Einfacher, aber nicht immer billiger

Ein Ausriss aus der neuen Preistabelle des VRR für 2012
Ein Ausriss aus der neuen Preistabelle des VRR für 2012

An Rhein und Ruhr. Bus- und Bahnfahren an Rhein und Ruhr wird zum Beginn nächsten Jahres einfacher und vor allem in den meisten Fällen preiswerter. Endlich, darf man sagen. Nach jahrelangen Verhandlungen der Verkehrspolitiker und beinhartem Gefeilsche ums Geld wird der Einheitstarif zwischen Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Tarifgemeinschaft Niederrhein (VGN) umgesetzt.

Ab 1. Januar 2012 verschmelzen beide Regionen zu einem Tarifraum. Rund acht Millionen Menschen zwischen Dortmund und Xanten können zu den gleichen Bedingungen den dortigen öffentlichen Nahverkehr nutzen. VRR-Chef Klaus Vorgang jubelt, dass es für 80 Prozent der Fahrgäste Verbesserungen gibt, der Landrat des Kreises Wesel, Ansgar Müller, sprach unlängst gar von einem „Quantensprung“.

Wer früher zwischen den Tarifregionen wechseln wollte, musste ein halbe Doktorarbeit schreiben; das wird jetzt deutlich simpler. Allerdings müssen sich VGN-Kunden an die VRR-Fahrscheinbezeichnungen und -Preisstufen gewöhnen. Die neue Preisregelung ist im Detail der Grafik zu entnehmen (Mehr Infos: www.vrr.de) Aber wie das so ist bei großen Reformen. Es gibt Gewinner – und Verlierer. Ein paar Beispiele, die der VRR herausgearbeitet hat, machen das deutlich:

Tickets stückeln machtBahnfahrt billiger

Nehmen wir Herrn Meier, der täglich von Oberhausen nach Wesel pendelt. Bisher nutzt er den Bahnfahrschein Schöner-Monat-Ticket NRW für 134,10 Euro. Künftig kann er die Strecke mit dem Verbund-Ticket 1000 der Preisstufe B erledigen, und zwar zum Preis von 93 Euro.

Familie Müller aus Krefeld möchte am Wochenende einen Ausflug nach Kevelaer unternehmen. Bislang war das Schöner-Tag-Ticket NRW der Bahn erste Wahl (für 36 Euro). Fortan kaufen sich die Müllers ein Gruppenticket der Preisstufe C und zahlen 30,80 Euro.

Frau Schmitz aus Ennepetal, die gelegentlich ihre Mutter in Emmerich besucht, profitiert ebenfalls. Sie zahlt derzeit für die einfache Fahrt im NRW-Tarif 25,20 Euro, demnächst kauft sie ein Einzelticket der neu eingeführten Preisstufe E. Dafür muss sie 15,10 Euro bezahlen.

Einige müssen tiefer in die Tasche greifen

Aber der Einheitstarif hilft nicht jedem. Die geänderte Tarifstruktur führt dazu, dass einige tiefer in die Tasche greifen müssen. Zum Beispiel Frau Schulz aus Emmerich, die manchmal zu ihrer Freundin nach Düsseldorf fährt. Bislang hatte die Bahncard-50-Besitzerin ein Ticket im NRW-Tarif 2. Klasse gezogen, und zwar für 9,30 Euro. Demnächst steht ihr für diese Strecke lediglich die Preisstufe E zur Verfügung, die 15,10 Euro kostet. Auch Fahrgäste aus dem Kreis Wesel, die Richtung Landeshauptstadt unterwegs sind, müssen mehr bezahlen. Zudem gilt nun das Schokoticket – und Eltern, deren Kinder bislang gratis fuhren, ärgern sich, dass sie nun zahlen müssen.

Lothar Ebbers vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ fordert nicht nur eine engere Verzahnung bei den Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen. Vor allem sieht er beim Zuschnitt der Tarifräume Handlungsbedarf. „Es ist in vielen Fällen einfach ungerecht.“ Allein die Tatsache, dass es nach der Reform günstiger ist, zwischen Wesel und Düsseldorf zu stückeln, mache deutlich, dass der Zuschnitt verändert werden müsse. Sein Beispiel: Wer als Zeitkartennutzer auf dieser Relation die eigentlich vorgesehene Preisstufe E nutze, zahle monatlich etwa 30 Euro mehr als jener Fahrgast, der zwei Tickets der Preisstufe B wählt: Auf Etappe 1 kommt er von Wesel bis Oberhausen und dann weiter auf Etappe 2 von Oberhausen bis nach Düsseldorf. „Das“, so Ebbers, „kann langfristig nicht so bleiben.“

 
 

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