Düsseldorf

Düsseldorf: Mutter landet auf der Straße – was mit ihren Kindern passiert, bricht ihr das Herz

Nicci (36) aus Düsseldorf hat seit drei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern.
Nicci (36) aus Düsseldorf hat seit drei Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern.
Foto: TV NOW

Düsseldorf. „Mama, ist nicht schlimm, wenn wir die Wohnung verlieren. Wir können ja zelten.“ Diese Worte ihres zweiten Sohnes haben sich bei Nicci (36) aus Düsseldorf eingebrannt.

Drei Jahre ist das her. Weil der Vater ihres zweiten Sohnes sechs Monate lange die Miete nicht mehr gezahlt hatte, flogen sie raus aus ihrer Wohnung.

Nicci verlor nicht nur ihr Dach über dem Kopf. Das Jugendamt Düsseldorf entzog ihr auch die Kinder. Ihr älterer Sohn kam bei seinem Vater unter, der Jüngere kam in eine Wohngruppe.

Sie verliert den Kontakt zu beiden, ihr bleiben nur noch Handyvideos aus glücklichen Tagen.

Düsseldorf: Mutter landet auf der Straße – dann droht die nächste Räumung

Nicci ist eine von mehreren Obdachlosen, die ein Kamerateam von „Vox“ über ein Jahr begleitet hat. Zum Start der Dreharbeiten lebt die zweifache Mutter gemeinsam mit einer Gruppe Obdachloser und ihrem Hund in einem Zeltlager am NRW-Forum in Düsseldorf.

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„Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass ich irgendwann mal obdachlos auf der Straße sitzen würde. Ich hab immer gedacht, das passiert anderen, aber mir nicht“, sagt sie nachdenklich.

Es herrscht Ungewissheit am NRW-Forum. Die Stadt hatte das Zeltlager eine Weile lang geduldet. Jetzt droht die Räumung.

„Man hat das Gefühl, als würden die auf einen Müllhaufen gucken“

Ihr Alltag ist beschwerlich. Aber er funktioniert. Morgens eine Runde mit dem Hund. Frühstücken und Duschen kann sie im „Shelter“ der Diakonie.

Dann geht’s zum Schnorren in die Altstadt: „Manche gehen hier vorbei. Da hat man das Gefühl, als würden die auf einen Müllhaufen gucken“, sagt Nikki.

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Was die Passanten geben, teilt die Gruppe unter sich auf. Sie sind unzertrennlich. Doch die Räumung ihrer Platte droht sie zu trennen.

Neue Wohnung über fiftyfifty?

Doch sie sind nicht allein. Julia von Lindern, Sozialarbeiterin der Obdachlosenhilfe fiftyfifty betreut Nicci auf der Platte.

Sie weiß, dass sich die Mutter nichts mehr als eine Wohnung wünscht, um ihre Kinder wieder bei sich aufnehmen zu können. Über das „Housing first“-Projekt (mehr dazu erfährst du hier >>>) hat fiftyfifty bereits zahlreichen Obdachlosen eine neue Wohnung gestellt.

Straßenführung zeigt Düsseldorf aus Sicht von Obdachlosen
Straßenführung zeigt Düsseldorf aus Sicht von Obdachlosen

Doch der Bedarf ist groß und der Verein hat noch nicht genügend Wohnraum: „Wir haben auf unserer Liste Menschen, bei denen es besonders dringend ist, die vielleicht die nächsten Monate oder den nächsten Winter nicht überleben würden. Und so wägen wir intern ab, wer es gerade am dringendsten braucht“, erklärt Julia von Lindern.

Stadt macht unerwartetes Angebot

Andere Obdachlose haben im kalten Winter Vorrang, etwa der heroinsüchtige Helmut (62) oder die akloholkranke Ela (45).

Doch auch für Nicci nimmt die Räumung des NRW-Forums eine überraschende Wendung. Die Stadt bietet der gesamten Gruppe zwei Häuser an, wo zuvor Flüchtlinge untergebracht waren.

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Hier kann die eingeschworene Gruppe gemeinsam unterkommen.

Ende gut, alles gut?

Als Nicci und ihre Freunde das Anwesen am Stadtrand sehen, sind sie vollkommen begeistert. Es gibt sogar einen Garten für die Hunde.

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Nun hofft die 36-Jährige, dass zumindest der jüngere Sohn wieder zurück zu ihr darf. Damit ihr mehr als nur Handyvideos aus dem Leben ihrer Kinder bleiben.

Ob Nicci ihre Kinder wiedersehen kann, erfährst du in den beiden nächsten Ausgaben der Dokumentation „Obdachlos – Einzug in ein neues Leben“ am 18. und 25. Februar, jeweils um 20.15 Uhr bei VOX oder bei TV NOW.

 
 

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