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Essen: Familienvater erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei – „Wurden misshandelt und erniedrigt!“

Omar Ayoub erhebt schwere Vorwürfe gegen die Essener Polizei. Auf diesem Foto zieren Hämatome sein Gesicht.
Omar Ayoub erhebt schwere Vorwürfe gegen die Essener Polizei. Auf diesem Foto zieren Hämatome sein Gesicht.
Foto: Privat

Essen. Heftige Vorwürfe gegen die Polizei Essen!

Omar Ayoub (23) und seine Familie sollen laut eigener Aussage Opfer von Polizei-Gewalt geworden sein. Ayoub war am vergangenen Samstag, 25. April, mit seiner schwangeren Frau und seiner kleinen Tochter zu Besuch bei seinen Eltern in Essen-Bochold.

In der Nacht habe es gegen 1 Uhr an der Tür geklingelt. Im Gespräch mit DER WESTEN erzählt Omar Ayoub: „Ich habe mir nichts dabei gedacht, mich nur gefragt, wer um diese Uhrzeit noch klingelt. Zwei Polizisten standen vor der Tür, die wegen einer angeblichen Ruhestörung kamen.“ Dann soll die Lage völlig eskaliert sein!

Essen: Familienvater erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

Nach Darstellung des 23-Jährigen hätten die Beamten eine Hausdurchsuchung machen wollen. Omar Ayoub: „Ich habe ihnen gesagt: 'Besorgen sie einen Durchsuchungsbefehl, dann kommen sie rein.'“ Dann habe er die Tür schließen wollen, doch ein Polizist hätte seinen Fuß in den Spalt gesetzt, Ayoub die Brille aus dem Gesicht gerissen, ihm Pfefferspray vor die Augen gehalten.

Ayoub: „Ich habe ganz normal mit ihm geredet. Daraufhin hat er mich beleidigt und mir ins Gesicht geschlagen. Beide Polizisten sind dann auf mich drauf, ich wollte meine Augen schützen, weil einer von ihnen Pfefferspray gesprüht und mich damit ins Gesicht getroffen hat.“

Er habe nichts mehr sehen können, nur noch Schreie gehört. „Mein Vater kam noch dazu. Als ich wieder die Augen öffnen konnte, stürmten 15 oder 16 Polizisten ins Haus. Zu fünft oder sechst haben sie meinen Vater zu Boden gelegt. Mich haben sie in den Garten gezerrt und auf den Boden geworfen. Einer hatte sein Knie an meinem Nacken, ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Und trotzdem hat mir jemand mit dem Knüppel auf den Rücken geschlagen.“

Schwangere Ehefrau soll zu Boden geschubst worden sein

Seine schwangere Frau sei dazugekommen, hätte die Beamten gebeten, damit aufzuhören, er sei ohnehin überwältigt. „Obwohl sie sagte, dass sie schwanger sei, hat sie ein Polizist auf den Boden geschubst. Ich war schockiert. Dann wurde ich abgeführt, und selbst dann wurde mir mit dem Knüppel auf den Hinterkopf geschlagen.“

Sein Vater sei weiterhin geschlagen worden, auch seine Schwester (16) soll geschlagen worden sein, als sie dazwischen gehen wollte. „Sie ist 16 und sehr zierlich. Ich habe so ein Verhalten noch nie in meinem Leben gesehen. Die Polizei ist dafür da, die Bürger zu schützen. Sogar meine 80-jährige Oma wurde geschubst! Das war eine reine Katastrophe!“ Die einzigen Männer Im Haus seien nur er und sein Vater gewesen. Die übrigen waren Frauen: seine schwangere Ehefrau, seine Oma, seine Mutter und seine beiden Schwestern (16 und 9).

„Selbst im Streifenwagen wurden wir geschlagen und erniedrigt!“

Vor allem die Neunjährige habe völlig verängstigt reagiert. Omar Ayoub: „Sie musste mit eigenen Augen mitansehen, wie ihr Vater und ihr Bruder geschlagen wurden. Sie war am Weinen und am Schreien, hat auch Pfefferspray abbekommen.“ Und weiter: „Selbst im Streifenwagen wurden mein Vater und ich geschlagen und erniedrigt.

Auch nach Ankunft im Polizeipräsidium Altenessen seien sie weiter beleidigt worden. „Ich dachte, wir wären in Nordkorea. Aber wir waren mitten in Deutschland. Ich bin deutscher Staatsbürger, bin hier geboren und hier aufgewachsen. Mein Vater ist deutscher Staatsbürger. Warum tut man uns sowas an?“

Instragram-Video sorgt für Aufsehen

Omar Ayoub glaubt, dass seine Familie und er nur deshalb misshandelt worden seien, weil sie libanesische Wurzeln haben. „Ich kann verstehen, wenn man gegen kriminelle Clans hart durchgreifen will. Aber das auf Kosten von harmlosen Familien? Wir sind noch nie polizeilich in Erscheinung getreten, ich bin selbstständig, zahle Steuern.“

Auch auf Instagram hat er das Martyrium geschildert, hat große Solidarität erfahren. Er habe Anzeige erstattet, so Ayoub, der jetzt auf Gerechtigkeit hofft. Noch wichtiger für ihn: Er will dafür kämpfen, dass so etwas keiner anderen unschuldigen Familie wiederfahren soll.

