Hambacher Forst: RWE lehnt Millionen-Angebot eiskalt ab - doch Berliner Unternehmen will Wald unbedingt kaufen

Hambacher Forst: Seit Jahren protestieren Aktivisten gegen die Abholzung durch RWE.
Hambacher Forst: Seit Jahren protestieren Aktivisten gegen die Abholzung durch RWE.
Foto: dpa

Köln. Sie meinen es wirklich ernst bei Ecosia: Für eine Million Euro will der Berliner Betreiber einer Suchmaschine dem Energiekonzern RWE das letzte noch verbliebene Stück des Hambacher Forsts abkaufen.

Für einen Energieriesen wie RWE sind eine Million Euro im Gegenwert für solch ein Grundstück mutmaßlich Peanuts. Denn der Wald im Forst interessiert RWE nicht die Bohne: Der Konzern will an die Braunkohle darunter.

Groben Schätzungen zufolge ist der Hambacher Forst wegen der Kohlevorkommen einen dreistelligen Millionenbetrag wert. Doch die Offerte von Ecosia ist keine symbolische Geste - das Unternehmen will den Wald unbedingt haben. „Das ist ernst gemeint. Eine Million Euro ist für uns viel Geld, das zahlen wir nicht aus der Portokasse“, so Jacey Bingler von Ecosia.

Die Höhe des Angebots ergebe sich unter anderem aus dem Kaufpreis, den die inzwischen in RWE aufgegangene Rheinbraun AG in den 70er Jahren für den Wald gezahlt hat: Umgerechnet 500.000 Euro.

Hambacher Forst: RWE kommentiert Angebot nicht

RWE lässt Ecosia indes abblitzen. „Das Angebot kommentieren wir nicht und werden darauf auch nicht reagieren. Das Angebot spricht für sich selbst. Aus unserer Sicht ist dazu alles gesagt“, so ein RWE-Sprecher gegenüber DER WESTEN.

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Aus Sicht von Ecosia ist noch nicht alles gesagt. „Wir legen RWE ein neues Angebot vor und fragen, zu welchem Preis der Konzern bereit ist, zu verkaufen“, so Bingler.

Öko-Aktivisten protestieren seit Jahren

Woher nimmt Ecosia das Geld? „Die Suchmaschine finanziert sich aus Werbeeinnahmen. 80 Prozent von dem. was nach der Deckung laufender Kosten übrig bleibt, investieren wir in die Pflanzung von Bäumen. Mit dem Rest bilden wir Rücklagen“, erklärt Jacey Bingler.

Der Plan von Ecosia: Sobald RWE eine Verkaufssumme nennt, steigen andere Unternehmen mit ein und unterstützen den Kauf des Hambacher Forsts.

Ecosia-Chef Christian Kroll schreibt in seiner Offerte an RWE: „Wir denken, dass so ein fairer Interessenausgleich zwischen RWE und der Bevölkerung gefunden werden kann, und verpflichten uns mit dem Kauf der Fläche, die ökologischen und gesellschaftlichen Interessen gemeinsam mit Organisationen zu verfolgen, die sich für den Schutz des Forsts eingesetzt haben und sich dem Naturschutz widmen.“

Seit Jahren protestieren Umweltschützer gegen die Abholzung des noch verbliebenen Waldstückes: einen großen Teil der 200 Hektar will RWE roden lassen. Der Konflikt zwischen Öko-Aktivisten und RWE hatte sich in den vergangenen Monaten immer mehr zugespitzt.

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Rodung im Hambacher Forst gestoppt

Die Rodungsarbeiten im Hambacher Forst liegen derweil komplett auf Eis. Zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster einen Rodungsstopp verfügt: Die Richter entsprachen damit einem Antrag des Umweltverbandes BUND.

Laut dem BUND muss das Waldschutz geschützt werden, weil hier die seltene Bechsteinfledermaus lebe. Die Rodung müsse vorerst gestoppt werden, damit das OVG den Antrag hinreichend prüfen könne, so das Gericht.

Falls die Rodung gänzlich untersagt wird, ist das Grundstück bei weitem nicht mehr so viel wert wie jetzt. „Dann könnte RWE gern auf das Angebot zurückkommen. Auch, um vielleicht in der öffentlichen Warnehmung Punkte zu sammeln“, sagt Jacey Bingler.

 
 

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