„Fridays for Future“: Kinder hängen an Brücke – Geschmacklose Kommentare sind kaum zu glauben

In NRW demonstrieren am Freitag Tausende Klimaaktivisten. In Aaachen werden 20.000 "Fridays for Future"Demonstranten erwartet, in Garzweiler campen Aktivisten der Gruppe "Ende Gelände".
In NRW demonstrieren am Freitag Tausende Klimaaktivisten. In Aaachen werden 20.000 "Fridays for Future"Demonstranten erwartet, in Garzweiler campen Aktivisten der Gruppe "Ende Gelände".
Foto: dpa

Aachen. 20.000 "Fridays For Future"-Aktivisten aus 16 Ländern waren am Freitag in Aachen erwartet worden. Schon am frühen Nachmittag ist klar: Es sind viel mehr Menschen.

Mindestens doppelt so viele Demonstranten sind nach Aachen gereist, manche Schätzungen sogar gehen von mindestens 50.000 Teilnehmern aus. Zeitlgleich plant das Bündnis „Ende Gelände“ Aktionen im Braunkohle-Tagebau Garzweiler.

Die Polizei ist bereits am Morgen mit einem Großaufgebot vor Ort in Aachen und in Viersen, wo die "Ende-Gelände"-Aktivisten campieren.

Ein Sonderzug aus Basel, der fast ausschließlich mit Schülern gefüllt war, wurde von zahlreichen Polizisten schon auf dem Bahnsteig empfangen.

„Fridays for Future“: Kinder starten in Aachen waghalsige Aktion

Mehrere Kinder starteten am Nachmittag eine waghalsige Aktion: Sie seilten sich von einer Brücke ab und entrollten ein Transparent: "Eure Gier kostet unsere Zukunft".

Laut dem Jugendamt der Stadt Aachen seien die Kinder in Begleitung eines Erziehungsberechtigten gewesen. Die Aktion stieß auf sehr geteilte Meinunung.

In den Sozialen Netzwerken feierten manche die Kletterei der Kinder - andere verurteilten die Aktion als verantwortungslos. "Ich mag ja Kletterei...aber das ist einfach verantwortungslos. Der Grund dafür rechtfertigt es einfach nicht..Gefährdung von Kindern als Protestmedium ist idiotisch. Und natürlich genug sensationsgeile Idioten die es per Handy filmen", schreibt etwa ein Nutzer.

Für Empörung sorgten extrem geschmacklose Kommentare wie dieser: "Einfach mit dem Lkw drunter herfahren und gut ist."

Wie die Polizei Aachen mitteilt, kommt es wegen der Demo zu Sperrungen im gesamten Innenstadtbereich. So ist auch die Krefelder Straße gesperrt. Auch mit Beeinträchtigungen des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb der Stadt muss gerechnet werden.

"Fridays For Future" in Aachen: Ärger unter den Demonstranten

Mehrere Hundert Schüler sind bislang zu der zentralen internationalen "Fridays For Future"-Demonstration eingetroffen. Sie hielten Transparente hoch mit Aufschriften wie "Warum lernen, wenn wir keine Zukunft haben!" und "Wenn die Erde eine Bank wäre, hättet ihr sie schon lange gerettet." Zudem rufen sie „System change, not climate change“ (dt. „Systemveränderung, keine Klimaveränderung“).

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Im Vorfeld hatte es Ärger zwischen den Demonstranten und der Stadt Aachen gegeben: Die "Fridays for Future"-Aktivisten hatten beklagt, zu wenig Unterstützung seitens der Stadtverwaltung zu erhalten.

So gab es noch vor wenigen Wochen keine Schlafplätze für die Tausenden Schüler, die am Freitag anreisen werden. Inzwischen ist klar: Die Stadt stellt Schlafplätze im Tivoli-Parkhaus zur Verfügung.

Aachen: Friday's for Future bislang friedlich

Laut Bürgern vor Ort ist die Demo in Aachen bislang friedlich verlaufen. Andreas S. schreibt bei Twitter: „Zwischenstopp am Aachener Rathaus auf dem Marktplatz. Eine extrem friedliche Veranstaltung. Roman Z. kommentiert: „Yep, das fand ich auch sehr beruhigend zu sehen und zu hören.“

Auch sonst erhalten die Aktivisten in den Sozialen Medien zum großen Teil Zuspruch.

Ein mögliches Reizthema auf der Demo in Aachen: Am Donnerstagabend hatten sich die EU-Staaten am in Brüssel nicht auf eine verbindliche Festlegung auf ein neues Klimaziel bis 2050 einigen konnten.

