Capital Bra und Bushido: Gangsta-Rapper in den Fängen der Clans – so gefährlich ist das Rap-Geschäft WIRKLICH

Capital Bra und Bushido.
Capital Bra und Bushido.
Foto: dpa

Jetzt also auch Capital Bra, der Shooting-Star unter den deutschen Rappern. Ausgerechnet Capital Bra, der Ex-Labelboss Bushido noch verhöhnt hatte. Im vorwarf, mit der Polizei gemeinsame Sache zu machen.

Am Donnerstag kam raus: Capital Bra soll von kriminellen Clans bedroht werden. Wie die „Bild“ berichtet, sollen Mitglieder des Miri- und Al-Zein-Clans von ihm Geld und Beteiligungen an zukünftigen Einnahmen fordern - weil sie ihm einst geholfen hätten, als er sich von seinem alten Label getrennt hatte.

Capital Bra nach Bushido offenbar auch von Clans verfolgt

Gemeinsam mit tschetschenischen Gruppen sollen sie dem Rapper wiederholt aufgelauert haben. Capital Bra soll dann laut dem Bericht die Polizei eingeschaltet haben. (hier mehr dazu)

Rapper und die Clans - spätestens seit Bushido und Arafat Abou-Chaker ist dieses Thema in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Die einen sind hart in ihren Rap-Zeilen, die anderen auf der Straße. Mitunter sind die Grenzen fließend.

Der Clinch von Bushido und Abou-Chaker beschäftigt inzwischen die Staatsanwaltschaft und bald wohl auch Gerichte. Bushido hatte dem Clan-Boss 2010 eine Generalvollmacht ausgestellt, ihn zum Vormund gemacht. Im März 2018 sagte sich Bushido öffentlichkeitswirksam los, anschließend machten üble Gerüchte die Runde. Es hieß, der Clan soll eine Entführung von Bushidos Frau und der Kinder geplant haben.

Auch Farid Bang, Kollegah und Veysel K. sollen auf einer Todesliste von Arafat Abou-Chaker gestanden haben. Das berichtet die „FAZ“ und beruft sich auf Ermittlungsakten der Berliner Polizei.

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Größen der Unterwelt als Verhandlungsmaße

Die Symbiose aus Gangsta-Rap und Clans sieht der Sozialwissenschaftler Martin Seeliger in der „biografischen und habituellen Nähe“ begründet. „Das hat eine gewisse Eigendynamik angenommen, dass Rapper sich mit Größen aus der organisierten Kriminalität eingelassen haben, um mehr Verhandlungsmaße mitzubringen“, so der Autor verschiedener Bücher über Gangsta-Rap.

Die Ermittler des Landeskriminalamtes in Nordhrein-Westfahlen sprechen in diesem Zusammenhang von „vielfältigen Bezügen“. Im ersten Lagebild zur Clankriminalität heißt es: „Sie erfahren damit ein erhebliches Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit, die der eigenen Reputation außerhalb des Milieus dienen soll.“

Konkret bedeuten diese Worte: das Millionen-Business bietet den Clans mehr Glamour als Drogenhandel oder das Betreiben von Shisha-Bars. Da passt es gut, dass für Gangsta-Rapper seit jeher die Nähe zur Kriminalität ein immanenter Teil der Außendarstellung ist und der Verkaufsförderung und Fan-Bindung dient.

Clans als „Rücken“ der Rapper

Es ist ein Win-Win-Geschäft. Der Rapper hat einen „Rücken“ - heißt, er genießt Schutz der mächtigen Clans. Im Gegenzug profitiert der Clan finanziell von den Millionen-Einnahmen aus dem lukrativen Rap-Business.

Der jüdische Rapper Ben Salomo formulierte es in seinem Buch „Sohn des Friedens“ so: „Wenn Rapper A in eine andere Stadt geht und auf andere Clans trifft, dann wollen die dort für ‚Sicherheit‘ sorgen. Damit Rapper A ohne Problem auftreten kann, musst du das Geschäft eingehen. So haben die Clans ein Geschäftsmodell entwickelt.“

Glorifizierung von Gewalt und Männlichkeit

Die Ermittler des LKA sehen noch eine weitere Gefahr. Die Glorifizierung von Gewalt und Männlichkeit kann für Jugendliche aus den Clanstrukturen identitätsbildend sein, die Rapper könnten als Vorbild die Entwicklung krimineller Karrieren begünstigen.

Denn die Größen der Rap-Szene inszenieren sich gekonnt in den sozialen Netzwerken, haben zum Teil Millionen von Followern. „In den sozialen Netzwerken lässt sich zeigen, dass man echt ist. Die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem verwischt. Hier präsentieren die Rapper, dass sie wirklich so viel Geld haben, sie wirklich mit diesem Prominenten oder dieser Untergrundgröße befreundet sind. Es geht hierbei vor allem um Authentizität“, sagt Sozialwissenschaftler Seeliger.

Miri-Familie eng mit Rap-Größen verbandelt

Besonders der Miri-Clan zeigt sich gerne mit Rap-Größen. Ahmad Miri hat auf Instagram 20.000 Follower. Er inszeniert sich in den sozialen Medien als „Patron“. Stolz posiert der vorbestrafte Ex-Boxer mit Waffen. Mit seinem Label „Breitseitenbande“ mischt er dick im Rap-Geschäft mit, nahm in diesem Jahr den erst 15-jährigen Shootingstar Agir unter Vertrag.

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Namensvetter Sammy gilt als der mächtige Clan-Boss in Dortmund, liefert sich dort mit den Bandidos eine blutige Fehde. Im September vergangenen Jahres trafen Miri und ein Bandido nach vorherigen verbalen Drohungen aufeinander. Der Clan-Boss wurde niedergestochen, sein Rivale, ein einflussreiches Bandido-Mitglied, später zu vier Jahren Haft verurteilt.

Noch bevor das Urteil rechtskräftig werden konnte, wurde dem Rocker ins Knie geschossen. Ein Racheakt? Sammy Miri hat laut Staatsanwaltschaft ein Alibi. Auf Instagram posiert er auf einem Foto von jenem Tag mit einer Wasserspritzpistole in den Händen - an seiner Seite der Düsseldorfer Rapper Farid Bang. (hier mehr dazu)

Auch der Dortmunder Rapper 18Karat steht Miri nahe. Bei ihm klingelte diese Woche das Sondereinsatzkommando. Die Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass er die Tatwaffe, die bei den Schüssen auf den Bandido-Friseur eingesetzt wurde, beschafft hatte. „Der Anfangstatverdacht bestätigte sich nicht“, so Henner Kruse von der Dortmunder Staatsanwaltschaft. >>> hier alle Infos

Der Mann mit der teuren Goldmaske ist den Ermittlern ohnehin kein Unbekannter. Er lieferte sich vor zwei Jahren eine Auseinandersetzung mit Rap-Kollege Miami Yacine. Erst wurde der „Kokaina“-Rapper brutal niedergeschlagen, dann folgten Schüsse auf das Stamm-Café von 18Karat.

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Auch Al-Zeins sollen mitmischen

Und dann ist da noch die mächtige Familie Al-Zein, die offenbar auch in der Gangsta-Rap-Szene mitmischen will. So hält sich das Gerücht, dass Clan-Boss Mahmoud Al-Zein, der mittlerweile in Duisburg leben soll, mit dem aufsteigenden schwäbischen Rapper Shindy in Verbindung stehe. Shindy soll laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ früher zur Abou-Chaker-Clique gehört haben und wie Bushido von Arafat Abou-Chaker bedroht worden sein.

 
 

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