“.

14.38 Uhr: KV Nordrhein bestätigt Buchungs-Probleme

Auch am Montagnachmittag bestehen die Probleme weiterhin. Die Kassenärztliche Vereinigen Nordrhein teilt ihren Kunden mit: „Leider ist es aufgrund der erhöhten Nachfrage aktuell nicht möglich, Impftermine zu buchen. Wir arbeiten intensiv daran, den Online-Buchungsservice wiederherzustellen. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.“

14.05 Uhr: Politiker aus Essen ist fassunglos über schlechte Organisation

Kai Gehring, grüner Bundestagsabgeordneter für Essen, erklärt: „Im Dezember war die Freude über den Corona-Impfstoff groß. Umso fassungsloser macht es, dass Bundes- und Landesregierung bei der Bewältigung der Pandemie überfordert sind. Von Anfang an war klar, dass Starttag eine Masse an Terminanfragen eintreffen wird. Warum wurden keine entsprechende Kapazitäten geschaffen? Die Überlastung der Telefonleitungen und Webserver ist ein Versagen mit Ansage. Wenn man nicht weiteres Vertrauen in das Krisenmanagement verspielen will, müssen die geplanten Abläufe umgehend beschleunigt und die Serverkapazitäten hochgefahren werden. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie können wir nicht ewig durchhalten, darum brauchen wir endlich ein funktionierendes Krisenmanagement und vorausschauendes Handeln von Bund, Land und Kommunen.“

Zuvor hatte sich auch bereits die Landesvorsitzende der Grünen geäußert.

13.30 Uhr: Immer noch längere Wartezeiten bei Hotline

Aktuell scheinen die Probleme der Überlastung weniger zu werden. Zumindest ist die Website erreichbar. Bei der Hotline sind allerdings immer noch längere Wartezeiten zu verzeichnen.

12.15 Uhr: Politikerin der Grünen sieht Start als „Voll-Katastrophe“

Die Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Grünen, Mona Neubaur, sieht den Start der Terminvergabe für Corona-Impfungen als „Voll-Katastrophe“. Jetzt müsse dringend nachgesteuert werden, damit ausreichend Server-Kapazitäten zur Verfügung stünden, forderte Neubaur am Montag in Düsseldorf.

Neubaur forderte, alten Menschen auch die Möglichkeit zu bieten, sich beim Hausarzt impfen zu lassen. Dies würde ihnen mehr Sicherheit und Vertrauen geben, betonte die Grüne. Schließlich habe der Pharma-Hersteller Biontech kürzlich darüber informiert, dass sein Impfstoff durchaus innerhalb einiger Stunden verwendet werden könne, auch wenn es in dieser kurzen Zeitspanne keine Kühlung bei minus 70 Grad gebe. Dann könnten etwa „Impf-Nachmittag“ bei Hausärzten angeboten werden, statt zentrale Impfzentren derzeit wie „Waschstraßen ungenutzt und von den Kommunen bezahlt vorzuhalten“, sagte Neubaur.

Wenn sich wegen der Lieferschwierigkeiten der Pharma-Hersteller die Hoffnung auf zügiges Impfen nicht erfülle, müsse jetzt offen gesagt werden, wo nicht seriös mit Lockerungen gerechnet werden könne, beziehungsweise wo Schutzmaßnahmen mit Blick auf die gefährlicheren Coronavirus-Mutanten sogar noch zu verstärken seien.

09.30 Uhr: Stadt Hagen mit wichtigem Hinweis

Viele Impfzentren weisen außerdem darauf hin, dass die Termine ausschließlich online vergeben werden.

Die Stadt Hagen schreibt beispielsweise: „Hagenerinnen und Hagener über 80 Jahren können ab heute telefonisch oder online einen Termin für die Coronaschutzimpfung vereinbaren. Die Stadt Hagen weist an dieser Stelle noch einmal explizit darauf hin, dass die Terminvergabe NICHT im Impfzentrum in der Stadthalle, Wasserloses Tal 2, erfolgt. In einem persönlichen Schreiben hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die über 80-jährigen Hagenerinnen und Hagener über dem Impfstart und die Möglichkeiten der Terminvereinbarung informiert. Dieses Schreiben wurde von einigen Bürgerinnen und Bürgern missverstanden und veranlasste sie, am Montagmorgen direkt das Impfzentrum zur Terminvergabe aufzusuchen. Eine Terminvergabe vor Ort ist nicht möglich.“

08.00 Uhr: Website für Impftermine nicht erreichbar

Das Gesundheitsministerium hat empfohlen, die beiden Termine für die Erst- und Zweitimpfung im Internet unter der Adresse www.116117.de zu vereinbaren.

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Außerdem gibt es eine Telefon-Hotline, die von 8 Uhr bis 22 Uhr besetzt sein sollen: Wer im rheinischen Teil von NRW lebt, soll die kostenfreie Rufnummer 0800/11611701 wählen, Menschen in Westfalen die ebenfalls kostenfreie Rufnummer 0800/11611702.

Das Problem: Beides ist aktuell nicht erreichbar. Die Website ist down, die Hotline restlos belegt. Zuvor hatte das Gesundheitsministerium gewarnt, dass es zu Wartezeiten kommen könne, sowohl im Internet als auch telefonisch.

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Andrang auf Impftermin in NRW ist am Montag groß

Alle ab 80 Jahren sollen ab dem 8. Februar in Impfzentren geimpft werden, hierfür ist ein Termin notwendig. Die Verabreichung des Vakzins ist freiwillig und kostenlos. In NRW leben rund 1,2 Millionen Menschen, die 80 Jahre alt oder älter sind.

Man müsse Geduld haben, aber man solle beruhigt sein: Jeder Berechtigte werde einen Impftermin bekommen. (fb/dpa)

 
 

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