Geiselnahme in Köln: Täter hätte abgeschoben werden können

Geiselnahme am Hauptbahnhof Köln

Gegen 12.50 Uhr erhielt die Polizei Hinweise auf eine Geiselnahme. Eine Frau konnte gegen 15 Uhr aus den Fängen des Geiselnehmers befreit werden.

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  • Hätte Deutschland den späteren Kölner Geiselnehmer gar nicht aufnehmen müssen?
  • 2015 reiste er aus Syrien an
  • Aber nicht direkt, sondern über Tschechien

Köln. Der Geiselnehmer vom Kölner Hauptbahnhof hätte möglicherweise zu einem frühen Zeitpunkt seines Aufenthalts in Deutschland abgeschoben werden können.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bestätigte am Freitag, dass ein Übernahme-Ersuchen innerhalb einer Frist von drei Monaten an Tschechien hätte gerichtet werden können, da der Mann über dieses Land nach Deutschland eingereist war. Nach dem Dublin-Abkommen muss ein Asylantrag in dem Land gestellt und bearbeitet werden, das der Flüchtling als erstes erreicht.

Geiselnahme in Köln: Mohammed R. reiste mit Schengen-Visum ein

Das Übernahme-Ersuchen blieb in diesem Fall jedoch aus. „Die Gründe, warum die Frist zum Stellen eines Übernahmeersuchens in diesem Einzelfall nicht eingehalten werden konnte, lassen sich nach mehr als dreieinhalb Jahren nicht mehr nachvollziehen“, teilte ein Bamf-Sprecher mit. Über die verpasste Möglichkeit einer Abschiebung hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.

Mohammed A. R. sei aufgrund eines durch die tschechische Botschaft in Beirut ausgestellten Schengen-Visums in den Schengen-Raum eingereist, teilte der Bamf-Sprecher mit.

Registrierung erfolgte nicht

Eine Registrierung als Asylbewerber in Tschechien sei nach vorliegenden Erkenntnissen allerdings nicht erfolgt. Der Sprecher betonte: „Dass eine Überstellung nach Tschechien, bei fristgerechtem Übernahme-Ersuchen, erfolgt wäre, davon kann nicht ohne weiteres ausgegangen werden.“ In der Praxis hätten auch fristgerechte Ersuchen auf der Grundlage des Dublin-Abkommens nicht immer Erfolg.

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Der heute 55-Jährige hatte am Montag Benzin in einem Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof in Brand gesetzt und dadurch eine 14 Jahre alte Kundin schwer verletzt.

Geiselnehmer übergoss Frau mit Benzin

Anschließend nahm er eine Apothekenangestellte als Geisel, übergoss sie mit Benzin und wollte sie anzünden. Spezialkräfte der Polizei schossen ihn jedoch nieder. Die Polizei glaubt, dass der Mann eigentlich einen noch größeren Anschlag mit Gaskartuschen ausführen wollte. Die Bundesanwaltschaft prüft, ob es sich bei der Tat um einen islamistischen Terroranschlag handeln könnte.

Der Geiselnehmer hatte zwischenzeitlich behauptet, zum „Daesh“, also zum IS zu gehören. Zweifelsfrei geklärt ist das nicht.

Nach der Tat hatte es in Köln mehrere Demonstrationen gegeben. Unter dem Motto „Gegen Terror in Deutschland“ hatten sich Menschen auf dem Breslauer Platz eingefungen. Gegendemonstranten zogen unter dem Titel „Kein Veedel für Rassismus“ ebenfalls vom Ebertplatz zum Breslauer Platz. Die Polizei begleitete die beiden Veranstaltungen.

Geiselnehmer per Kopfschuss verletzt – wacht er jemals wieder auf?

Wie der Express am Freitag berichtet, hatte die Spezialeinheiten ihn mit sechs Körpertreffern verletzt. Eine Kugel traf ihn in den Kopf.

Nachdem er noch vor Ort reanimiert worden war, operierten Ärzte den Angreifer mehrere Stunden in einem Krankenhaus. Noch liegt Mohammed A. R. im Koma, ob er jemals wieder sprechen kann, ist noch ungewiss. (dpa/pen/mb)

 
 

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