Düsseldorf

Duisburg: Paukenschlag bei Mafia Prozess gegen 'Ndrangheta-Mitglieder – DAS sorgt für einen Abbruch

Ndranghetta-Prozess in Düsseldorf

Mammut-Verfahren gegen mutmaßliche Mafiosi.

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Düsseldorf. Ein hoher Zaun, Maschendrahtzaun, Drehkreuze, Sicherheitsschläusen. Das Prozessgebäude in Düsseldorf gleicht einer Festung. Hier wird gegen mutmaßliche Islamisten und Terroristen der Prozess geführt – und wie am Montag auch gegen mutmaßliche Mafia-Mitglieder. Spätestens die Duisburger Mafia-Morde im Jahr 2007 machten die Präsenz der kriminellen Organisation in NRW erschreckend deutlich.

Gegen insgesamt 14 mutmaßliche Mitglieder der italienischen 'Ndrangheta hat die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage erhoben. Fast 650 Seiten umfasst die Anklageschrift, 40 Anwälte, 57 Umzugskartons an Akten, 90 angesetzte Termine. Es war der Auftakt eines Mammut-Prozesses. Doch der erste Prozess-Tag war überraschend schnell vorbei.

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Duisburg/Düsseldorf: Mafia-Prozess gegen 14 Angeklagte startet

Der Andrang vor dem Gerichtsgebäude in Düsseldorf ist groß. Vor dem streng gesicherten Eingang bildeten sich lange Schlangen. Erst um kurz nach 10 Uhr statt um 9.15 Uhr eröffnete der Vorsitzende Richter die Sitzung in Saal 1. Wegen der Corona-Auflagen war die Zahl der Zuschauer streng limitiert. Rund ein Dutzend wird nach langer Wartezeit abgewiesen: Alles voll.

Die Anklage ist das Resultat der internationalen „Operation Pollino“. In dessen Rahmen durchsuchten 2018 rund 400 Beamte Objekte in Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien gegen Mitglieder der 'Ndrangheta vorgegangen. Gegen 14 Männer wurde am Ende Anklage erhoben. Sie stammen unter anderem aus Duisburg, Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln, Solingen, Grevenbroich, Wesseling und Neuss.

Die Vorwürfe gegen die Beschuldigten könnten Bücher füllen: Bildung und Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Betrug, Steuerhinterziehung, Verstößen gegen das Waffengesetz und der vielleicht schwerste Vorwurf, der Handel mit rund 680 Kilogramm Kokain.

Verteidiger: „Vage Beweislage“

Fünf der 14 sollen direkt zur 'Ndrangheta gehören, einem der mächtigsten Mafia-Kartelle der Welt, das im weltweiten Kokainhandel kräftig mitmischt. Auch der Prozess in Duisburg soll seine Fühler bis nach Südamerika ausstrecken.

Vor Beginn des Prozesses erklärte Rolf Bonn, Rechtsanwalt und Verteidiger einer der Beschuldigten, die Anklage fuße in einigen Punkten auf einer „vagen Beweislage“. Bonn bezeichnete den Kronzeugen der Staatsanwaltschaft als „unglaubwürdig“. Er gehe davon aus, dass „am Ende ein ganz anderes Ergebnis stehen“ werde, als die Anklage der Staatsanwaltschaft dies andeuten würde.

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Doch zur Verteidigung seines Mandanten kam Bonn an diesem Montagmorgen gar nicht erst. Die Mutter eines Angeklagten wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Da auch der Angeklagte selbst am Wochenende noch Kontakt zu seiner Mutter hatte, hatte er sich in vorsorgliche Quarantäne begeben und bereits einen Abstrich gemacht. Eine Anreise zum Prozess war ihm damit nicht mehr möglich.

Corona-Test sorgt für schnelles Ende am ersten Prozesstag

Zum Hintergrund: Nur acht der 14 Beschuldigten sitzen in Haft. Neben den fünf Angeklagten, die laut laut Staatsanwaltschaft zur 'Ndrangheta gehören, befinden sich drei Verhandlungspartner derzeit in einer Zelle. Die übrigen sechs Angeklagten, die als mögliche Unterstützer oder Geldgeber gehandelt werden, befinden sich jedoch nicht in einem Gefängnis.

Da die Kammer das Verfahren gegen alle 14 nur fortgesetzt, beziehungsweise überhaupt aufgenommen werden kann, wenn alle Beschuldigten anwesend sind, wurde die Verhandlung bereits nach rund 25 Minuten vertagt. Bis Freitag, so die beteiligten Richter, liege vermutlich ein Ergebnis des Corona-Tests des Angeklagten vor.

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Mehr zum Wirken der Mafia in NRW liest du hier:

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Das Coronavirus droht zu einer verzwickten Angelegenheit für das Gericht zu werden. Schließlich ist davon auszugehen, dass es bei einer so großen Anzahl von Angeklagten immer wieder zu Corona-Verdachtsfällen oder Infektionen kommt. Das Gericht müsste in diesen Fällen immer wieder pausieren. Ein Prozessende, wie angesetzt im Dezember 2021, scheint schon jetzt unrealistisch. (dav)

 
 

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