Hartz 4 in NRW: Schüler sitzt mitten im Unterricht – plötzlich schlägt das Jobcenter zu

Hartz 4: Ein Schüler soll in Wuppertal (NRW) vor aller Augen aus dem Unterricht genommen worden sein, weil eine Jobcenter-Mitarbeiterin ein Einzelgespräch führen wollte. (Symbolfoto)
Hartz 4: Ein Schüler soll in Wuppertal (NRW) vor aller Augen aus dem Unterricht genommen worden sein, weil eine Jobcenter-Mitarbeiterin ein Einzelgespräch führen wollte. (Symbolfoto)
Foto: imago images / photothek

Diese Geschichte aus NRW liest sich wie ein schrecklicher Hartz 4-Albtraum...

Man stelle sich vor, man sitzt grad in der Schule, mitten im Unterricht. Plötzlich klopft es an der Tür, der Unterricht wird unterbrochen, die Tür geöffnet. Eine Mitarbeiterin vom Jobcenter tritt herein, nennt einen Namen – und holt den Schüler vor den Augen des Lehrers und der tuschelnden Mitschüler einfach aus dem Unterricht!

Hartz 4 in NRW: Schüler sitzt im Unterricht – plötzlich schlägt das Jobcenter zu

Genau DAS soll vor wenigen Monaten in Wuppertal (NRW) passiert sein. Von diesem unfassbaren Vorfall berichtet die Anwaltskanzlei „rightmart Rechtsanwälte“ aus Bremen. Die Kanzlei habe eine Mail von Hartz 4-Empfängerin Maria T.* (Name geändert) erhalten, in der sie schildert, wie ihrem Sohn Robin* böse mitgespielt worden ist.

In der Mail heißt es: „Er wurde gegen seinen Willen aus der Englischstunde zu einem Einzelgespräch mit einer Dame vom Jobcenter Wuppertal gezwungen. Robin sagte mehrfach, dass er kein Einzelgespräch machen wolle, aber die Dame vom Jobcenter sagte dann zu ihm, dass er es müsse, da seine Eltern ja Kunden seien und er verpflichtet ist, mitzumachen. Sonst gäbe es Sanktionen.“

Jobcenter soll verlangt haben, eine Ausbildung statt das Abitur zu machen

Der Anlass des Gesprächs: Die Jobcenter-Sachbearbeiterin habe Robin aufgefordert, nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zu beginnen – obwohl Robin lieber das Abitur machen würde, um später studieren zu können. Seine Mutter schreibt dazu, dass das Vorgehen in Wuppertal „gang und gäbe“ wäre. Die angeschriebene Anwaltskanzlei „rightmart Rechtsanwälte“ hält dieses Vorgehen für illegal.

+++Corona in NRW: Kommt jetzt das Böller-Verbot an Silvester? ++ In zwei Ruhrpott-Städte besonders kritische Zahlen+++

Die Kanzlei teilt gegenüber DER WESTEN mit: „Jeder Mensch, auch diejenigen, die von Sozialleistungen wie Hartz 4 abhängig sind, haben ein Recht auf Bildung. Dabei darf es keinen Unterschied geben, ob jemand finanziell besser gestellt ist oder nicht. So steht es auch in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.“

----------------------

Das ist „Hartz 4“:

  • „Hartz 4“ heißt eigentlich Arbeitslosengeld II (ALG II)
  • Es wurde zum 1. Januar 2005 eingeführt
  • Es ist die Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch
  • Es soll Leistungsberechtigten ermöglichen, ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht
  • Allerdings kann es durch zulässige Sanktionen gekürzt oder ganz gestrichen werden - Kritiker sagen: Das ist menschenunwürdig
  • Die gesetzliche Grundlage für das ALG II bildet das Zweite Buch Sozialgesetzbuch

----------------------

Und weiter: „Zudem sind minderjährige Kinder mit Hartz 4-Bezug in keinem Fall dazu verpflichtet, für das Jobcenter den Unterricht zu versäumen. Schon gar nicht darf das Jobcenter damit drohen, ansonsten Sanktionen gegen das Kind oder die Eltern auszuüben. Nach unserer Auffassung darf die Schule dem Jobcenter solche Befugnisse nicht einräumen.“

Es werde zudem auch der Datenschutz verletzt. Die Kanzlei: „Der Sohn ist vor den Augen seiner ganzen Schulklasse, die es eigentlich nichts angeht, ob seine Familie auf Jobcenter-Leistungen angewiesen ist, aus dem Unterricht geholt worden.“ Jetzt prüft man weitere rechtliche Schritte.

----------------------

Mehr News aus NRW:

++ A3 in Köln: Betonplatte fällt auf Autobahn und begräbt Wagen unter sich – Fahrerin sofort tot ++

++ Köln: Kirche hält Untersuchung wegen sexuellen Missbrauchs zurück – Jugendliche attackieren Erzbischof ++

----------------------

Jobcenter dementiert Vorfall: „Trifft nicht zu“

Kann das wirklich sein? Holt das Jobcenter Kinder von Hartz 4-Empfängern aus dem Unterricht, um mit ihnen Einzelgespräche in Abwesenheit ihrer Eltern zu führen? DER WESTEN hat das Jobcenter Wuppertal mit den Vorwürfen konfrontiert.

Andreas Kletzander, Vorstand für Arbeitsmarkt und Kommunikation, erklärt: „Es ist unser primäres Ziel, mit den Jugendlichen eine realistische Berufsorientierung zu entwickeln. Außerdem möchten wir die Schüler bei der rechtzeitigen Entwicklung eines 'Plan B' unterstützen. Die Schüler nehmen die Schulsprechstunden auf freiwilliger Basis wahr. Es trifft also nicht zu, dass Mitarbeitende des Jobcenters Wuppertal einfach einen oder mehrere Schüler aus dem 'Unterricht mitgenommen' haben. Vielmehr verstehen wir uns als Beratungsdienstleister, damit eine rechtzeitige Berufswegeplanung gewährleistet wird.“

Auch sei es falsch, dass das Jobcenter Kindern von Hartz 4-Empfängern pauschal rate, eine Lehre zu beginnen statt zu studieren. Kletzander weiter: „Die Jobcenter-Mitarbeitenden betrachten alle Schüler individuell und erarbeiten mit den Jugendlichen eine Berufswegeplanung vor dem Hintergrund ihrer Potentiale, Interessen und Ressourcen. Der Status der Leistungsberechtigung spielt selbstverständlich keine Rolle, wenn mit den Jugendlichen die berufliche Orientierung besprochen wird.“

----------------------

Weitere Top-Themen:

++ FDP-Jugend will Inzest erlauben – und schreibt „an alle, die glauben, wir würden uns schämen“ ++

++ McDonalds: Frau will in ihren BigMac beißen – plötzlich findet sie DAS in ihrem Burger ++

++ Queen Elizabeth II.: Große Ankündigung zu ihrem 70. Thronjubiläum – „Es wird ein historischer Moment“ ++

----------------------

Es steht also Aussage gegen Aussage. Mittendrin: Robin. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass er letztlich das machen darf und wird, was er auch will...

 
 

EURE FAVORITEN