Gelsenkirchen

Gelsenkirchen am Boden: Stadt erwartet heftige Einschnitte – das ist der Grund

Gelsenkirchen macht derzeit besonders schwierige Zeiten durch.
Gelsenkirchen macht derzeit besonders schwierige Zeiten durch.
Foto: imago/Jan Huebner - imago/Werner Otto

Gelsenkirchen. Düstere Stimmung in Gelsenkirchen!

Der Abstieg des bekanntesten Aushängeschilds von Gelsenkirchen, dem FC Schalke 04 mit dem letzten Saisonspiel an diesem Samstag wird auch weitreichendere Auswirkungen auf die ohnehin krisengeplagte Stadt haben.

Gelsenkirchen: Abstieg von Schalke 04 hat Auswirkungen auf Wirtschaft

„Spürbar negative Auswirkungen auf die Wirtschaft“ prognostiziert der Gelsenkirchener Standortleiter der Industrie- und Handelskammer, Jochen Grütters. Dennoch: Gelsenkirchen hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Abstieg - das haben wir schon dreimal überstanden, es wird auch einen vierten Aufstieg geben“, sagt Grütters.

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Das ist die Stadt Gelsenkirchen:

  • Stadtteil Buer 1003 erstmals urkundlich erwähnt
  • rund 260.000 Einwohner, fünf Stadtbezirke und 18 Stadtteile, elftgrößte Stadt in NRW
  • Heimatstadt des Bundesligisten FC Schalke 04
  • Wahrzeichen unter anderen: Zoom Erlebniswelt, Wissenschaftspark Rheinelbe, Sport-Paradies
  • Oberbürgermeisterin ist Karin Welge (SPD)

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Für die nächste Zeit muss sich die Stadt auf deutlich weniger Zuschauer im 61.000 Besucher fassenden Stadion einstellen, auf weniger Hotelgäste und weniger Restaurantbesuche von Fans aus dem In- und Ausland: Die unmittelbaren Einbußen betrügen sicher mehrere Millionen Euro im Jahr, sagt Grütters.

Gelsenkirchen: Oberbürgermeisterin sieht schwarz

Dass damit Gewerbesteuereinnahmen fehlen, sei klar, aber möglicherweise noch nicht einmal die schlimmste Konsequenz, sagt Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge (SPD). „Rein finanziell ist der Schaden begrenzbar, das wird uns nicht umbringen, aber Schalke ist ein Identifikationsstifter, der soziale Kitt in einer extrem heterogenen Stadt.“

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Gelsenkirchen hat bundesweit unter den Großstädten mit Abstand die höchsten Arbeitslosenzahlen mit aktuell weit über 15 Prozent und ist trauriger Spitzenreiter bei der Kinderarmut mit 41,5 Prozent Kindern in Familien mit Hartz-IV-Bezug (2019).

Gelsenkirchen: Immobilienlage sieht düster aus

Massive Leerstände insbesondere im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke sind bis heute ein Problem. Rund 150.000 Einwohner hat die Stadt seit dem Höchststand von 400.000 Menschen in den frühen 1960er-Jahren verloren, jetzt ist die Zahl wieder leicht auf 265.000 gestiegen.

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Verrottete Immobilien werden von Geschäftsleuten aufgekauft, die Zuwanderer vielfach aus Osteuropa dort ansiedeln. Die Stadt investiert Millionen, um deren Kinder in Kindergarten und Schule zu bringen, doch rund die Hälfte der Zuwanderer ziehen innerhalb eines Jahres schon wieder weiter. „Wir haben Menschen, die die Sozialsysteme nachhaltig und bewusst belasten“, sagt die Oberbürgermeisterin. Die „mafiösen Strukturen“ hinter diesem System müssten konsequenter bekämpft werden.

Gelsenkirchen: Kleine Lichtblicke am Horizont

Das klingt deprimierend, doch es gibt auch Lichtblicke. Die Anfang der 1990er Jahre gegründete Westfälische Hochschule hat Fuß gefasst, sie bietet Hunderte Jobs, zieht Studenten an und hat schon interessante Ausgründungen von jungen IT-Unternehmen vor allem zur Internetsicherheit gebracht.

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Zwei Raffinerien von BP sind traditionell große Arbeitgeber, daneben bietet die Sicherheits- und Gebäudereinigungsfirma Stölting, die bundesweit 14.000 Menschen beschäftigt, Arbeitsplatzchancen und ein bisschen mondänen Glanz: Direkt am Rhein-Herne-Kanal hat das Unternehmen sein Hauptquartier an einem einstigen Kohlehafen aufgebaut und wirbt dort bei privaten Bootsbesitzern mit Gastronomie und allen Angeboten einer „nautischen Wohlfühloase“. (kk mit dpa)