Erdogan bekommt Steiger-Award nach Absage nicht - Proteste sollen stattfinden

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: dapd
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Foto: dapd
Der türkische Ministerpräsident Erdogan wird am Samstagabend nicht an der Verleihung des Steiger-Awards teilnehmen. Der Preis soll ihm nach der Absage auch nicht in Abwesenheit verliehen werden. Die Protestaktionen sollen nach Auskunft der Polizei trotzdem stattfinden.

Bochum.. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen für Samstag geplanten Besuch in Deutschland und die Teilnahme an der Verleihung des sogenannten Steiger-Awards in Bochum abgesagt. Wie der Veranstalter der Preisverleihung am Freitag auf seiner Internetseite mitteilte, wurde die Absage mit dem Absturz eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan begründet. Bei dem Unglück kamen 14 Menschen ums Leben.

Erdogan sollte am Samstagabend in Bochum mit dem Steiger-Award 2012 ausgezeichnet werden. Der Preis sollte ihm "für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft stellvertretend für das türkische Volk" übergeben werden, wie die Veranstalter mitteilten. Mit dem aus einer Privatinitiative entstandenen Preis sollen laut den Initiatoren Persönlichkeiten gewürdigt werden, "die sich durch Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz auszeichnen".

Der Initiator des Preises, Sascha Hellen, erklärte, der Preis werde auch nicht in Abwesenheit verliehen. Wie ein Sprecher am Morgen erklärte, werde die Kategorie "Europa" ersatzlos gestrichen. Die Laudatio auf Erdogan sollte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder halten.

Heftige Kritik an Preis für Erdogan

Die geplante Auszeichnung Erdogans war heftig kritisiert worden. Gegen die Preisverleihung wollen nach Polizeiangaben ab Samstagmittag mehrere tausend Menschen in der Bochumer Innenstadt protestieren. Demonstration wurden unter anderem von alevitischen, armenischen und kurdischen Organisationen angemeldet. Die geplanten Protestaktionen in der Bochumer Innenstadt und im Stadion sollen nach Auskunft der Polizei trotzdem stattfinden.

Beim dem Absturz des türkischen NATO-Hubschraubers wurden in Afghanistan zwölf Soldaten und zwei Zivilisten getötet. Der Helikopter war nach Polizeiangaben am Freitagvormittag aus noch ungeklärter Ursache in ein Haus nahe der Hauptstadt Kabul gestürzt und hatte Feuer gefangen. Die Türkei ist mit 1850 Soldaten am internationalen Afghanistan-Einsatz beteiligt. (kari/afp/dapd)

Polizei warnt vor Behinderungen - die Demos in der Übersicht

Die Polizei in Bochum warnt ausdrücklich vor "erheblichen Verkehrsbehinderungen" in der Stadt.

Die Veranstaltungen im Überblick:

  • Alevitische Gemeinde - 14.30 Uhr Versammlung Revierpower-Stadion. Nach zwei Stunden Marsch Richtung Bergbaumuseum über Castroper Straße, Nordring, Herner Straße. 30 Minuten Kundgebung am am Bergbaumuseum. Dann zurück Richtung Stadion.
  • Kurden - 2000 Teilnehmer angemeldet. 16.30 Uhr Treffen am Kurt-Schumacher-Platz, Marsch über Südring bis Rottstraße, über Annastraße, Alleestraße. 30 Minuten Kundgebung, dann über Alleestraße zum Willy-Brandt-Platz. Abschlusskundgebung bis 20.30 Uhr.
  • Zentralrat der Armenier - 500 Teilnehmer angemeldet. 15 bis 17.30 Uhr Husemannplatz.
  • Bündnis gegen Antisemitismus - 50 Teilnehmer angemeldet. Kundgebung von 16 bis 18 Uhr, Dr.-Ruer-Platz.
  • Föderation türkischer Sozialdemokraten. 16 bis 19 Uhr Christuskirche.

Unter der Rufnummer 0234/909-4444 ist ein Bürgertelefon bei der Polizei geschaltet.

Kommentar: Warum Erdogan heute nicht zum Steiger-Award kommt

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