Ein Jahrzehnt im Auf und Ab

Stephan Hermsenund Andreas Gebbink

Weeze.  Es geht ein Flug nach Nirgendwo: Wer über dem allzu oft grau verschleierten Niederrhein einfliegt, fragt sich gewiss manchmal, warum in aller Welt zwischen Wiesen und Gewächshäusern, im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Holland, überhaupt ein Flughafen existiert. Doch mittlerweile hat sich die Piste im Nichts etabliert: Immerhin 2,4 Millionen Passagiere erwartet der Flughafen Niederrhein in diesem Jahr.

Und die meisten wissen mittlerweile, dass „Düsseldorf-Niederrhein“ im Ryan-Air-Sprech nicht für den Flughafen der Landeshauptstadt steht, sondern für das kleine turnhallenähnliche Terminal am Rande des Niederrheins.

Ist der Flughafen ein Erfolg? In den Augen des örtlichen Bürgermeisters schon: Die Zahl der Arbeitsplätze stieg von 1800 auf 2600, 1600 Neubürger sind ins jetzt fast 11 000 Einwohner zählende Städtchen gezogen, in dem CDU-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla seine Karriere startete. Kein Wunder, dass auch die Kanzlerin schon mal in Weeze landete.

Der Start indes wäre fast in einer Bruchlandung geendet. Kaum hatten 2003 die ersten Maschinen abgehoben. Der erste Billigflieger namens V-Bird, der seine Maschinen in Weeze stationierte, stürzte schon nach einem Jahr in die Insolvenz. Ein Spiel, das sich einige Jahre später mit „Hamburg International“ wiederholen sollte. Dann wurde dem Flughafen 2006 sogar die Betriebserlaubnis entzogen: Anwohner hatten gegen die Lärmbelästigung und das Rund-um-die Uhr-Fliegen geklagt. Immerhin: Mittlerweile hat man sich außergerichtlich geeinigt, eine neue Betriebserlaubnis erlaubt Flüge von 6 bis 22 Uhr. Maschinen mit dem Heimatflughafen Weeze dürfen noch ein Stündchen länger nach Hause fliegen.

Betreiber sehen Weezeim Steigflug

Heimatflughafen ist Weeze vor allem für Ryanair. Neun Maschinen des irischen Billigflug-Pioniers sind in Weeze stationiert. Und das Unternehmen ist der große Fallschirm für den gar nicht mehr so kleinen Flughafen: Zieht Ryanair die Reißleine, ist der Flughafen Niederrhein im freien Fall. Klar versuchen die Flughafenanbieter, auch andere Fluganbieter an den Niederrhein zu locken. Bislang ohne richtig große, dauerhafte Erfolge, nur sporadisch fliegen Transavia, Air Berlin und Tailwind für Pauschalreisen auch an den Niederrhein.

Dennoch sehen die Flughafenbetreiber Weeze im Steigflug: Fürs laufende Jahr wird ein Passagierplus von zehn Prozent erwartet. 2,4 Millionen Passagiere sollen dann ab Weeze fliegen. Damit wäre man immerhin wieder auf dem Niveau von 2009. Im Jahr 2010 flogen sogar fast drei Millionen Menschen vom ehemaligen britischen Fliegerhorst Laarbruch. Die Luftverkehrsabgabe sorgte dann für einen kleinen Absturz, doch im April feierte man immerhin den 15. Millionsten Passagier. Die Betreiber träumen davon, den Terminal zu erweitern und vier bis fünf Millionen Fluggäste in die Luft zu bringen..

Wachsen muss der Flughafen: Denn im laufenden Betrieb macht der Flughafen, wie so viele kleinere Airports im Land, Miese. Kommune und Kreis Kleve sehen nicht einmal die Zinsen für die Kredite in Höhe von rund 34 Millionen Euro bekommen, die sie einst investiert haben, finanziell ist’s also erst ein Fluchhafen. Zumal die EU darin eine Förderung mit Steuergeldern sieht. Andererseits: Immerhin zahlt der Flughafen eine halbe Million Euro Gewerbesteuern.

Und eigentlich müssten Land und Kreis noch viel mehr investiert werden, wenn der Flughafen weiter wachsen soll: Zufahrtsstraßen müssten ausgebaut werden, sogar von einer Bahnanbindung träumen manche. Damit auch ein Zug dahin fahren kann, wo so viele das Nirgendwo wähnen.