Essen

Essen: Wissenschaftler kritisieren ZDF wegen Ruhrgebiets-Studien: „Statistischer Unfug“

Das Essener Wirtschaftsinstitut RWI kritisiert das Städteranking, in dem Gelsenkirchen den letzten Platz belegte. (Symbolbild)
Das Essener Wirtschaftsinstitut RWI kritisiert das Städteranking, in dem Gelsenkirchen den letzten Platz belegte. (Symbolbild)
Foto: imago images / Winfried Rothermel

Essen. Im April hatte das ZDF die Lebensqualität von 401 Kommunen und Städten in Deutschland untersucht. Auf Platz 401: Gelsenkirchen. Auch Duisburg, Dortmund, Recklinghausen, Essen und die anderen Städte im Revier schnitten schlecht ab.

Die ZDF-Studien seien allerdings schlecht gemacht – das sagen jetzt Forscher aus dem RWI in Essen, einem Zentrum für wirtschaftswissenschaftliche Forschung. Deswegen vergaben sie an die Studie des ZDF nun den Titel „Unstatistik des Monats“.

Ruhrgebiets-Studie vom ZDF fällt beim RWI durch

Die Studie beinhalte zwar wichtige Merkmale, die Aufschluss über die ökonomische und kulturelle Situation der einzelnen Regionen in Deutschland geben. Daraus „ein allumfassendes Ranking der Lebensqualität in den Regionen abzuleiten, ist zumindest fraglich“, heißt es dazu beim RWI.

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Ähnlich sah es damals auch Martin Schulmann, Sprecher der Stadt Gelsenkirchen. „Es ist ein absolut oberflächliches Abfragen von Parametern. Da denkt sich jemand Fragen aus und konzipiert daraus ein Gesamtbild“, sagte er Anfang April gegenüber DER WESTEN.

Schlechtes Abschneiden für Städte im Ruhrgebiet vorprogrammiert

Das Institut kritisiert vor allem diese Merkmale und deren Zuordnung zu Kategorien. Ein Beispiel: In der Kategorie „Arbeit und Wohnen“ gibt es in der ZDF-Studie die Merkmale Arbeitslosenquote, Einkommen, Anteil der Einwohner in Bedarfsgemeinschaften und die Anzahl der privaten Schuldner.

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Eine hohe Arbeitslosenquote bedeute normalerweise gleichzeitig ein geringes Einkommen, einen hohen Anteil von Einwohnern in Bedarfgemeinschaften und viele private Schuldner. Da diese vier Aspekte einhergehen, würden Regionen mit Finanzproblemen automatisch sehr schlecht abschneiden.

Im Ranking ist klassische Musik wichtiger als Rockmusik

Ähnliche Probleme sieht das RWI in den anderen Kategorien, die mit ins Ranking spielen. So würden beispielsweise Bundesligavereine oder Rockkonzerte – davon gibt es im Ruhrgebiet schließlich viele – nicht in die Statistik eingehen. Stattdessen seien klassische Kulturveranstaltungen gut für die Platzierung.

Somit gehe die Studie ein Stück weit an der Realität vorbei. Solange sich die Menschen im Ruhrgebiet wohlfühlen, könne das kein so schlechter Ort sein. Daher gibt's um Schluss vom RWI noch einen Tipp für die Ruhrgebietler: „Nehmt dieses Ranking als das, was es ist – statistischer Unfug!“ (vh)

 
 

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