Düsseldorf

Düsseldorf: Ex-Obdachloser gesteht: „DAS habe ich auf der Straße am meisten vermisst“

Straßenführung zeigt Düsseldorf aus Sicht von Obdachlosen

Markus Mahkorn lebte viereinhalb Jahre auf der Straße. Jetzt zeigt er Düsseldorf aus Sicht von Obdachlosen.

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Düsseldorf. Es ist eine bewusste Entscheidung gewesen. Für ein Leben als Obdachloser in Düsseldorf. Alles zurücklassen. Den Druck der laufenden Kosten, die Sorgen der Arbeitslosigkeit, auch die erweiterte Familie.

„Irgendwann habe ich einfach den Mut verloren“, erinnert sich Markus Mahkorn (46). „Dann habe ich die Tür hinter mir zugemacht und bin auf die Straße gegangen.“ Ohne Plan. Erstmal schauen, ob man überlebt. Es sollte klappen.

Viereinhalb Jahre lang schlug sich der gelernte Bürokaufmann auf der Straße in Düsseldorf durch. Geld vom Arbeitsamt beziehen? Kam für den 46-Jährigen damals nicht in Frage.

Düsseldorf: So landete Markus Mahkorn auf der Straße

Markus Mahkorn hatte zuvor rund zehn Jahre in seinem Job gearbeitet, war über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Dann verlegten Geschäftsführer die Buchführung ins Ausland. „Drei Mal ist mir das passiert“, sagt er.

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Der Vertrag bei der Zeitarbeitsfirma lief aus. Die Miete und alte Ratenverträge konnte er nicht mehr stemmen. Arbeitslosengeld wollte er nicht beantragen. Aus Scham, dem Staat auf der Tasche zu liegen? „Behörden waren noch nie so mein Ding“, antwortet Mahkorn ausweichend.

„Habe jeden Mülleimer persönlich beim Namen gekannt“

Um sich über Wasser zu halten, sammelte er Pfandflaschen. 15 bis 20 Kilometer riss der Obdachlose jeden Tag ab. „Auf meiner Route habe ich jeden Mülleimer persönlich beim Namen gekannt.“

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Nach einem Monat freundete er sich mit anderen Obdachlosen an. Die zeigten ihm einschlägige Anlaufstellen im Stadtgebiet: Tagesaufenthaltsorte („Shelter“), Suppenküchen, Notschlafstellen. „Die erste Dusche nach einem Monat, die tat unheimlich gut“, erinnert er sich.

So viel Geld reicht zum Leben auf der Straße

Von da an stand der Tagesablauf fest. Von morgens bis abends Flaschen sammeln. Tagesziel: acht bis neun Euro. Davon Tabak, etwas zu Essen und Bier kaufen. Abends mit den Kumpels treffen.

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Die Notschlafstelle war für ihn selten eine Option. Der Grund: In den meisten Einrichtungen war nach 19 Uhr kein Ausgang mehr gestattet. „Aber am Wochenende oder wenn Fußball war, habe ich erst am Abend richtig Geld verdient.“

Neustart mit fiftyfifty

Erst als ihm die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte, musste er umdenken. Um eine Krankenversicherung zu bekommen, beantragte er schließlich „Hartz 4“ und zog zunächst für zwei Jahre in eine dauerhafte Einrichtung der „Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder“ in Düsseldorf.

Außerdem begann er als Stadtführer und Verkäufer des Straßenmagazins „fiftyfifty“. Mehr zu den Stadtführungen wohnungsloser Menschen in Düsseldorf erfährst du hier >>>

„Housing First“ in Düsseldorf

Eine eigene Wohnung? Das war für Markus Mahkorn in dieser Zeit utopisch. Seine Arbeitslosigkeit schreckte viele Vermieter ab. Nach zahlreichen fehlgeschlagenen Versuchen sollte es erst über das „Housing first“-Projekt von fiftyfifty klappen.

Um Obdachlose von der Straße zu holen, hat der Verein das Konzept aus den USA in Düsseldorf etabliert. Der Ansatz: Menschen zuerst wieder in die eigenen vier Wände bringen. Aus dieser Situation weitere Hilfe zur Selbstständigkeit anbieten. Dazu hat fiftyfifty eigene Häuser und Wohnungen gekauft, um sie als Sozialwohnungen zu vermieten. Mehr Infos zu „Housing first“ findest du hier >>>

„Das habe ich auf der Straße am meisten vermisst“

Für den 46-Jährigen ein Glücksfall, endlich wieder eine eigene Haustür. „Wenn jetzt einer an der Tür klingelt, brauche ich nicht aufmachen, wenn ich nicht will.“

Eine Sache feiert er besonders: „Was mir am meisten auf der Straße fehlte, war der Fernseher.“ Sportverrückt sei er. Fußball und Leichtathletik.

Von der Straße in den Job

Der nächste große Schritt dann vor einem halben Jahr. Eine Betreuerin hat Mahkorn einen Job in der Buchhaltung in einer Firma in Düsseldorf vermittelt. Der ehemalige Obdachlose hat also nicht nur wieder eine Wohnung, sondern kann seine Miete auch selbst bezahlen.

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Die Umstellung, das frühe Aufstehen, das stundenlange Arbeiten vor dem Computer, habe ihm keine Probleme bereitet. „Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier.“

 
 

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