Erfolgsmodell Schulobst geht in eine neue Runde

Martin Teschke
Obst und Gemüse an NRW-Schulen. Die Bewerbungsfrist läuft am 1. April an.
Obst und Gemüse an NRW-Schulen. Die Bewerbungsfrist läuft am 1. April an.
Foto: Tom Thöne
Vom 1. April an können sich Grundschulen und Förderschulen in NRW wieder für die Neuauflage des Schulobstprogramms bewerben. Die Marschrichtung ist klar: mehr Gesundheit, weniger Gewicht.

Essen. Am Anfang war die Angst vor dem dicken Ende: Die Schüler in Europa wurden gewogen und für zu schwer befunden. 22 Millionen Kinder galten als übergewichtig, fünf Millionen als geradezu fettleibig. Die EU in Brüssel überlegte sich 2009 ein Abspeckprogramm, 2010 wurde die Vitaminbombe auch in NRW gezündet, zwischen dem 1. April und dem 9. Mai können sich Grundschulen und Förderschulen mit Primarstufe für die Neuauflage des Schulobstprogramms bewerben.

Im jetzt noch laufenden Schuljahr waren immerhin schon 800 Schulen im Land dabei. Für 144 000 Kinder bedeutet das einen Obsttag dreimal in der Woche. 100 Gramm für jedes Kind, so hat es Brüssel versprochen. Eine Erfolgsgeschichte, denn vor vier Jahren waren nur 355 Schulen mit 65 000 Jungen und Mädchen mit an Bord, allerdings wurde damals noch an jedem Tag der Woche angeliefert.

Eltern und Großeltern

Von Anfang an dabei ist die Essener Schule am Morungenweg. Schulleiterin Marlene Semmerling (62) kennt also die Praxis: „Der Obst- und Gemüsehändler liefert gegen sechs, halb sieben die Kisten bei der Schule an, der Hausmeister nimmt sie in Empfang. Später kommen dann zwei Freiwillige, also Eltern oder Großeltern, und schneiden, vierteln oder schälen die Früchte.“

Im Normalfall, so Semmerling, machen sich die Kinder dann auch über den Obstteller her: „Es gibt mal Ausnahmen, etwa wenn die Äpfel nach dem Schälen etwas braun anlaufen. Dann bleibt was liegen.“ Kleine Kinder sind da bekanntlich schon mal etepetete. „Deshalb auch schälen wir die Bananen nicht mehr vorab, weil die dann ein wenig die Farbe verändern. Manchmal bereiten die Kinder das Essen auch selber zu, regelmäßig geht das aber nicht, weil es zu viel Unterrichtszeit in Anspruch nehmen würde.“

Das schmeckt Bernd Hesseling (52) dann nicht so unbedingt. Der Mann vom Bauernmarkt „Lindchen“ in Uedem ist ein Obst- und Gemüsehändler mit Herz und Seele, beliefert die St. Georg Schule in Goch und findet, „dass die Lücke zwischen Frucht und Kind von den Lehrern geschlossen werden muss. Kinder, die lernen, wie man Paprika schneidet oder eine Möhre schält, die lernen doch wirklich was. Und die werden sich auch später vernünftiger ernähren.“ Auch deshalb gehören Besuche der Kinder auf Höfen und Streuwiesen mit zum Programm.

Für die Händler, die sich eine Lizenz zum Liefern besorgen müssen, ist das Schulprojekt ein willkommenes Zubrot. „Der gezahlte Preis von 30 Cent für 100 Gramm ist gut, allerdings ist ein hoher logistischer Aufwand nötig, wir verpacken das Obst und Gemüse für jede Klasse einzeln.“

EU hat die Mittel erhöht

Versorgt werden die Kinder, das ist dem niederrheinischen Landwirt wichtig, vor allem mit regionalen und saisonalen Produkten. Das reicht von Äpfeln und Birnen über Kirschen und Stachelbeeren bis zu Trauben und Zwetschgen. „Eine Mitarbeiterin von mir spricht das mit den Klassenlehrern genau ab. Im Moment gibt’s aber noch nicht so viel Auswahl, als Nächstes kommen dann die Erdbeeren.“

Insgesamt 180 Millionen Euro stellt die EU europaweit zur Verfügung, 19,7 davon gehen nach Deutschland. Der Betrag wurde in diesem Jahr aufgestockt, die Beteiligung der Länder von 50 auf 25 Prozent gesenkt. Das hatte Folgen: Neben NRW sind sieben andere Bundesländer mit von der Land-Partie, jetzt, wenn es bei dem Frischeprogramm nicht mehr ans Eingemachte gehen muss.