Meteorologe aus NRW erklärt, wieso es derzeit so viele schwere Gewitter gibt

Erst am Dienstagabend wurde Wuppertal völlig überflutet.
Erst am Dienstagabend wurde Wuppertal völlig überflutet.
Foto: dpa
  • Tornados, Überflutungen, Blitzeinschläge
  • Das Wetter in Deutschland scheint verrückt zu spielen
  • Experte Matthias Habel erklärt, wie es dazu kommt

Bonn. Spielt das Wetter gerade verrückt oder ist das noch normal? Tornados, Überflutungen, Hagelmassen und Blitzeinschläge - die warme Waschküchenluft führt seit einigen Tagen fast täglich zu schwersten Unwettern in Deutschland.

Besonders nachmittags und abends knallt es irgendwo im Land richtig heftig. Erst am Dienstagnachmittag zog ein heftiges Unwetter über NRW hinweg, das besonders die Städte Wuppertal. Duisburg und Aachen getroffen hat und diese überflutete. Gleichzeitig leidet der Norden Deutschlands aber unter extremer Trockenheit.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Darum leiden Pollen-Allergiker derzeit besonders stark

Sturm, Blitz, Starkregen – Wann zahlt die Versicherung?

• Top-News des Tages:

Flugzeuge mussten stundenlang kreisen - diese Auswirkungen hatte das Unwetter auf den Düsseldorfer Flughafen

„In Duisburg geht gerade die Welt unter“: Heftiges Gewitter zog am Dienstag über NRW – Feuerwehr im Dauereinsatz

-------------------------------------

NRW-Meteorologe erklärt das Phänomen

Matthias Habel, Meteorologe von „Wetter Online“ aus Bonn erklärt, wie es dazu kommt.

„Wir müssen die großräumige Wetterlage in Europa betrachten: Vom Nordatlantik bis in den Mittelmeerraum dominieren bodennah derzeit schwache Tiefdruckgebiete. Sie transportieren feuchtwarme Luft aus Südeuropa zu uns. Im Gegensatz dazu regiert in der Höhe über weite Teilen des Kontinents hoher Luftdruck. Wir Meteorologen sprechen von einem blockierenden Hoch.

Es verhindert wie ein Bollwerk, dass atlantische Tiefs zu uns durchbrechen und die Wetterregie übernehmen. Die bodennahen Tiefs lösen sich jedoch nicht einfach auf, sondern wandern mit ihrer Feuchtigkeit im Gepäck mehr oder weniger orientierungslos über Mitteleuropa umher. Im Übergangsbereich zur trockeneren Luft bilden sich dann punktuell immer wieder heftige Gewitter mit teils extremen Regenmengen. Schwere Überschwemmungen sind die Folge.“

Ist diese Wetterlage noch normal?

„Die von uns Meteorologen als Omega-Lage bezeichnete Wettersituation ist in Mitteleuropa nicht ungewöhnlich. Eine ganz ähnliche Wetterlage hat vor zwei Jahren zu den extremen Sturzfluten in Braunsbach oder auch in Simbach geführt. Bemerkenswert ist aktuell insbesondere, dass die Wetterlage schon recht lange anhält.

Abgesehen von kurzen Unterbrechungen haben wir bereits seit März mit ihr zu tun. Dabei ist im Nordosten Deutschlands der Einfluss des Hochdruckgebietes so dominant, dass die Tiefs hier nahezu keine Chance haben. Infolgedessen ist es dort seit vielen Wochen extrem trocken bei andauerndem Sonnenschein.“

Wann ist endlich Schluss mit den Unwettern und der Trockenheit?

„Die Situation wird sich erst dann entschärfen, wenn die atlantischen Tiefs an Stärke zulegen. Aktuell sind diese einfach zu schwach auf der Brust, um sich gegen das Blockadehoch durchzusetzen. Eine solche Änderung ist derzeit jedoch nicht in Sicht. Vielmehr sieht es danach aus, dass uns Trockenheit und Sturzfluten noch eine Weile begleiten.“

 
 

EURE FAVORITEN