Dortmund

Hannibal-Evakuierung: So leiden die Mieter unter der Hochhaus-Räumung in Dortmund

Der "Hannibal"-Komplex in Dortmund wird geräumt.
Der "Hannibal"-Komplex in Dortmund wird geräumt.
Foto: Screenshot Google Earth Pro
  • In Dortmund wurde am Donnerstag der Hannibal-Hochhauskomplex geräumt
  • Grund dafür waren Bedenken wegen des mangelhaften Brandschutzes
  • So geht es den Mietern

Dortmund. Seine Meinung steht fest. "Das ist doch nur ein Vorwand. Die Stadt will das Haus eh schließen", sagt der 46-Jährige. Seine Tochter ist Mieterin im Hannibal. Um sie macht er sich Sorgen. Sie ist einer von 800 Menschen, die am Donnerstagabend das Gebäude verlassen mussten. "Ich suche für sie jetzt eine Wohnung", sagt der Vater der 25-Jährigen.

Frau ist schwanger, Kinder gehen in Nachbarschaft zur Schule

Für andere ist die Lage verzweifelter. "Ich kann hier nicht weg. Meine Kinder gehen hier in der Nachbarschaft zur Schule. Meine Frau ist schwanger. Was soll heute Abend aus uns werden?", fragt der Mann. Die Stadt hat den Bewohnern als Notunterkunft eine große Leichtathletik-Halle angeboten. Dort, im Schatten von Westfalenhalle und Stadion von Borussia Dortmund, sollen Menschen und Haustiere die nächsten Nächte verbringen. "Meine Frau ist als Schwangere aber in einer besonderen Situation. Noch weiß ich aber nicht, ob die Stadt uns eine andere Lösung als die Sporthalle anbietet", sagt der Mieter und schaut sich um.

Nicht gerade ein Prunkstück der Gegend

Im Schatten des Hochhauskomplexes steht die Feuerwehr, das Ordnungsamt und die Polizei. Der ganze Bereich im Stadtteil Dorstfeld ist abgeriegelt. Die ersten Mieter haben sich mit Koffern und Pflanzen auf den Weg gemacht. Andere warten noch in ihren Wohnungen. Das Hochhaus, unten Tiefgarage, oben leicht in Stufen versetzte Betonplatten, liegt zwischen der Dortmunder Innenstadt und der Bundesstraße 1. Die teilt hier das Ruhrgebiet als A40 in Süd und Nord. Südlich der Straße liegt hier die Universität, nördlich davon das Wohngebiet. Das Hannibalhochhaus ist nicht gerade das Prunkstück der Gegend.

Zur Not kommt der Schlüsseldienst

"Was passiert, wenn wir nicht gehen?", fragt einer die Frau vom Ordnungsamt? Die Vertreterin der Stadt in gelber Warnweste behält die Ruhe. In der Hand hält sie eine Liste. Wer gegangen ist, meldet sich bei ihr ab. "Zur Not müssen wir mit dem Schlüsseldienst die Wohnungen öffnen. Aber nur dann, wenn wir das Gefühl haben, dass sich da jemand versteckt", sagt die Frau. Die Mieter auf dem Rasen vor dem Gebäude hören ihr zu. Alle wünschen sich mehr Infos von der Stadt. Vorwürfe aber gibt es nicht. Die Stimmen im Schatten des Gebäudes sind vielsprachig. Hier leben viele Nationen unter einem Dach.

Vertreter des Mietervereins beruhigt die Mieter

Um den Vertreter vom Dortmunder Mieterverein bildet sich eine große Menschentraube: "Auch wir haben bis 16.30 Uhr nichts gewusst", sagt Geschäftsführer Rainer Stücker den Menschen. "Das ist natürlich blöd für Sie, dass niemand sagen kann, wie lange das jetzt dauert". Stücker beruhigt, kann aber nur weitergeben, was er kurz zuvor von der Stadt erfahren hat.

Der Hochhauskomplex musste nach Einschätzung der Stadt wegen Brandgefahr geräumt werden. Nachdem der Berliner Eigentümer die Anlage baulich verändern ließ, ist die Brandschutzgenehmigung erloschen. (dpa)

 
 

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