Essen

Gewalt in Freibädern: Politiker hat irren Plan – wäre er auch in NRW umsetzbar?

Einsatzhundertschaften kommen bei Demos oder Fußballspielen zum Einsatz. Ein Berliner FDP-Politiker schlägt vor, dass sie auch in Freibädern eingesetzt werden sollen. (Archivbild)
Einsatzhundertschaften kommen bei Demos oder Fußballspielen zum Einsatz. Ein Berliner FDP-Politiker schlägt vor, dass sie auch in Freibädern eingesetzt werden sollen. (Archivbild)
Foto: imago/Christian Mang

Essen. Braucht es zum Badengehen künftig Polizeischutz? Keineswegs abwegig für den Berliner Innenpolitiker Marcel Luthe (FDP). Er will, dass sich in der Hauptstadt über den Sommer eine eigene Einsatzhundertschaft um die Sicherheit in den Bädern kümmert.

Zuletzt hatte es auch in NRW mehrere Ausschreitungen in Schwimmbädern gegeben. In Düsseldorf gingen Hunderte Jugendliche auf einen Familienvater los, in Essen verprügelt eine Männergruppe zwei Bademeister, in Gelsenkirchen attackiert ein 21-Jähriger einen anderen Badegast mit einem Messer.

Bisher liegt die Konfliktführung in Schwimmbädern beim Betreiber, der immer häufiger auf Security-Mitarbeiter zurückgreift. FDP-Politiker Luthe meint, dass unter diesen Voraussetzungen Konflikte vorprogrammiert seien.

Einsatzhundertschaften im Schwimmbad – auch eine Idee für NRW?

„Ein völlig realitätsferner Vorschlag“, meint die Polizeigewerkschaft (GdP) NRW auf Nachfrage von DER WESTEN. Auch das NRW-Innenministerium verweist darauf, dass der Betreiber dafür sorgen muss, dass der Schwimmbetrieb ruhig verläuft. Die Situation sei ähnlich wie in Fußballstadien.

Auch hier sorgt der Veranstalter für Recht und Ordnung. „Wenn es Hinweise auf Gefahrenabwehr und Strafverfolgung gibt, muss die Polizei natürlich eingreifen“, schildert Wolfgang Beus, Sprecher für Polizeiangelegenheiten im Innenministerium.

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„Schwimmbad“-Einsatzhundertschaft macht wenig Sinn

Warum der Vorschlag aus Berlin wenig sinnvoll für NRW ist, erläutert Stephan Hegger, GdP-Pressesprecher: „Wir haben in NRW 18 Hunderteinsatzschaften, die dezentral aufgestellt sind.“ So befindet sich beinahe in jeder Großstadt eine Hunderteinsatzschaft. Sie sind den Polizeipräsidien untergeordnet, sind bei behördenübergreifenden Einsätzen vor Ort. So beispielsweise bei Razzien, Demos oder auch Fußballspielen.

Meldet nun ein Badbetreiber eine Auseinandersetzung, muss die Polizei schnell vor Ort sein. Bis sich eine Einsatzhundertschaft zusammengefunden hat, vergeht Zeit. „Im Grugabad hat man gesehen: Die Polizei muss schnell vor Ort sein. Je später sie eintrifft, desto mehr Kräfte werden schlussendlich benötigt.“

Daher hält er das Vorpreschen des Politikers für einen „völlig realitätsfernen Vorschlag“.

Auch in Berlin stößt der Vorschlag auf wenig Gegenliebe

Übrigens widersprechen Marcel Luthe auch lokale Akteure, wie der Berliner Bädersprecher Matthias Oloew. In den vergangenen Jahren sei die Situation in friedlicher geworden. Ein hoher sechsstelliger Betrag war zuletzt in die Sicherheitsleute investiert worden. (mit dpa)

 
 

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