Düsseldorf

Düsseldorf: Stadt reagiert endgültig auf Kritik im Umgang mit Obdachlosen – „Damit beenden wir die Winter-Nothilfe“

Die Stadt Düsseldorf will Obdachlose ganzjährig Alternativen zu Schlafstellen unter freiem Himmel bieten. (Archivbild)
Die Stadt Düsseldorf will Obdachlose ganzjährig Alternativen zu Schlafstellen unter freiem Himmel bieten. (Archivbild)
Foto: imago images / Jürgen Ritter

Düsseldorf. „Wir sind die Lobby für die, die keine Lobby haben.“ Das ist das Selbstverständnis von fiftyfifty in Düsseldorf. Die Organisation setzt sich für die Belange von Obdachlosen ein und kritisiert regelmäßig Maßnahmen der Stadt.

Straßenführung zeigt Düsseldorf aus Sicht von Obdachlosen
Straßenführung zeigt Düsseldorf aus Sicht von Obdachlosen

Nach der Eröffnung einer neuen Notschlafstelle in Düsseldorf schlägt fiftyfifty jedoch versöhnliche Töne an. Dafür gibt es einige Gründe.

Düsseldorf eröffnet Notschlafstelle mit besonderem Angebot

Für Obdachlose gab es bislang auch in der größten Not immer wieder Argumente dafür, die „Platte“ einer Notunterkunft vorzuziehen. Die neue Notschlafstelle der Franzfreunde an der Graf-Adolf-Straße in Düsseldorf ist die Antwort auf viele dieser Punkte.

+++ Ex-Obdachloser aus Düsseldorf schockiert: „Sie haben ihm einfach auf den Schlafsack gepinkelt“ +++

Betroffene können zum Beispiel Hunde mitbringen oder als Paar in einem privaten Zimmer unterkommen. Außerdem ist die zentral am Hauptbahnhof gelegene Unterkunft gut erreichbar. Und wer sein Zimmer für die Nacht bezogen hat, darf abends auch noch einmal vor die Tür.

„Wir weisen niemanden ab“

Regulär finden hier nachts 80 Menschen ein Obdach. Es gibt aber auch Möglichkeiten, etwa bei extremen Wetterlagen Ausweichquartiere zu nutzen.

+++ Obdachlose aus Düsseldorf wandert in Knast – was dann passiert, verändert ihr ganzes Leben +++

„Wir weisen niemanden ab“, betont Geschäftsbereichsleiter der Wohnungslosenhilfe bei den Franzfreunden, die die Einrichtung im Auftrag der Stadt betreiben. Zur Not könnten Betroffene an andere Unterkünfte im Stadtgebiet vermittelt werden.

„Wir beenden damit die Winter-Nothilfe“

Mit der neuen Notschlafstelle verabschiedet sich Düsseldorf außerdem von einem jahrelangen Konzept. „Wir beenden die sogenannte Winter-Nothilfe“, freut sich Miriam Koch, Amtsleiterin des Düsseldorfer Amtes für Migration und Integration.

+++ Ex-Obdachloser aus Düsseldorf gesteht: „DAS habe ich auf der Straße am meisten vermisst“ +++

Bislang waren die Notschlafstellen vom 15. November bis 15. März (mit flexibler Anpassung je nach Wetterlage) geöffnet. Die Unterkunft an der Graf-Adolf-Straße ist nun ganzjährig geöffnet.

„Beitrag zum sozialen Frieden in Düsseldorf“

„Was die Stadt hier geschaffen hat, ist ein Beitrag zum sozialen Frieden in Düsseldorf“, lobt fiftyfifty-Gründer Hubert Ostendorf in der „Rheinischen Post“.

Die Stadt hat damit wichtige Forderungen des Streetworkkonventes erfüllt, zu dem Frau Koch und die Franzfreunde im Oktober letzten Jahres alle Akteure der Streetwork in Düsseldorf eingeladen hatten.

„Allerdings kritisieren wir die in diesem Zusammenhang angekündigte Räumung von Schlafplätzen“, heißt es auf der Homepage von fiftyfifty.

Stadt kündigt weitere Maßnahmen an

Von der Linie der Auflösung von Camps, wie zuletzt am NRW-Forum oder am Kommödchen, will sich die Stadt aber nicht abbringen lassen. Es könne nicht das Ziel sein, dass Betroffene die Straße anderen Unterbringungsmöglichkeiten vorziehen, sagt Peter Goeke-Rohstock von der Stadt Düsseldorf.

Er sagt, dass Obdachlose nach der Auflösung von Camps häufig positiv überrascht von den Angeboten der Stadt wären. Aber er warnt: „Die Notschlafstelle darf nicht zum Dauerangebot werden.“

Eine Anschlussperspektive zur Notschlafstelle sei für die Menschen dringend erforderlich.

Neue Wohnräume müssen her

An dieser Stelle geben sich die Vertreter der Stadt selbstkritisch. „In der Vergangenheit gab es aufgrund mangelnder Kapazitäten oft keine weiteren Perspektiven“, so Goeke-Rohstock.

+++ Köln: Mann erhält unfassbare Job-Absage! Unternehmen reagiert drastisch +++

Heißt im Klartext: Es fehlt an städtischem Wohnraum auf dem überhitzen Markt, ob zur Miete oder in stationären Einrichtungen. „Dafür könnten auch Unterkünfte umgewandelt werden“, sagt Miriam Koch.

Unter dem Titel „Masterplan Obdach“ würden derzeit Kräfte gebündelt. Damit in Zukunft mehr Menschen von der Straße in Wohnverhältnisse übergehen können.

 
 

EURE FAVORITEN