New York feiert den Ruhrpott: Warum die Steiger-Uniform zum Mode-Trend der „Fashion Week“ wird

Die „Grubenhelden“ um Matthias Bohm (rechts) präsentieren in New York die Pottmode.
Die „Grubenhelden“ um Matthias Bohm (rechts) präsentieren in New York die Pottmode.
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Die Fashion Week findet nicht ausschließlich auf einem sauberen, weißen Catwalk statt. Das beweist das Modelabel „Grubenhelden“ aus Gladbeck, das den Pott auf den Laufsteg gebracht hat.

Darüber berichtet die US-Zeitung „New York Times“. Die Überschrift des Artikels: „Wenn Mode dreckig wird“ – New York City feiert den Ruhrpott.

Grubenhelden: Mode mit Ruhrpott-Kult

Im Kragen, in der Knopfleiste oder als Streifen auf den T-Shirts: Jedes Outfit der „Grubenhelden“ wird mit einem Stück eines originalen Grubenhemdes gefertigt, das die Bergmänner unter Tage trugen.

Die Kleidungsstücke tragen Namen wie „Nordschacht“, „Schichtbeginn“ oder „Prosper“. In einigen Shirts und Hemden druckt das Label sogar das berühmte Steigerlied (>> hier erfährst du mehr über die „Grubenhelden“).

Steiger betreten den Catwalk – und bestimmen die Mode

Aber bei der Fashion Week in New York vom 8. bis zum 16. Februar stellte es nicht nur seine Kleidungsstücke vor. Das ganze Team des Modelabels brachte kräftige Unterstützung für die Fashion Week mit.

Vier Bergmänner begleiten das gesamte Team von „Grubenhelden“ in die US-amerikanische Metropole. Ein Teil von ihnen hat nach Angaben der „New York Times“ Europa noch nie verlassen.

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„Es ist unglaublich, hier auf der Fashion Week auf der Bühne zu sein, um unsere Kollegen zu repräsentieren und der Welt unsere Kultur zu zeigen. Meine Enkelkinder würden diese Geschichte niemals glauben“, erzählte Bergmann Klaus Pütz (49) und lacht.

Der Steiger Christian Strzecha (26) erzählte der „New York Times“, dass der Ausflug wie ein Märchen für ihn sei. „Das letzte Mal habe ich einen Laufsteg in der Schule betreten. Aber dort haben nur unsere Eltern zugeschaut, nicht die ganze Welt“, fügt er hinzu.

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„Regionalgeschichte auf der weltweit größten Fashionbühne“

Für „Grubenhelden“-Gründer Matthias Bohm (36) war der Auftritt eine große Chance. „Ich habe die Möglichkeit, diese Regionalgeschichte auf der weltweit größten Fashionbühne zu erzählen“, sagte er gegenüber der US-Zeitung.

Der Kohlebergbau habe Deutschland zum Wohlstand verholfen. Heute sei das Ruhrgebiet zwar ein vernachlässigter Teil Deutschlands, aber Zuhause des 36-Jährigen – und er möchte ihm etwas zurückgeben.

Nichts für weiße, saubere Laufstege

Die Outfits des Labels „Grubenhelden“ wurden in einem industriell gestalteten Raum vorgestellt. Dafür nutzten die Aussteller das Fotostudio „Industria“ im New Yorker Stadtbezirk West Village, das in der Zwischenkriegszeit eine Autofabrik gewesen ist.

„Unsere Kleidung gehört nicht auf einen weißen, sauberen Catwalk“, erklärte Matthias Bohm gegenüber der „New York Times“. Waschschüsseln, Butterbrotdosen und Seife standen und lagen im Raum herum. Der Platz inmitten des Raums der ehemaligen Fabrik diente als Laufsteg. Die Steiger betraten und verließen den Raum, sobald die Glocke läutete – wie damals, als in den Zechen Schichtbeginn und -ende angekündigt worden sind.

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Bei Schichtbeginn betraten die Bergmänner den Catwalk in gewohnter Uniform. Sein Licht hatte der Steiger dabei.

Für Marcus Wieczorek (27) war das ein einmaliges Erlebnis. Zwar habe er schon einmal einen Laufsteg betreten, als die Zeche Prosper-Haniel geschlossen worden ist, sagt er US-Zeitung. Aber in New York sei das ein ganz anderes Erlebnis gewesen: „So eine Erfahrung macht man nur einmal im Leben.“

 
 

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