Linke in Essen fordert sofortige Aufklärung

Der Essener Kreisverband der Linken fordert derweil eine sofortige Aufklärung des Vorfalls. Daniel Kerekeš, der Spitzenkandidat der kommenden Kommunalwahl: „Wenn es stimmt, was die betroffene Familie auf Instagram erklärt, reicht eine Versetzung oder Suspendierung bei Weitem nicht. Dann haben diese Beamten den falschen Beruf gewählt. Es muss jetzt eine schnelle und sorgfältige Aufklärung des Falles her. Es ist nicht das erste Mal, dass die Essener Polizei der Gewalt gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund beschuldigt wird. Das macht mir als Mensch mit Migrationsgeschichte ebenso Angst!“

Kerekeš weiter: „Ich habe die Befürchtung, dass es zu keinen ersthaften Konsequenzen kommt, selbst wenn die Aussagen stimmen sollten. Wir haben in Essen und bundesweit immer wieder erlebt, wie Polizisten nach massivem Fehlverhalten maximal strafversetzt oder für sehr kurze Zeitspannen suspendiert wurden. Leider herrscht noch immer ein falscher preußischer Korpsgeist unter einigen Beamten.“

Polizei Essen weist Anschuldigungen zurück

Die Essener Polizei hat auf Anfrage von DER WESTEN auf eine Mitteilung vom 28. April verwiesen. Darin wird der Fall anders geschildert. So heißt es wörtlich: „Bei dem Einsatz der Ruhestörung wurden die beiden eingesetzten Polizeibeamten massiv angegriffen und mehrere Familienmitglieder solidarisierten sich. Nur durch den Einsatz von Pfefferspray und dem Einsatzmehrzweckstock gelang es den Beamten, die Gruppe in die Wohnung zurückzudrängen und sich selbst in Sicherheit zu bringen.“

Beide Polizisten seien durch den Angriff seitens der Familie Ayoub verletzt und anschließend ambulant im Krankenhaus behandelt worden. Weiter heißt es: „Erst mit der Unterstützung weiterer Einsatzkräfte konnten die Randalierer in Gewahrsam genommen und ihnen Handfesseln angelegt werden. Auf der Polizeiwache Altenessen klagten die Männer über Schmerzen, woraufhin die Polizei einen Arzt anforderte. Nach den polizeilichen Maßnahmen hatten sich auch die beiden Tatverdächtigen beruhigt, sodass diese von der Polizeiwache entlassen wurden.“

Auf die schweren Vorwürfe von Omar Ayoub habe die Polizei „routinemäßig ein Strafverfahren gegen die beteiligten Polizeibeamten eingeleitet.“ Aus Neutralitätsgründen würde die Polizei Bochum die erhobenen Vorwürfe jetzt prüfen.

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NRW-Innenministerium: „Fremdenfeindlichkeit wird in keiner Weise geduldet“

DER WESTEN hat bei NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) nachgefragt, wollte wissen, wie er den Vorfall einschätzt. Eine Sprecherin: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum Fall in Essen aufgrund laufender Ermittlungen keine Bewertung abgeben können. Die Polizei Essen hat gegen die beteiligten Polizeibeamten ein Strafverfahren eingeleitet. Die Ermittlungen hierzu übernimmt aus Neutralitätsgründen die Polizei Bochum.“

Allerdings stellt sie auch klar: „Fremdenfeindlichkeit sowie Diskriminierungen werden von der Polizei in keiner Weise geduldet – weder in der Bevölkerung noch in den eigenen Reihen. Zuwiderhandlungen werden deshalb konsequent geahndet. Damit es aber erst gar nicht zu solchen Vorfällen kommt, werden Polizeibewerber in NRW vor der Einstellung auf Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zu extremistischen Bestrebungen geprüft.“

Reul geht gegen Diskriminierung vor

Das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung sei Einstellungsvoraussetzung. Bei Anhaltspunkten, dass jemand dieser Eignung nicht entspreche, würden sofort Maßnahmen getroffen, die zur direkten Beendigung der Ausbildung und Entlassung führen können.

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Das Ministerium weiter: „Schon in der Ausbildung wird großen Wert auf die Vertiefung von ethischen und verfassungsrechtlichen Grundsätzen sowie auf interkulturelle Kompetenz gelegt. Darüber hinaus hat Innenminister Reul im letzten Jahr eine Wertediskussion in der Polizei angestoßen. Im März hat der Innenminister außerdem die Einführung eines Extremismusbeauftragen in allen Polizeibehörden veranlasst.“