Das Datum für den Umbau zur "klimaneutralen" Wirtschaft wurde nach stundenlangen Verhandlungen aus der Gipfelerklärung gestrichen und in eine Fußnote verbannt, wie mehrere Diplomaten bestätigten. Im Text steht nun nur ein Hinweis auf die angestrebte Einhaltung des Pariser Klimaabkommens.

Klimaaktivisten: Sternmarsch in Aachen

Nach einem Sternmarsch soll es am Freitag eine Kundgebung vor dem Fußballstadion Aachener Tivoli geben. Demonstration und Kundgebung finden unter dem Motto "Climate Justice without borders - United for a Future" (Klimagerechtigkeit ohne Grenzen - geeint für eine Zukunft) statt.

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Außerdem weist das Netzwerk auf das angrenzende Rheinische Braunkohlerevier als große europäische CO2-Quelle hin. Im Rahmen eines Aktionstags auch anderer Organisationen will "Fridays For Future" am Samstag am Braunkohletagebau Garzweiler demonstrieren.

In Viersen campen parallel derweil Aktivisten der Gruppe „Ende Gelände“. Dort sind am Freitag etwa 1000 Demonstranten, insgesamt 6000 werden erwartet.

„Ende Gelände“ wollen blockieren - Polizei warnt vor Lebensgefahr

Das Bündnis „Ende Gelände“ hat für Freitag Aktionen angekündigt, mit denen das Rheinische Braunkohlerevier blockiert werden soll. Inzwei Wellen sollen Tausende Aktivisten vom Protest-Camp in Viersen aufbrechen, um sich an den Blockaden zu beteiligen, teilten die Organisatoren mit. Eine weitere Aktion sei für Samstag geplant, wenn am Tagebau Garzweiler demonstriert werden soll.

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" will damit seine Forderungen nach einem zügigeren Kohleausstieg und einen grundlegenden Systemwandel bekräftigen.

Die Warnungen der Polizei Aachen via Twitter klingen dramatisch: "Ende Gelände kündigt Proteste und Blockaden im Tagebau an und ruft damit zu Straftaten auf. Das Eindringen in den Tagebau bedeutet akute Lebensgefahr für alle Menschen. Die Polizei Aachen appelliert: Halten Sie sich nicht an der Tagebaukante auf.“

Gegen Mittag stellte die Polizei Wasserwerfer bereit, auch Räumfahrzeuge der Polizei sind vor Ort.

Viersen: Polizei sperrt Bahnhof – Aktivisten empärt

Mittlerweile hat die Polizei den Bahnhof Viersen gesperrt. Somit können weder Passanten noch Aktivisten mit dem Zug nach Viersen gelangen. Wie lange die Sperrung andauern soll, ist noch unklar.

Kathrin Henneberger, Pressesprecherin von „Ende Gelände“ kritisiert das Vorgehen der Polizei in Viersen. Sie sagt: „Die Polizei nimmt Menschen das Grundrecht, für ihre Zukunft zu protestieren. Tausende sind auf dem Weg zu angemeldeten Versammlungen. Die Polizei verhindert das durch Sperrung des Bahnhofs Viersen. Diese Schikanen müssen sofort aufhören.“

Die Polizei zeigte vor den Klima-Protesten im rheinischen Braunkohlerevier bereits früh am Freitag an den Tagebau-Punkten deutliche Präsenz. "Wir rechnen jetzt jederzeit mit einzelnen Aktionen", sagte Sprecher Andreas Müller am Tagebau in Jüchen. Im Brennpunkt steht bei den Aktionstagen der Umweltprotestbewegungen vor allem der Tagebau Garzweiler.

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Zeitgleich zu den Protesten bereiten rund 3000 Experten bei der UN-Klimakonferenz in Bonn den nächsten Weltklimagipfel im Dezember in Santiago de Chile vor. Dort soll sich etwas bewegen, denn die Zusagen aller Länder weltweit reichen nicht, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Danach soll die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden.

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"Fridays For Future": Aktion kam nicht überall gut an

Erst vor wenigen Tagen hatten Aktivisten von "Fridays For Future" für Aufsehen gesorgt, als sie einen Vortrag von FDP-Chef Christian Lindner in Leipzig gestürmt hatten.

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Als Lindner ihnen ein Gespräch anbot, lehnten die Aktivisten ab. Das kam nicht überall gut an. Die Begründung der Demonstranten später: Die Zeit für Gespräche sei vorbei, jetzt gehe es darum, dass Politiker handeln. (pen/dpa)

 
 

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