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Gruppenvergewaltigungen in NRW: Ein gefährlicher Trend?

Steigt die Zahl der Gruppenvergewaltigungen in NRW? Und werden die Täter immer jünger?
Steigt die Zahl der Gruppenvergewaltigungen in NRW? Und werden die Täter immer jünger?
Foto: imago images / photothek

Essen. Sie sind männlich, extrem jung, haben einen Migrationshintergrund und treten als Gruppe auf. Ihre Opfer: Zumeist junge Frauen oder Mädchen, nicht älter als 18 Jahre.

Allein in NRW haben im vergangenen und in diesem Jahr fünf Gruppenvergewaltigungen für große Aufregung gesorgt.

Eine kurze Chronologie:

  • Essen: Fünf jüngere Männer locken Schülerinnen auf perfide Weise in ihr Auto, fahren an entlegene Orte und zwingen sie unter Androhung von Gewalt zu Sex. Sie werden zu vier bis sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Vor Gericht berichten die Angeklagten, dass die „Sinti-Strafe“ höher wiegt als die Verurteilung durch das Gericht.
  • Velbert: Nach einem Freibad-Aufenthalt fallen acht Jugendliche zwischen 14 bis 17 Jahren über eine 13-Jährige her. Sie zerren das Mädchen in ein Waldstück, missbrauchen es sexuell und filmen die Tat. Zwei Verdächtige setzten sich später zwischenzeitig nach Bulgarien ab. Das Wuppertaler Landgericht verhängte bis zu vier Jahre und neun Monate Haft.
  • Düsseldorf/Krefeld: Sie stellen sich als „Jamal“, „Sammy“, „Momo“, „Memo“ oder „Bilal“ vor. Sie betäuben Frauen in der Düsseldorfer Altstadt mit K.o.-Tropfen und sollen sie später in einer Krefelder Wohnung vergewaltigt haben. Ein Opfer hat sich bereits an die Polizei gewandt, die Ermittlungen dauern an. Alle Mitglieder des Quartetts haben Migrationshintergrund.
  • Mülheim: Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahre sollen über eine Frau hergefallen sein und sie in einem Gebüsch vergewaltigt haben. Alle fünf stammen aus Bulgarien und sind wohnhaft in Mülheim. Ein Verdächtiger 14-Jähriger saß zwischenzeitig in Untersuchungshaft. Auch hier laufen die Ermittlungen der Polizei noch.
  • Kreuztal: Sechs oder sieben Männer stellen einer Frau (27) nach, versuchen sie auszuziehen und zu vergewaltigen. Sie wehrt sich heftig und lautstark - schließlich lassen die Männer zwischen 20 und 30 Jahren von ihr ab und flüchten.

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• Hier alle Fälle zum Nachlesen:

Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet: Drei der fünf Verurteilten sind wieder auf freiem Fuß – das ist der Grund

Urteil nach schockierender Gruppenvergewaltigung in Velbert: Täter müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis

Düsseldorf: Gruppenvergewaltigung von junger Duisburgerin – Vorgehen der Männer ist schockierend

Nach Gruppenvergewaltigung in Mülheim: Nachbarin des Anführers (14): „Ich habe Angst“

NRW: Männergruppe stellt junger Frau nach – Polizei sucht mit diesen Bildern nach mutmaßlichen Vergewaltigern

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Steigt die Anzahl der Gruppenvergewaltigungen in NRW?

Bereits seit 1970 werden sogenannte „Vergewaltigung / sex. Nötigung durch Gruppen“ in der Kriminalstatistik (PKS) des Landeskriminalamts (LKA) ausgewiesen. Besonders hoch war die Anzahl 2016 mit 321 Fällen, aufgrund der Silvesternacht in Köln, in der alleine 162 Fälle der Vergewaltigung/sexuellen Nötigung durch Gruppen verübt wurden.

2017 sank die Zahl auf 83 Delikte, bevor sie 2018 auf 149 Fälle anstieg. „Ob dies auf eine tatsächliche Zunahme der Taten oder lediglich auf ein Zunahme der Anzeigen und damit eine Verschiebung vom sogenannte Dunkelfeld ins sogenannte Hellfeld zurückzuführen ist, ist unbekannt“, erklärt LKA-Sprecher Andre Faßbender.

Werden die Tatverdächtigen immer jünger?

Das Durchschnittalter der Tatverdächtigen liegt hingegen in den vergangenen fünf Jahren zwischen 22 und 23. „Auf Grundlage der vorliegenden Daten ist ein Trend zur „Verjüngung“ der Täter nicht erkennbar“, betont Faßbender.

Jedoch werden Gruppenvergewaltigung von Kindern als „Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern/Jugendlichen/Widerstandsunfähigen in Tateinheit mit Vergewaltigung“ geführt. Sie werden dementsprechend in der PKS wegen der höheren Strafandrohung auch als „schweres Delikt“ gezählt.

Jahr Bekannt gewordene Fälle Durchschnittsalter der Tatverdächtigen
2014 72 22,41
2015 74 23,15
2016 321 23,3
2017 83 22,78
2018 149 23,63

Mehr deutsche Straftäter

„Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen ist in allen Jahren deutlich höher, als die Zahl der osteuropäischen Tatverdächtigen“, sagt der LKA-Pressesprecher weiter. Lediglich zwei Tatverdächtige mit bulgarischer Nationalität seien in den Jahren 2014 bis 2018 erfasst worden.

Häufig verabreden sich junge Täter über soziale Netzwerke wie Facebook, Whatsapp oder Snapchat. Wie die Gruppenvergewaltiger aus Essen um Dean Martin L., die Whatsapp-Gruppen einrichteten.

Der Kontakt wird dabei häufig zu Angehörigen ihrer Altersgruppe, „oftmals gleicher Herkunfts- beziehungsweise Geburtsländer“ gepflegt.

 
 

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