Höflicher Dieb bekam Ärger mit seiner Mutter

Essen.  Die Diebe kommen in der Zeit zwischen 14 und 18 Uhr. Meistens. So steht es in der Polizeistatistik. Mehr als 60 000 Einbrüche registrierten die Behörden in NRW im vergangenen Jahr. Hinter der Statistik verbergen sich Einzelschicksale, bisweilen recht kuriose – so wie der Einbruch eines 23-jährigen Griechen in ein Mietshaus in Essen.

„Da sind so komische Geräusche auf dem Dachboden!“ Die 16-Jährige aus dem 2. Stock rief aufgeregt bei dem Studenten aus der 1. Etage an. Gemeinsam sahen sie nach dem Rechten – und überraschten am Aschermittwoch um 15 Uhr den 23-Jährigen auf dem Speicher. Er war unbemerkt ins Treppenhaus gelangt, nachdem ein Paketbote das Gebäude verlassen hatte.

Der offensichtlich unter Drogen stehende Mann hatte auf der Suche nach Wertvollem die Kartons mit Weihnachtsschmuck und Karnevalskostümen ausgekippt. In einem Koffer hatte er einige Beutestücke eingesammelt: Modeschmuck, Winterstiefel, Mäntel, etwas Werkzeug... „Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihnen Unannehmlichkeiten bereite“, sagte der Ertappte zu dem Studenten und dem Mädchen. „Ich brauche Geld.“ Kein Fluchtversuch. Er wartete geduldig, bis die herbeigerufene Polizei erschien. „Darf ich noch mal meine Mutter anrufen“, fragte der Grieche, kurz bevor die Streifenwagen eintrafen. Er durfte. „Ich habe sein Griechisch nicht verstanden“, erzählte der 24-jährige Student nachher. „Aber die Standpauke der Mutter war durchs Handy quer über den Dachboden zu hören.“

Dann klickten die Handschellen. Der Dieb stand noch am Streifenwagen, als es leicht zu regnen anfing. Nass werden wollte der 23-Jährige nicht. „Dürfte ich schon mal einsteigen“, fragte er die Polizisten. Ein höflicher Dieb. Später fand sich auf dem Dachboden sein Messer. Aber da war der Grieche schon längst wieder auf freiem Fuß.

 
 

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