Erstmals Einblick in ehemalige KZ-Baracke in Schwerte gewährt

Om Parkash, ein Flüchtling aus Indien, sitzt im Februar in Schwerte in seinem Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft. Die Stadt war durch die Nutzung der Baracke auf dem ehemaligen Gelände eines KZ-Außenlagers in die Schlagzeilen geraten. Foto. dpa
Om Parkash, ein Flüchtling aus Indien, sitzt im Februar in Schwerte in seinem Zimmer in einer Flüchtlingsunterkunft. Die Stadt war durch die Nutzung der Baracke auf dem ehemaligen Gelände eines KZ-Außenlagers in die Schlagzeilen geraten. Foto. dpa
Foto: Bernd Thissen
21 Männer leben gerade in der viel kritisierten Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände eines einstigen KZ-Außenlagers in Schwerte. Nun durfte sich die Presse dort umsehen.

Schwerte.. Die umstrittene Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Buchenwald in Schwerte-Ost ist bezogen. Erstmals seit Aufkeimen der öffentlichen Diskussion über den Standort waren am Donnerstag Vertreter der Presse in dem Gebäude zugelassen. 21 Männer warten dort den Ausgang ihres Asylverfahrens ab.

Angesichts der bundesweiten Kritik an dem Standort der Unterkunft hatte Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU) vier Wochen nach den Schlagzeilen die Presse für Donnerstag in die Unterkunft eingeladen. Dort arbeiten die Verwaltung und der Arbeitskreis Asyl Hand in Hand, um den Flüchtlingen aus Bangladesch, Afrika, Marokko, Ägypten, Guinea und der Mongoleiein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen. Bisher haben die Männer in einem überfüllten Übergangsheim in Mehrbettzimmern gewohnt.

Fernsehempfang dank Ehrenamtler

An der Ernst-Gremler-Straße sind sie höchstens zu zweit in einem Raum. Es gibt zwei Küchen, zwei Duschräume und mehrere Toiletten. Dank der Ehrenamtler vom Arbeitskreis Asyl hat inzwischen jeder Raum Fernsehempfang, bald soll auch das Internet funktionieren. Gebrauchte Fahrräder, gespendet von Schwerter Bürgern, sollen die abgelegene Lage der Unterkunft wettmachen. Sportvereine aus der Nachbarschaft haben bereits Einladungen zum Fußballtraining ausgesprochen.

Demnächst sollen die Bewohner erfahren, welche düstere Vergangenheit das Gelände rund um ihre Unterkunft hat. Ihr Wohnheim liegt direkt neben einer Außenstelle des früheren Konzentrationslagers Buchenwald (Thüringen).Manche Flüchtlinge hätten schon nach der Bedeutung des nahegelegenen Mahnmals gefragt, berichtet der Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl, Hans-Bernd Marks. Er sucht noch nach einer Möglichkeit, die Historie für die Menschen aus verschiedenen Nationen und sehr geringen Deutschkenntnissen verständlich aufzubereiten. Beim Ortstermin am Donnerstag bekräftigten er und seine Mitstreiter noch einmal, dass man in Schwerte nach wie vor zu diesem Standort stehe. Kritiker hatten der Stadt Schwerte Gedankenlosigkeit vorgeworfen, Flüchtlinge ausgerechnet an einem so historisch belasteten Ort unterzubringen.

Weiterer Anstieg der Zahl der Flüchtlinge

Bürgermeister Heinrich Böckelühr plagen derweil längst andere Sorgen: Ohnehin stark belastet durch steigende Flüchtlingszahlen - 2014 kamen 117 Menschen nach Schwerte, 2015 rechnet man mit mindestens 150 - muss die Kommune sich jetzt auch noch darauf gefasst machen, dass sie den massenhaften Zuzug von Kosovaren, mit denen die Bundesrepublik in diesem Jahr rechnet, mit auffangen muss. Weil 75 Prozent der Aufwendungen für die Flüchtlinge das Stadtsäckel belasten, drohen Probleme mit der Haushaltssanierung.

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