Hooligans planen weitere Aktionen gegen Salafisten

"Hooligans gegen Salafisten" haben am Wochenende in Essen für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt.
"Hooligans gegen Salafisten" haben am Wochenende in Essen für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt.
Foto: Sebastian Konopka, WAZ FotoPool
Ihr Hobby ist Prügeln, meist unter ihresgleichen und im Zusammenhang mit Fußballspielen. Doch jetzt vereinen sich Hooligans gegen einen gemeinsamen Gegner: Salafisten. Erstmals trafen sie sich im Ruhrgebiet. Beobachter sprechen von einem noch neuen Phänomen - das man nicht unterschätzen sollte.

Essen. Sie sollten sich "am besten in schwarz" kleiden und möglichst "auf Flaggen und Banner von euren Clubs" verzichten. Auch Parolen sollten sie nicht skandieren und "Bengalos zünden, Bierflaschen ziellos rumwerfen". Weil das "dem Staatsschutz ein Dorn im Auge sein könnte": Die etwa 80 bis 100 Männer und Frauen, die sich am Sonntagnachmittag in der Essener Innenstadt versammelt hatten, sollten nicht mit den Behörden anecken, dennoch aber ein Zeichen setzen: gegen gewaltbereite Islamisten. "Hooligans gegen Salafisten" nennt sich die Gruppe. Erstmals versammelte sie sich jetzt im Ruhrgebiet. Experten sind sich einig: Es könnte der Auftakt gewesen sein, für eine "Eskalationsspirale".

"Da nutzt eine Seite die andere Seite, zur Legitimierung ihres gewaltorientierten Handelns", sagt Alexander Häusler, Mitarbeiter beim Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus an der Fachhochschule Düsseldorf. "Das könnte ein gefährliches Ausmaß annehmen", meint Häusler - "je nachdem, wer von Seiten rechtsextremistischer Gruppen noch auf den Zug springt".

Kampfgemeinschaft eigentlich verfeindeter Gruppen

Dass die Aktion aus der rechtsgerichteten Hooligan-Szene beeinflusst ist, ist für Beobachter eindeutig: "Ein Blick auf deren Facebook-Seite offenbart nicht nur offen rechte und rassistische Kommentare, sondern zudem Grafiken von Propagandaplakaten der NPD und der FPÖ", sagt Alexander Häusler. Mitwirkende wiederum weisen Solche Vorwürfe zurück: "Wir sind nicht rechtsextrem, wir wollen uns nur wehren".

Unzweifelhaft ist zudem, dass der Großteil der Mitwirkenden tatsächlich zum Spektrum gewaltbereiter Fußball-Anhänger gehört, teilt die Polizei mit. In der Hooligan-Szene wiederum sehen Beobachter keinen Widerspruch darin, dass "Hooligans gegen Salafisten" sich den Leitspruch geben "In den Farben getrennt, doch im Hass vereint". Fan-Forscher Gunter A. Pilz von der Leibniz-Hochschule in Hannover sieht als Grund einen psychologischen Effekt: "Verfeindete Gruppen können temporär eine Kampfgemeinschaft bilden". Auch in der Hooligan-Szene gesteht man eine "Schizophrenie" ein: "Es ist bei uns kein Problem, sich am Wochenende gegenseitig zu prügeln und in der Woche dann gemeinsam zum Länderspiel zu fahren".

Kampf gegen Salafisten als Deckmantel

Die Strategie ist indes aus Sicht von Pilz "ein geschickter Schachzug". Pilz sieht die "Hooligans gegen Salafisten" deutlich von der Nazi-Hool-Szene beeinflusst, die seit zwei bis drei Jahren, bundesweit organisiert in der Gruppe "GnuHonnters", in den Fußball-Stadien um die politische Vormacht unter den Fan-Gruppen kämpft. Mit dem Auftreten als Salafisten-Gegner sei indes "eine neue Dimension erreicht": "Da wird mit rechtsstaatlichen Mitteln versucht, gegen einen verfassungsfeindlich gesinnten Gegner eigene verfassungsfeindliche Ziele zu erreichen"; den Widerstand gegen Salafisten wertet Pilz als "Deckmantel".

Unterdessen mahnt Forscher Alexander Häusler, das Phänomen nicht zu dramatisieren: Es deute nichts darauf hin, dass die Gruppe, die sich über Facebook organisiert, derzeit voll von Rechtsextremisten gesteuert würde. Gleichwohl zeige sich, dass die Facebook-Gruppe in der rechten Szene sehr gut vernetzt sei, sagt Häusler. Wie breit die Unterstützung auch aus anderen gesellschaftlichen Gruppen wächst, die Rechtsextremismus eigentlich ablehnen, hänge auch davon ab, wie stark sich die "Hooligans gegen Salafisten" weiter in der Öffentlichkeit zeigten.

Aus Teilnehmerkreisen jedenfalls heißt es, dass es weitere Treffen geben soll. Man wolle sich wohl auch eine organisierte Struktur geben, sagt ein Aktivist aus Herne, der seinen Namen nicht nennen mag. In der Facebook-Gruppe kursiert bereits ein Vorschlag für einen nächsten Termin: "In vier Wochen". (dae/WE)