„Hilfsbereitschaft bei den Bürgern ist riesig“

Ingo Blazejewskiund Holger Dumke

Duisburg.  Kommen Flüchtlinge – und wenn ja, wie viele? Die Stadt Duisburg plant nur noch von Tag zu Tag. „Machen wir uns nichts vor – sobald hier drei Busse mit Asylbewerbern vorfahren, ist die Zeltstadt voll“, sagte Sozialdezernent Reinhold Spaniel (SPD). Was aber neu ist: Stadt, Bürger, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und die Bezirksregierung arbeiten endlich mit vereinten Kräften daran, das allgemein als „würdelos“ empfundene Unterbringen von Asylbewerbern in Zelten zu vermeiden.

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) hat für heute zum Runden Tisch gebeten, Ergebnis offen. Vertreter von Bürgern aus dem Stadtteil Walsum kommen jedenfalls nicht mit leeren Händen. Bis zu 80 Personen könnten in leeren Wohnungen und Häusern der beiden Kirchen Unterkunft finden, erklärte der evangelische Pfarrer Heiko Dringenberg. Bezirksvizebürgermeister Franz Tews ist zudem mit einem Energieversorger im Gespräch, um Wohncontainer von Kraftwerksarbeitern nahe der früheren Zeche nutzen zu können. Zudem wollen viele Bürger Kleidung, Spielzeug und anderes spenden: „Bei uns im Pfarrheim stapeln sich schon die Pakete“, berichtete Dringenberg der NRZ. Die Hilfsbereitschaft sei riesig; groß sei auch die Empörung über die beabsichtigte Unterbringung von Flüchtlingen in Zelten: „Jeder hier in Walsum kennt den Sportplatz. Bei Regen wird das ein Matschloch.“

Die Stadt arbeitet nach eigenem Bekunden weiter „mit Hochdruck“ an alternativen Unterbringungen für die Asylbewerber. Die Heime in Duisburg sind voll; Sozialdezernent Reinhold Spaniel hat bereits 230 Wohnungen in der Stadt beschlagnahmt, dort die Hälfte der rund 1600 Flüchtlinge untergebracht. „Es ist das einzige Instrument, das ich derzeit noch habe“, sagte Spaniel der NRZ. Derzeit lässt der Sozialdezernent die Nutzung von weiteren vier leeren Schulen prüfen. Doch auch das braucht Zeit, selbst wenn es keine Probleme mit Brandschutzmängeln und fehlenden Fluchtwegen gibt: Eine Grundschule wird derzeit als Notlösung umgebaut, steht aber erst ab Oktober zur Verfügung.

Die Schulen könnten dennoch als Kurzfrist-Lösung dienen, um den Winter zu überbrücken. Hinter den Kulissen wird allerdings um eine große Lösung gerungen: Duisburg bemüht sich um eine landesweite Asyl-Großunterkunft, im Gespräch ist immer wieder das seit anderthalb Jahren leer stehende Barbara-Hospital. Das ist offenbar auch Thema in den Gesprächen mit der Bezirksregierung. Deren Sprecher wollte sich gestern auf NRZ-Nachfrage nicht dazu äußern. Er betonte, dass man die „besondere Lage“ der hoch verschuldeten Stadt anerkenne, auf deren Wohnungsmarkt Tausende Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien drängen. Duisburg werde aber auch weiter Flüchtlinge aufnehmen müssen.