Hartes Ringen um die NRW-Gartenschau im Jahr 2020

Gabi Gies und Holger Dumke
530 000 Besucher lockte die Gartenschau 2014 ins rheinische Zülpich. Wer bekommt für 2020 denZuschlag.
530 000 Besucher lockte die Gartenschau 2014 ins rheinische Zülpich. Wer bekommt für 2020 denZuschlag.
Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool
Kamp-Lintfort, mehrere Emscher-Städte und Bad Honnef planen Bewerbungen. Fördermillionen vom Land sollen den Städtebau voranbringen

An Rhein und Ruhr. Wer derzeit in Kamp-Lintfort unterwegs ist, könnte meinen, die junge Hochschulstadt hat das Rennen bereits gemacht: Der Bäcker verlost Brötchen für ein Landesgartenschau-Gewinnspiel, „Laga“-T-Shirts gehen weg wie warme Semmeln, und den Gartenschau-Song gibt es sogar als Klingelton. Was aber ist, wenn mit dem mittleren Emschertal oder Bad Honnef am Ende einer der mindestens zwei Mitbewerber das Rennen um die Landesgartenschau 2020 macht? „Das ist eine hypothetische Frage. Wir liegen gut im Rennen“, gibt sich Bürgermeister Christoph Landscheidt vor Ablauf der Bewerbungsfrist am 1. September selbstbewusst.

Es geht um mehr als Blümchen gucken und Bäumchen pflanzen – bei einer Landesgartenschau geht es vor allem um Geld für Strukturentwicklung. Und das hat Kamp-Lintfort, das mitten in der Stadt nach dem Ende der Bergbauära eine 40 Hektar große Industriebrache entwickeln muss, dringend nötig. „Die Gartenschau wäre für uns einer der wichtigsten Motoren für eine langfristige Stadtentwicklung“, sagt Landscheidt (SPD).

Dafür hat sich die Stadt mächtig ins Zeug gelegt. 2008 wurde die Idee in Kamp-Lintfort geboren, drei Jahre später die Machbarkeitsstudie entwickelt. Seit Jahresbeginn wird mit Hochdruck und großem Bürgerengagement an der Bewerbung gearbeitet. Die Planer gehen von 16 Mio Euro für den Bau und weiteren neun Millionen für die Durchführung aus. Das vorgesehene Gelände umfasst die historischen Wurzeln der Stadt – Kloster Kamp und Bergwerk West – und birgt in seiner Mitte mit dem Campus der Hochschule Rhein-Waal die Zukunft. Motto der Bewerbung: „Kloster – Kohle – Campus“.

Strukturwandel soll erlebbar werden

Für die Bürger ist der Wandel in Kamp-Lintfort, das sich nach dem Ende des Bergbaus und den Standortpleiten von Siemens und BenQ von vielen Tiefschlägen immer wieder aufrappeln musste, dank vieler kluger Weichenstellungen längst sicht- und greifbar. Das veraltete Image der unattraktiven, rußgeschwärzten Zechenstadt hängt der Stadt nach außen hin trotzdem noch nach. Die Gartenschau könnte beim überfälligen Aufpolieren helfen – und Investoren locken. . .

Wohlgemerkt: könnte. Entschieden ist noch nichts (siehe Box), die 40 000-Einwohner-Stadt am Niederrhein hat nicht minder selbstbewusste Konkurrenz. Schon wenige Kilometer weiter, am Nordrand des Ruhrgebiets, überlegen die Städte Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne und Herten, den Abschluss des großen Emscherumbaus mit der Landesgartenschau im Jahr 2020 zu feiern. Eine Bewerbung und die notwendigen Ratsbeschlüsse sind in Vorbereitung. „Das wäre eine einmalige Chance“, schwärmt auch Ilias Abawi von der Emschergenossenschaft.

Die Schau wäre der Schlusspunkt für den 4,5 Mrd Euro teuren und 28 Jahre währenden Umbau der einstigen Abwasserkloake Emscher. Unter dem Titel „Emscherland 2020“ sieht das Konzept die Gartenausstellung auf 18 Kilometern Länge als grünes Band entlang des Flusses. Kalkuliert mit Bau- und Planungskosten von mindestens 22 und höchstens 50 Mio Euro (je nach Planung), zuzüglich 17 Mio für die Durchführung. Zentraler Veranstaltungsort wäre das „Wasserkreuz“ in Castrop-Rauxel, wo die Emscher den Rhein-Herne-Kanal unterquert.

Ideen gibt es viele. Die Emschergenossenschaft etwa möchte über einen Schacht den jetzt in Bau befindlichen Abwasserkanal erlebbar machen. Schrebergartenkultur soll breiten Raum finden, gedacht ist auch an einen Aktiv-Park. Die Planer wollen den Strukturwandel im Ruhrgebiet veranschaulichen und setzen auf eine Strahlkraft weit über die vier Städte hinaus.

Und dann ist auch noch: Bad Honnef. Der Stadtrat der 25 300-Einwohner-Kommune im Rhein-Sieg-Kreis hat vor wenigen Tagen grünes Licht für die Bewerbung gegeben. Die Kurstadt kann mit alten Villen, Grün und Rhein-Romantik auftrumpfen. Die Planer haben einen klassischen Stadtentwicklungsansatz gewählt, wollen die City mit dem Rhein verbinden. Zentrales Moment ist dafür die Schaffung eines Uferparks. Kalkuliert wird mit Kosten von 23 Mio Euro für die Planung und 9,6 Mio für die Durchführung. Weil Bonn, Königswinter und der Drachenfels in der Nähe sind, sehen die Planer ein enormes touristisches Potenzial.

Gestichelt wird auch: Laut einem Bericht des Bonner Generalanzeigers sieht der Autor der Machbarkeitsstudie für Bad Honnef die Kurstadt bei der Städtebauförderung am Zuge. Andere Gartenschaubewerber hätten bereits reichlich Geld erhalten.